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Wegen der Gaskrise
So sehen Forchheims Grüne die AKW-Diskussion
Droht im Herbst der Energie-Supergau? Nicht wenige fordern deswegen, die Laufzeiten der verbliebenen Atomkraftwerke zu verlängern. Ein Widerspruch der grünen Idee – oder? Wir fragen nach bei der Forchheimer Basis.Forchheim & Fränkische Schweiz
Droht im Herbst der Energie-Supergau? Nicht wenige fordern deswegen, die Laufzeiten der verbliebenen Atomkraftwerke zu verlängern. Ein Widerspruch der grünen Idee – oder? Wir fragen nach bei der Forchheimer Basis. // Illustration: Carolin Neundorfer; Oleksandr, yuromanovich, stock.adobe.com
Forchheim – Sollten Kernkraftwerke doch länger am Netz bleiben? Selbst grüne Spitzenpolitiker knicken schon ein. Wie kommt das bei der Forchheimer Basis an?

Wer eines der drei letzten aktiven Atomkraftwerke Deutschlands sehen möchte, muss von Forchheim aus zwei Stunden mit dem Auto fahren. Und sich beeilen: Das Kernkraftwerk Isar 2, nördlich von Landshut in Niederbayern gelegen, soll wie die beiden anderen in Neckarwestheim und im Emsland Ende des Jahres vom Netz gehen.

Klingt alles weit weg. Eigentlich.

Krieg, Gaskrise und Versorgungsängste haben erstens ein Weiterleben der totgesagten Atomkraftwerke plötzlich wieder möglich gemacht und zweitens die Diskussion wieder an die Küchentische geholt.

Ja von Hubert Aiwanger und Manfred Weber

Sollte man die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängern? Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger sagt ja, der Europaabgeordnete Manfred Weber (CSU) auch und diese Liste ließe sich beliebig verlängern.

Neu und ungewohnt ist es, dass führende Grünen-Politiker wie der bayerische Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann eine Laufzeitverlängerung nicht mehr ausschließen wollen. Ziehen weitere Grüne mit? Und wie kommt das an der grünen Basis an?

Was sagt die grüne Basis in Forchheim?

Wie eine FT-Umfrage ergibt, sind sich die Kreisgrünen weitgehend einig. Eine, die zugleich in Forchheim als auch im Berliner Politikbetrieb zu Hause ist, heißt Lisa Badum. Die Haltung der Bundestagsabgeordneten ist klar.

Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die GrünenForchheim & Fränkische Schweiz
Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen // Barbara Herbst

„Es gibt für mich keine neuen Argumente, die für eine weitere Nutzung von Atomkraft sprechen.“ Dies vorab zu diskutieren, halte sie jedoch für müßig. Derzeit laufe der zweite Stresstest der Stromversorgung, den sie abwarten wolle.

Zugleich haben sich die EU-Mitgliedsstaaten am Dienstag auf einen Gas-Notfallplan verständigt, um unter anderem bis März 2023 freiwillig 15 Prozent weniger Gas zu konsumieren.

Aber selbst wenn herauskäme, dass die Energieversorgung in Gefahr wäre, sei sie sicher, dass es andere Lösungen gäbe. Etwa das bundesweite Herauffahren von Biogasanlagen.

„Wir diskutieren bei Atomkraft über Hochrisikotechnologien, bevor wir alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben“, sagt die 38-Jährige.

Was die wegen der hohen Gasabhängigkeit dramatische Lage in Bayern betrifft, nennt Badum einen klaren Verantwortlichen. „Die Staatsregierung hat viel zu wenig getan bisher. Wenn einer die bayerische Energiesicherheit gefährdet, dann ist das Markus Söder.“

Forchheims Grüne hauptsächlich einig

Dem entschiedenen Nein zur Verlängerung der Atomkraft können sich viele hiesige Grüne anschließen. „Wir haben so lange gekämpft, um davon wegzukommen; das wird die Basis nicht einfach mitmachen“, sagt Forchheims FGL-Stadträtin Edith Fieser.

Gerhard Meixner: Auch ohne Parteibuch klare Meinung

Ähnlich sieht es Gerhard Meixner. Wenngleich seit 2004 ohne Parteibuch, kämpft er doch seit vielen Jahren für grüne Ideale in der Königsstadt. „Dass wir jetzt wieder über Atomkraftwerke reden, ist nur ein Reflex. Sie nun wieder hochzufahren, würde nichts bringen“, sagt er.

Auch Grünen-Kreisrat Matthias Striebich ist sich sicher, die Atomkraft bringe gar nichts. „Alle Fakten sprechen klar dagegen, sie zu verlängern.“

Grüne im Bund: Pragmatismus regiert

Und doch, wie die Bundesgrünen in der bisherigen Regierungsarbeit schon oft zeigen mussten, sind Pragmatismus und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, scheinbar unumgänglich.

„Ich würde es nicht tun. Aber wenn sich die Grünen nun doch dafür aussprechen sollten, wäre das für mich kein Grund, meine Partei zu verlassen“, sagt Striebich.

Emmerich Huber: Streckbetrieb vorstellbar

Noch einen Tick pragmatischer klingt Emmerich Huber. „Wir müssen unangeschlagen über den Winter kommen“, sagt er.

Der langjährige Forchheimer Stadtrat könnte sich den Streckbetrieb (also das vorübergehende Weiterbetreiben) vorstellen. „Danach muss aber Schluss sein“, schießt er schnell nach.

Grundsätzlich sieht er in dieser Krise gar eine Chance: „Wir müssen die mitnehmen, die sich das Leben wirklich nicht mehr leisten können.

Ansonsten hätte schon viel eher gelten sollen: weniger Wachstum, weniger Konsum. Wir sollten uns langfristig an Abstriche in unserem Luxusleben gewöhnen.“

Nimmt die Partei Schaden?

Und welchen Abdruck wird die Krise auf den grünen Wahlplakaten der Zukunft hinterlassen? Wirtschaftsminister Robert Habeck und Außenministerin Annalena Baerbock stehen wie kaum andere Regierungsmitglieder im Fokus.

Dass die Grünen politisch langfristig büßen müssen, glauben die Forchheimer Grünen nicht. Ganz im Gegenteil. Unisono heißt es: Das Berliner Krisenmanagement funktioniert super, die Kommunikation ist klasse.

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