Es wird wohl ein tränenreicher Abschied.
Zweieinhalb Jahre lang hat Magda Graf, die ihren echten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ihre Tochter morgens in einen Kleinbus des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) gesetzt und am Nachmittag wieder entgegengenommen.
Wie viele andere Eltern der Pestalozzi-Schule macht auch sie sich sorgen, wie es im kommenden Schuljahr weitergeht, denn nach mehr als 30 Jahren ist bald Schluss. Gefahren wird zwar weiterhin – aber von einem neuen Anbieter.
120 Buskinder am Sonderpädagogischen Förderzentrum Forchheim
Bis zu 120 Kinder befördert der ASB gemeinsam mit dem Taxiunternehmen Junghans im Schuljahr aus dem gesamten Landkreis zum Staatlichen Sonderpädagogischen Förderzentrum nach Forchheim und wieder zurück nach Hause.
Doch nun sind die Routen wieder einmal turnusgemäß neu ausgeschrieben worden, europaweit. Während Taxi Junghans wie gewohnt an Bord bleibt, hat der ASB nun den Kürzeren gezogen und muss die Pestalozzischulen-Route mindestens für die kommenden acht Jahre aufgeben.
Enge Bindung ans Fahrpersonal aufgebaut
Grundsätzlich ist derlei Vergabepoker täglich Brot sowohl für die Behörden als auch für die Dienstleister. Warum also die Aufregung?
Magda Graf beschreibt es so: „Wir Eltern haben Angst, dass es nicht mehr so reibungslos funktioniert, wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht.
Hinzu kommt, dass unsere Kinder über die Jahre eine enge Bindung zum Fahrpersonal aufgebaut haben, wir kommunizieren zum Teil sogar über die Privatnummern. Das wird einige Kinder verstören, wenn sie plötzlich von fremden Menschen abgeholt werden.“
Frust beim ASB Bamberg-Forchheim
Ähnlich klingt es auch von Seiten des ASB, die sich trotz aller Enttäuschung aber als faire Verlierer im Bieterstreit um das wirtschaftlichste Angebot sehen.
Dennoch bleibt etwas Frust und vor allem die Sorge um ihre bisherigen Fahrgäste.
„Viele betroffene Kinder haben einen erhöhten Förderungsbedarf, da kann es immer schwierig sein, wenn sich etwas verändert“, erklärt Stefan Mauser, der beim ASB für den Linienfahrdienst verantwortlich zeichnet.
Was wird aus den Fahrern der Pestalozzi-Route?
Gut 20 Fahrer fahren derzeit im ASB-Auftrag in 15 Kleinbussen Schüler nach Forchheim. Auch unter den Fahrern herrscht Krisenstimmung, nicht wenige sind seit Jahren dabei. Was wird aus ihnen?
Mauser: „Wir versuchen, alle Fahrerinnen und Fahrer zu halten.“ Routen gebe es im Kreisverband genügend, auch weil sich dieser über die beiden Landkreise Forchheim und Bamberg erstreckt. „Wer will, kann bleiben.“
Einzig hat nicht nur der ASB allein ein Auge auf die eine Weiterbeschäftigung der Fahrer geworfen. Auch der neue Dienstleister könnte sich gut vorstellen, das auf den neu dazugewonnenen Routen erfahrene Personal an sich zu binden.
Lyst-Reisen aus Zellingen übernimmt für acht Jahre
Für den Rest des Jahrzehnts wird sich die Firma Lyst-Reisen aus dem unterfränkischen Zellingen um die Beförderung der Pestalozzischüler kümmern.
Die Zeit drängt, bereits am 12. September müssen die Routen wieder fürs neue Schuljahr durchgetaktet und vorbereitet sein.
Lyst-Juniorchef Marcel Lyding sieht darin kein Problem, wie er dem FT bestätigt. Man werde ebenfalls Kleinbusse einsetzen und hoffen, so Lyding, dass sich der eine oder andere ASB-Fahrer für einen Wechsel finden ließe.
„Das würde auch den Kindern helfen, die Umstellung gut zu schaffen.“ Aber selbst wenn nicht, habe er keine Furcht, zum Schuljahresbeginn zu wenige Fahrer zu haben.
Anfängliche Probleme in Fürth hängen Firma noch nach
Doch einige Eltern wie Magda Graf treiben noch andere Sorgen um.
Laut Medienberichten, die sich im Pestalozzischulen-Umfeld wie ein Lauffeuer verbreiteten, habe es vergangenen Herbst anfänglich einige Probleme in Fürth gegeben, nachdem Lyst-Reisen die dortige Schülerbeförderung übernommen hatte.
Diese seien jedoch behoben, wie sowohl Marcel Lyding als auch ein Sprecher des Landratsamtes Fürth bestätigen. Alles funktioniere seither reibungslos.
Landratsamt Forchheim: „Praxis muss es zeigen“
Also sind die Sorgen der Eltern unbegründet?
„Die Praxis muss zeigen, wie es läuft“, sagt Christian Bayer, der am Landratsamt die landkreisweite Schülerbeförderung koordiniert. Aber er sehe keine Anhaltspunkte, daran zu zweifeln.
„Die Dienstleistung bleibt gleich, nur der Dienstleister ändert sich.“ Überhaupt sei der Landkreis Forchheim einer von nur wenigen in Bayern, die sich solche Mühe für die Beförderung von Kindern dieser Schulart geben, sagt Bayer. Insgesamt lässt sich das Landratsamt die Beförderung seiner Schüler circa 700.000 Euro kosten, pro Schuljahr.
Magda Graf bleibt skeptisch. „Zum Glück wechselt unsere Tochter nun die Schule, uns betrifft es nicht mehr. Aber wenn ich an die anderen denke… Außerdem finde ich es grundsätzlich falsch, dass bei solchen Ausschreibungen nur die Wirtschaftlichkeit sticht. Es wäre doch viel besser, die Region zu unterstützen.“
Auf die unter den Vorbehalten leidende Firma Lyst-Reisen kommen einige spannende Wochen zu. Vertrauen muss sie sich durch einen gelungenen Start im September erarbeiten.
Bei den Eltern. Und, viel wichtiger, bei den Schülern.
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