Energiesparen heißt das Motto dieses Winters. Weil die Unsicherheiten seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine groß sind, bestimmt dieses Thema wie kaum ein zweites die derzeitigen Diskussionen.
Nun sind die Weihnachtsmärkte im Visier. Wie viel Beleuchtung sollte sein? Wie wenig muss sein?
Auch innerhalb der FT-Redaktion herrscht über diese Fragen keine Einigkeit. Verena Stephan und Stephan Großmann schildern im Pro-Contra-Format ihre Sichtweisen.
Pro von Verena Stephan: Unterschätzt das Licht nicht
Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Lichter. Nicht umsonst wird an Weihnachten davon gesprochen, dass durch Jesus Licht in die Welt gebracht wurde. Ein Licht des Friedens und der Erlösung.
Zuhause oder in der Innenstadt, elektrische oder echte Flammen – Licht gehört zum Fest der Liebe dazu. Gerade im Dezember, wenn die Tage kurz und die Sonnenstrahlen rar sind, brauchen wir Lichtblicke in der Dunkelheit, die die Augen der Kinder strahlen lassen. Beleuchtete Städte und Märkte sind ein Ort der Begegnung, laden zum Verweilen ein und machen den Menschen Freude.
Sicher können wir Abstriche machen und auf riesige Eislaufbahnen auf Marktplätzen verzichten. Dass die Weihnachtsbeleuchtung überall sowieso längst auf LED umgerüstet sein sollte und nicht von der ersten bis zur letzten Dämmerungsminute laufen muss, steht ebenfalls außer Frage.
Aber ein Weihnachten im Dunkeln? Ein gefährliches Gedankenexperiment, das schnell die Frage aufwirft, auf was wir theoretisch noch alles verzichten könnten. Doch wie weit wollen wir die Energiekrise an unser Seelenheil heranlassen?
So gesehen sollte es eigentlich nicht Pro gegen Contra heißen, sondern Herz gegen Kopf.
Contra von Stephan Großmann: Besinnlich geht auch anders
An Weihnachten dreht sich die Welt anders. Immer einen Tick langsamer. Gestriger.
Zwei Beispiele: Selbst wer erkennt, dass unachtsamer Konsum Treiber ökologischer und(!) ökonomischer Probleme ist, vollzieht im Advent gerne die Kehrtwende. Zweitens: Auch das Coronavirus hat das Fest stets frei und darf sich munter durch die Familien verbreiten.
Nun folgt der nächste Streich: die Energiekrise. Während wir versuchen (sollten), so viel Gas und Strom wie möglich einzusparen, darf es in der Adventszeit gerne wieder ein bisschen mehr sein. Der Wunsch nach Wärme ist naheliegend.
Aber manifestiert sich unsere Besinnlichkeit wirklich in der Anzahl der Lichterketten? Das wäre arm. Oder wollen wir uns „jetzt erst recht“ nicht auch das noch nehmen lassen? Das wäre zynisch – vor allem den Kriegsopfern in der Ukraine gegenüber.
Ja, die Zeiten sind gerade hart. Sie machen Angst. Denn es herrscht Krieg in Europa, so nah an unserer Lebenswirklichkeit wie lange nicht. Aber ob wir wollen oder nicht, wir müssen unseren Beitrag leisten.
Wenn das verlangt, dass ein Stern weniger am Weihnachtshimmel leuchtet, sollte das bitte das geringste Problem sein.
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