Annette Prechtels Fokus liegt auf Forchheim. In ihrer Funktion als Kulturbürgermeisterin genauso wie ihres langjährigen Stadtratsmandats gemäß. Hatte sie 2020 noch Amtsinhaber Uwe Kirschstein bei der Wahl um das Oberbürgermeisteramt herausgefordert, wird sie bei den Kommunalwahlen 2026 darauf verzichten.
Warum sie das tut, wie sie die Stimmung im politischen Forchheim einschätzt und warum ihr nicht bang um Forchheims grüne Ideen ist, erklärt sie im exklusiven Interview mit fraenkischertag.de.
Annette Prechtel (FGL) im Interview: „Grüne in Forchheim gut aufgestellt“
Frau Prechtel: Mit überraschten Gesichtern haben viele Ihr Nein zur OB-Wahl aufgenommen. Wie kommt es?
Annette Prechtel: Es hat zwei Gründe. Einmal muss und will ich künftig noch mehr Verantwortung in unserem Familienunternehmen tragen. Wir kümmern uns um den Erhalt und die Sanierung von Liegenschaften in der Stadt, wie aktuell beispielsweise in der Holzstraße. Um die Firma auch weiterhin alleinverantwortlich führen zu können, braucht es Zeit.
Und der zweite Grund?
Ich habe schon einmal gegen den Amtsinhaber Uwe Kirschstein (SPD) kandidiert. Ich hatte zwar ein achtbares Ergebnis erzielt, bin aber auch nicht in die Stichwahl gekommen. Daher meine ich, dass ein weiterer Versuch nicht sinnvoll wäre.
Hat Ihr Rückzug als Kandidatin auch mit dem schwindenden Wählervertrauen in grüne Politik insgesamt zu tun?
Vor Ort erfahren wir großen Zuspruch. Das liegt auch daran, dass wir in den vergangenen Jahren erfolgreiche Politik im Stadtrat gemacht haben. Wir sind in Forchheim gut aufgestellt und können beruhigt in die Zukunft schauen. Mit neuen Leuten, die Potenzial haben, sich der Verantwortung stellen und aktiv Wahlkampf bestreiten werden.
Tatsächlich hat die Fraktion der Forchheimer Grünen Liste in den vergangenen Jahren viele Projekte angestoßen und Ideen eingebracht. Manches wurde umgesetzt, vieles aber nicht. Sehen Sie die grüne Wende in Forchheim als gescheitert an?
Nein, im Gegenteil. Wir haben vieles erreicht: die Installation des Kulturamtes, des Klimaschutzmanagements, des Radbeauftragten und der Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK), die Einführung des Forchheim-Passes; all diese Dinge würde es nicht geben, wenn wir da als FGL-Fraktion nicht drangeblieben wären. Dabei hilft uns natürlich, dass wir mit neun Sitzen zweitstärkste Fraktion im Stadtrat sind.
Und doch werden Sie als prominenteste Vertreterin des Ortsverbandes im OB-Wahlkampf fehlen. Ist die Mission Oberbürgermeistersessel bei der nächsten Kommunalwahl überhaupt noch das primäre Ziel für die FGL?
Darüber sprechen wir noch und stellen uns auf. Das Ziel muss lauten, eine starke und zugkräftige Fraktion zu bekommen. Alles Weitere wird sich in den nächsten Monaten klären.
Udo Schönfelder von der CSU gibt an Martina Hebendanz ab, auch Sie wollen nicht mehr Oberbürgermeisterin werden. OB Kirschsteins Wahlsieg von 2020 scheint nachhaltig Eindruck gemacht zu haben…
OB Kirschstein hat es geschafft, dass Ruhe in die Alltagsarbeit und das Stadtratsgeschehen gekommen ist. Durch die Übertragung mancher Aufgaben an uns Stellvertreter (Prechtel und Schönfelder, Anm. d. Red.) ist es gelungen, vieles zu bewegen und mehr anzustoßen, als es einem alleine gelingen würde. Das Modell ist gelungen und sollte weitergeführt werden.
Mit Ihnen vielleicht – wenn schon nicht als OB, dann vielleicht wieder als Bürgermeisterin?
Ich brenne weiterhin für die Stadt, die Themen und vor allem meine Bereiche, die ich in den vergangenen Monaten bearbeitet habe. Von daher ist mir auch die Entscheidung nicht leichtgefallen, auf eine OB-Kandidatur zu verzichten. Was alles andere betrifft, müssen wir den Wahltag und die neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat abwarten. Zuallererst müssen wir die Wählerinnen und Wähler von unseren grünen Ideen überzeugen. Dann werden die Stellvertreter eines Oberbürgermeisters oder einer Oberbürgermeisterin im Stadtrat gewählt, dem möchte ich in keiner Weise vorgreifen.
Bis zur Wahl sind es noch knapp zehn Monate. Was wollen Sie bis dahin noch unbedingt schaffen?
Fahrradthemen haben wir noch viele vor der Brust. Es müssen sichtbare Veränderungen im Straßenbild erfolgen, schließlich müssen wir dem Anspruch gerecht werden, fahrradfreundliche Kommune sein zu wollen. Das ist aber oft eine Frage von politischen Mehrheiten.
Vor dem Hintergrund der Haushaltskrise geht es darum, die Erfolge in der Kulturarbeit und im Klimaschutzmanagement zu sichern. Wir dürfen in keinster Weise nachlassen, obgleich vieles mit dem Stempel der freiwilligen Leistungen auf den Opfergabentisch gelegt wird. Das darf aber nicht passieren.
Der Wahlkampf ist längst eröffnet, doch spätestens seit der Haushaltskrise kriselt es hin und wieder vor allem zwischen Vertretern von CSU auf der einen und SPD sowie FGL auf der anderen Seite. Wie nehmen Sie das wahr?
Das geht schon länger zurück. Mit der Niederlage bei der Bundestagswahl 2021 und dem Beginn der Ampelregierung hat sich der Wind schon gedreht. Damals ging es im Stadtrat bereits los mit Grünen-Bashing. Leider sind damals (nicht von unserer Seite aus) einige Gesprächsfäden abgerissen. Das finde ich schade, weil Parteipolitik auf kommunaler Ebene hinten anstehen sollte.
Angenommen, es käme zu einer Stichwahl beispielsweise zwischen CSU und SPD: Spüren Sie eine Tendenz, welches Lager Sie aus grüner Sicht eher unterstützen würden?
Dafür ist es viel zu früh. Es muss erst viel klarer werden, wer für welche Inhalte steht. Außerdem wird man sehen müssen, der Wählerwille ist unberechenbar. Und nachdem es dieses Mal einige Kandidatinnen und Kandidaten geben wird, kann die Wahl am 8. März 2026 vielleicht sogar überraschende Ergebnisse liefern.
Frau Prechtel, vielen Dank für das Gespräch.
















