„Die jungen Leute interessieren sich doch eh nicht für Politik, sie posieren ständig für Selfies und träumen von schulfrei." Das meinen viele. Vor allem jene, die ihre eigene Jugend schon weit hinter sich gelassen – sei es aus Altersgründen oder mental. Aber das ist falsch.
Wurde der sogenannten Generation Y, also den 1980 bis Ende 1990 Geborenen, noch mitunter zurecht eine lethargische Grundhaltung zu politischen Aspekten vorgehalten, kann dies für die Kinder des 21. Jahrtausends nicht mehr gelten. Nicht allein wegen Fridays for Future.
Junge Leute sorgen sich um ihre Zukunft – und die ihres Umfeldes. Nur wird es ihnen nicht leicht gemacht; frische Ideen als jugendlicher Leichtsinn abgetan und das – zugegeben – oftmals plakative Vorgehen als blinder Aktionismus belächelt. Nur: Was bleibt den Jugendlichen übrig?
Bei den meisten parlamentarischen Wahlen bleiben sie in Bayern außen vor. Immer dürfen sie ab 16 Jahren nun bei der Europawahl ihre Stimme abgeben. Ein guter erster Schritt.
Politisches Grundverständnis ist keine Sache des Alters
Denn es ist absurd, politisches Grundverständnis davon abhängig zu machen, ob jemand alt genug ist, ein Auto zu lenken. Zehntausende Jugendliche machen eine Lehre, zahlen Steuern, leisten Sozialgaben. Viele schlagen gerade ihren Lebensweg ein. Wer sind wir, ihnen das Recht und die Eignung abzusprechen, nicht genauso sorgsam darauf zu schauen, welche Entscheidungsträger ihnen diese Wege am besten ebnen sollten?
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hatte am Wochenende in einem Interview in der Funke-Mediengruppe vorgeschlagen, das Wahlalter generell auf 16 Jahren herabzusenken. Gegenwind kam prompt unter anderem von FDP und CDU.
Angst vor einer (weiteren) Radikalisierung führen die Gegner einer Wahlreform ins Feld und fürchten, dass sich Jugendliche zu leicht für extremistisches Gedankengut instrumentalisieren ließen. Doch diese Sorge ist wahrlich kein Phänomen von Altersschichten, wie die Wählerschichtanalysen der AfD eindrucksvoll beweisen.
Im Gegenteil: Je früher ein Mensch „gezwungen“ wird, sich intellektuell mit politischen Prozessen auseinanderzusetzen, desto weniger stark ist er anfällig für Polemik und Verblendung jeder Art. Vernunft ist keine Sache des Alters. Da erscheint es nur logisch, der Jugend eine Stimme zu geben.
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