Der Deutsche Wetterdienst warnt diesen Sommer wiederholt vor Hitze und Trockenheit, auch in der Fränkischen Schweiz. Dennoch registriert die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz bislang keinen negativen Einfluss auf den Tourismus: „Bislang sind keine Auswirkungen auf die Besucherzahlen feststellbar“, sagt Matthias Helldörfer von der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz in Ebermannstadt.
Von Veranstaltern seien derzeit keine hitzebedingten Absagen oder größeren Anpassungen bekannt, so Helldörfer. Jedoch beobachtet die Tourismuszentrale, dass Gäste Aktivitäten teilweise auf kühlere Tage verschieben oder kurzfristig ändern.
Höhlen, Badeseen und Kanutouren in der Fränkischen Schweiz besonders gefragt
Wenn die Temperaturen steigen, suchen Touristen vor allem nach Angeboten, die Erfrischung versprechen. „Grundsätzlich steigt die Nachfrage während einer Hitzeperiode nach wassernahen beziehungsweise kühlen Angeboten – wie Kanutouren, Freibädern, Badeseen, Höhlen oder Wäldern“, erklärt Helldörfer.
Das macht sich auch in den Anlaufstellen in Forchheim und Ebermannstadt bemerkbar. „An Hitzetagen informieren sich mehr Gäste in den Tourist-Informationen nach kühlen Ausflugszielen“, berichtet er. Gleichzeitig bekämen diese Angebote in den sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit und die Zugriffszahlen auf der Internetseite stiegen.
Lieber Baden statt Wandern in der Fränkischen Schweiz
Familie Buchholz aus Göppingen wandert auf der Streitburg und der Burgruine Neideck. „Wir haben unsere Wanderung deutlich abgekürzt, wegen der Hitze“, meint Katrin Buchholz. Jens Buchholz ergänzt: „Ich hatte die Reise vorher geplant und heute sollte es bewölkt sein, war es in Teilen auch, aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es eine Luftfeuchtigkeit wie am Amazonas haben würde.“ Stattdessen wollen sie baden gehen: „Ich hatte mir eine Abkühlung im Fluss gewünscht, jetzt haben wir Zeit dafür. Ich freue mich schon auf das Wasser.“
Kajakfahren: „Die Menschen sind sensibilisiert und denken mit, das funktioniert gut“
Auch Wassersportler können die Wiesent derzeit weiterhin nutzen. „Aktuell ist der Pegelstand der Wiesent ausreichend, um Kajakfahrten anzubieten. Der Pegelstand wird aber fortlaufend kontrolliert“, erläutert Matthias Helldörfer.
Dominik Bogner, Sprecher der drei Kajakverleiher entlang der Wiesent in der Fränkischen Schweiz, ergänzt dazu: „Natürlich sind die Pegel gerade niedriger. Aber es gibt ein ausführliches Konzept dazu. Die Wiesent ist einer der wenigen Flüsse mit einer Verträglichkeitsstudie zum Ökosystem. Ab einem Pegelstand von 115 Centimetern wird ein Protokoll aktiviert. Das passiert gerade. Die Veranstalter fahren den Fluss ab und prüfen, ob er auch für Laien noch gut befahrbar ist. Der Termin ist vorher bekannt, sodass auch der Bund Naturschutz und das Landratsamt mitfahren könnten. Bisher mussten keine Fahrten für Touristen abgesagt werden.“
„Manchmal beenden die Kunden ihre Touren an einem früheren Ausstieg, wenn es sehr warm ist. Allerdings buchen die meisten einige Wochen im Voraus und können da noch nicht abschätzen, wie genau das Wetter sein wird. Das ist aber auch kein Problem. Alle bekommen vorher eine Einweisung und beim Paddeln wird man meist ein wenig nass“, sagt Bogner.
„Wer körperlich nicht fit genug ist, schreckt größtenteils selbst vor einer Kanu- oder Kajaktour zurück, sodass wir wenig Fälle von Dehydrierung oder Hitzeschlägen haben. Natürlich sollte man einen Hut tragen und genug trinken, aber die Menschen sind sensibilisiert und denken mit, das funktioniert gut“, sagt Bogner abschließend.
Die Hitze wirkt sich auch auf die Höhlen in der Fränkischen Schweiz aus
„Die Schauhöhlen haben regulär geöffnet und bieten eine konstante Temperatur von meist unter 10 Grad im Inneren der Höhlen“, informiert Matthias Helldörfer über die Höhlen in der Fränkischen Schweiz. Langfristig kann die Hitze allerdings Auswirkungen auf das Höhlenklima haben. Nach Angaben der Tourismuszentrale werden Höhlen in längeren Hitzephasen trockener, wodurch Tropfsteine langsamer wachsen.
Christopher und Jennifer Reiter kommen mit ihrem Sohn aus dem Erzgebirge und sind auf der Durchreise in der Fränkischen Schweiz. Sie haben am Altmühlsee Urlaub gemacht und sind auf der Suche nach einem Zwischenziel als Pause. Sie wollen die Binghöhle in Streitberg besuchen: „Natürlich entscheidet man sich eher für so etwas, wenn es heiß ist. Wir wollen dem Kleinen eine Abwechslung bieten, zwischen der langen Autofahrt und Tropfsteine erschienen uns bei dem Wetter super.”
Kommunen in der Fränkischen Schweiz beschäftigen sich stärker mit Hitzeschutz
Themen wie Trinkwasserversorgung und Hitzeschutz nehmen nach Angaben der Tourismuszentrale in der Region eine immer größere Rolle ein. Die Kommunen seien für diese Fragen sensibilisiert, immer äußern diese Interesse, Trinkwasserbrunnen zu bauen.
Größere hitzebedingte Einschränkungen für Wanderer, Radfahrer oder Kletterer gibt es nicht. Weder Sperrungen von Wegen noch Probleme durch aufgeweichten Asphalt seien bekannt. Die Tourismuszentrale hat mehrere UV-Infotafeln installiert, darunter in Hiltpoltstein sowie an den Freibädern in Neunkirchen am Brand, Forchheim und Gößweinstein.
Darüber hinaus bietet das GeoPortal des benachbarten Landkreises Bamberg inzwischen eine Hitzebelastungskarte für Wander- und Radtouren. Sie zeigt Bereiche mit hoher Wärmebelastung und verweist auf kühlere Rückzugsorte entlang der Strecken. Der Landkreis Forchheim hat so eine Karte noch nicht.
Auf die zunehmenden Hitzewellen reagiert auch die Tourismuszentrale selbst. „Vonseiten der Tourismuszentrale werden die Themen Wasser und Höhlen im Marketing neu gewichtet“, sagt Helldörfer.
Wie es mit dem Tourismus in der Fränkischen Schweiz weitergeht
Trotz des Klimawandels rechnet die Tourismuszentrale nicht mit einem grundlegenden Wandel des Tourismus in der Fränkischen Schweiz. Die Nachfrage könnte sich jedoch weiter verschieben. „Mutmaßlich werden sich aber in den Sommermonaten die nachgefragten Themen verändern – hin zu Wasser, Höhlen, kühlen Alternativen“, sagt Helldörfer.
Wer die Region an heißen Tagen besucht, sollte ausreichend trinken, Sonnenschutz mitnehmen und möglichst kühle Orte aufsuchen. Dazu zählen nach Empfehlung der Tourismuszentrale insbesondere Höhlen, Gewässer, Burgen und Wälder. Zudem wird dazu geraten, die aktuelle Waldbrandgefahr im Blick zu behalten.


















