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Einfach weggebaggert
Bürger in Behringersmühle vermissen ihren Bolzplatz
Einfach weggebaggert: Der Bolzplatz in Behringersmühle.Forchheim & Fränkische Schweiz
Einfach weggebaggert: Der Bolzplatz in Behringersmühle. // Thomas Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Behringersmühle – Seit 1976 lieben die Jugendlichen in Behringersmühle ihren Ort zum Kicken. Jetzt wurde er dem Erdboden gleich gemacht. Für Bürgermeister Hangörg Zimmermann alternativlos.

Plötzlich war der Behringersmühler Bolzplatz am Heuberg weg und keiner hat es vorher gewusst. Keiner, bis auf Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (Freie Wähler), der die Anordnung dazu gab.

Anwohner Peter Meinl ist ziemlich aufgebracht und brachte seinen Ärger zunächst in der Facebook-Gruppe „Nachbarschaftshilfe Gößweinstein“ zum Ausdruck. „Ich finde leider gerade keine bessere Gruppe, um meine Entrüstung kund zu tun“, schreibt er dort.

Ort der Kindheit ist weg

Der FT hat inzwischen mit Peter Meinl und Bürgermeister Zimmermann gesprochen. Meinl betont, dass er vollkommen zu seinen Aussagen im sozialen Netzwerk stehe. Man dürfe auch gerne seinen Namen veröffentlichen.

Meinl berichtet Folgendes: Als er von der Arbeit heimgefahren sei, habe er mit Entsetzen gesehen, dass „ein Bagger unseren Bolzplatz in Behringersmühle umpflügt beziehungsweise die komplette Gras- und Humusschicht abträgt“.

Das war am Freitag. Und weiter: „Unser Bolzplatz ist sehr beliebt und auch stark frequentiert“, sagt Meinl. „Er existiert schon seit meiner Kindheit, seit 1976, seit der alte Bolzplatz dem Tennisplatz gewichen ist.“ Nun haber der Bagger dem ein Ende gesetzt. „Vorübergehend?“, fragt Meinl.

Platz wird für Bergsanierung gebraucht

Er habe gleich beim dritten Bürgermeister Manfred Hänchen (CSU) – einem Behringersmühler – nachgefragt und von diesem erfahren, dass der Platz als Lager für Materialien für die Bergsanierung (Behringersmühler Berg) verwendet wird und dass dies Bürgermeister Zimmermann allein entschieden habe.

„Hätte man nicht einen besseren Platz finden können?“, ärgert sich Meinl. Denn oben am Berg gegenüber vom Schwimmbad sei doch schon alles geschottert, da lagerten jahrelang Glasfaserkabel und auch Unrat.

Inzwischen sei der Platz zwar wieder frei, aber dort könnte man sich sogar die Kosten für die vollkommen sinnfreie Schotterung des Bolzplatzes in Behringersmühle sparen. „Unter der Voraussetzung, dass dies stimmt, was ich gehört habe, ist das für mich eine reine Willkür und zeigt den wahren Charakter des Bürgermeisters in Bezug auf Kinder, denen er einen wichtigen Ort für den Rest des Jahres genommen hat“, ärgert sich Meinl.

„Dass dies ohne Ankündigung, spontan und selbstverständlich ohne Anbietung von Alternativen passiert, ist in Gößweinstein leider seit einiger Zeit normal.“

Fläche nur angemietet

Bürgermeister Zimmermann weist die Kritik zurück. Vom Staatlichen Bauamt sei die Gemeinde nach einem geeignetem Platz in Behringersmühle für die Lagerung von Baumaterial angefragt worden. Da die Gemeinde dort keine geeignete Fläche hat, blieb nur der Bolzplatz übrig, der im übrigen auch nicht der Gemeinde gehört, sondern dafür nur angepachtet wurde. Der Besitzer sei sofort einverstanden gewesen, dass der Bolzplatz vorübergehend umgenutzt wird.

Wie Zimmermann betont, musste er schnell handeln, damit die Bauarbeiten für den Behringersmühler Berg, der übrigens durch die Flut so schwer beschädigt ist, dass er nun komplett neu gebaut werden muss, sofort beginnen können. „Es bleibt da keine Zeit, um den Gemeinderat oder die Behringersmühler zu fragen“, betont Zimmermann.

Bei der Gemeinde gingen ständig Protestschreiben und Anrufe ein, weil der Berg immer noch gesperrt ist. Vor allem von Behringersmühlern. Den Platz unterhalb des Höhenschwimmbads könne man derzeit nicht als Lagerplatz nutzen.

Denn vom 29. September bis 3. Oktober finden dort die Deutschen Meisterschaften im Frisbee-Golf statt. Das sei ein Riesenevent und deshalb werde dieser Platz, wie auch andere noch, als Parkfläche für Teilnehmer und Besucher aus ganz Deutschland gebraucht.

Bürgermeister: Ist die günstigste Lösung

Außerdem sei die vorübergehende Nutzung des Bolzplatztes als Lagerplatz die absolut günstigste Lösung. Es sei wesentlich teurer wenn die Baumaterialien für die Straße von Gößweinstein über die Umleitung über den Sachsenmühler Berg gefahren werden müssten.

16 Kilometer ist diese Strecke lang, vom Bolzplatz bis zum Berg ist es dagegen nur etwa ein Kilometer. „Auf die Schnelle gab es keine kostengünstigere Alternative als der Bolzplatz, der ohnehin wenig genutzt wird“, betont Zimmermann. Und: „In solchen Ausnahmesituationen gibt es bestimmte Zwänge.“

Das Straßenbauamt mache außerdem einen tollen Job, dass es so schnell damit beginne, die durch die Flut zerstörte Straße wieder aufzubauen. Ziel sei es, die Bergstraße so schnell wie möglich wieder herzustellen.

Abstimmungen laufen

Der Berg müsse komplett neu gebaut werden. Hinzu kommt auch noch die Abstimmung mit Fachingenieuren, weil die Gemeinde im Zuge des Straßenbaus gleich den Kanal in Höhe des Minigolfplatzes mit erneuern will.

Im Rathaus laufen dazu die Abstimmungen auf Hochtouren. Wie Zimmermann sagt, sollte man „die Kirche mal im Dorf lassen.“ Was ihn besonders ärgert, dass gleich immer alles Facebook breitgetreten wird.

Deshalb hat er dort inzwischen auch seinen Account gelöscht. „Besser wäre, wenn man miteinander reden würde“, so Zimmermann. Er sei für seine Bürger schließlich jederzeit erreichbar. Ein Versprechen macht Zimmermann den Kindern und Jugendlichen: Der Bolzplatz werde wieder hergestellt, sobald er nicht mehr als Lagerplatz benötigt wird.

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