Die Türen des Pfalzmuseums Forchheim stehen weit offen. Schon beim Eintreten spürt man die besondere Stimmung. Die Ausstellung mit Porträtfotografien der 1920er Jahre aus Forchheim ist gerade eröffnet worden, und der Strom der Besucher reißt nicht ab.
In den Räumen hängen fünfzig ausgewählte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die aus dem Fundus von 1700 Glasplatten des ehemaligen Fotogeschäfts Luthardt/Brüggemann stammen. Die Bilder zeigen Frauen, Männer und Kinder aus Forchheim – festlich gekleidet, stolz, schüchtern oder nachdenklich. Es ist, als würden sie uns aus einer anderen Zeit direkt anblicken.
Viele Gäste bleiben lange vor den Bildern stehen, suchen in den Gesichtern nach Ähnlichkeiten, nach Spuren der eigenen Familie oder nach Geschichten, die sich hinter den Blicken verbergen. Ein älterer Herr betrachtet nachdenklich das Porträt eines jungen Mannes im Anzug. „So ähnlich sah mein Großvater auf alten Fotos aus“, sagt er leise. Immer wieder wird in kleinen Gruppen diskutiert, ob man jemanden erkennt oder ob ein Gesicht an einen entfernten Verwandten erinnert.
Teil der Stadt- und Lokalgeschichte
Dritte Bürgermeisterin Annette Prechtel begrüßt die Gäste, darunter auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, die Leiterin des Pfalzmuseums Susanne Fischer, Frank Brinke von Foto-Brinke und dessen Vater Günter mit dem Titel der Ausstellung „Kennen wir uns?“. Dann fährt sie fort mit den Worten: „Hinter dem vordergründigen schönen Schein der Schwarz-Weiß-Fotografien aus den 1920er Jahren stecken noch weitere geschichtliche und kulturgeschichtliche Bedeutungen. So sind sie durch ihre Entstehung im ehemaligen Fotogeschäft Luthardt/Brüggemann in Forchheim – heute Foto-Brinke – einerseits Teil der Stadt- und Lokalgeschichte und andererseits in einem übergeordneten Sinn auch Teil der Foto- und letztlich Kunstgeschichte.“
Diese sensationellen Fotografien sind Frank Brinke zu verdanken, der den Fund wie folgt beschreibt: „Es war 1984/85, als ich mit einem Freund im Atelier war. Wir haben fotografiert und Schwarz-Weiß-Bilder entwickelt. Zu dieser Zeit hat mein Vater erzählt, dass es auf dem Dachboden des Geschäfts einen verschlossenen Raum gibt, den keiner kennt, der sich wie eine geheime Kammer hinter einem Regal befindet. Und was macht man als Jugendlicher? Man will wissen, was da drin.“
Frank Brinke berichtet weiter: „Also haben mein Freund und ich alles weggeräumt, sind in den Raum gegangen und haben diese Glasplatten gefunden. Wir waren begeistert, haben einige Bilder aus dem Karton genommen, Abzüge gemacht und über die Zeit haben wir den Raum und die Bilder vergessen. Während der Corona-Pandemie hatte ich meiner Frau von dem Raum erzählt. Wir hatten viel Zeit, weil das Geschäft geschlossen hatte, und diesmal sind wir, wie damals 1984, in die geheime Kammer gegangen, vor der immer noch das Regal stand. Wir haben uns alles angeschaut und erkannt, was dieser Fund für einen Wert hat, und so ist diese Idee entstanden.“
Auf dem Dachboden seines Geschäftes habe er seitdem viel Zeit für die Restaurierung und Digitalisierung der Fotos verbracht und letztlich diese bedeutenden 1700 Glasplatten, auf denen die Fotografien belichtet waren, dem Pfalzmuseum geschenkt. Brinke habe dazu Kontakt mit Susanne Fischer aufgenommen. Sie habe die Idee sofort aufgegriffen, um diesen Fund zu erhalten und dieses Ausstellungsprojekt gestartet.
Noch bis zum 31. Oktober
Noch bis zum 31. Oktober ist die Ausstellung mit 50 Fotografien im Pfalzmuseum Forchheim zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro.
Weitere 150 Bilder sind in den Schaufenstern der Innenstadt zu bestaunen. Mit der Idee, ausgewählte Fotografien auch in den Läden der Innenstadt zu zeigen, verlässt die Ausstellung die Mauern des Museums und soll auf diese Weise Teil des Forchheimer Stadtalltags werden.

















