Auch in Forchheim streiken am Montag die Bauern - und mit ihnen auch viele andere – gegen die Politik der Bundesregierung. Zwar wirkt es am frühen Morgen noch relativ ruhig in der Kreisstadt. Dies ändert sich jedoch gegen kurz vor 10 Uhr als der Tross aus Traktoren, Sattelschleppern und Baufahrzeugen die Stadt im Schritttempo erreicht und auf der Theodor-Heuss-Allee nach Norden fährt. Zwischendrin auch zahlreiche Kleinwagen, die sich mit Deutschlandfahnen und Protestbotschaften als Sympathisanten zu erkennen geben.
Hieß es vorab seitens der Veranstalter, dass man rund 250 Teilnehmer erwarte, so wurde diese Zahl am Tag der Veranstaltung deutlich übertroffen. Gut 450 bis 500 Fahrzeuge nehmen an der Aktion teil, heißt es seitens der Polizei. Am Ziel der Demo, dem Hausener Pilatushof, erklärt ein Mitglied des Orga-Teams, insgesamt seien 502 Fahrzeuge angekommen.
Protestzug der Bauern erreicht Forchheim
Gegen 9:50 Uhr erreicht der Protestzug den Forchheimer Bahnhof. Und bringt hier den Verkehr weitgehend zum Erliegen. So etwa stauen sich zwischenzeitlich zahlreiche Stadtbusse vor der Einfahrt zum ZOB.
Seitens der meisten Zuschauer fällt die Reaktion auf den Protestzug positiv aus. Viele nutzen die Gelegenheit, um Bilder und Filmchen von den vorbeifahrenden Fahrzeugen zu machen. Die beiden Altenpflegerinnen Sandra Ehrenberger und Chloe Sappa gehen noch einen Schritt weiter. Sie verteilen Leberkäsweckla an die Fahrer der im Schritttempo vorbeistockenden Schlepper und Brummis.
„Das ist unsere Art, die Bauern zu unterstützen“, erklärt Sappa. Keine der beiden habe eine persönliche Verbindung zur Landwirtschaft. Dennoch finden sie die Protestaktion gut – in ihrem Beruf sei sowas leider kaum möglich. Davon, dass so viele Teilnehmer gekommen sind, sei sie positiv überrascht. „Ich hatte mit dem einen oder anderen Lkw gerechnet“, berichtet sie. Jedoch nicht mit so vielen.
In Forchheim stockt der Verkehr
Über Umwege zum Ort der Kundgebung
Auf der anderen Seite der Bahnbrücke scheint das Verständnis mitunter etwas geringer zu sein. Noch um 10:40 Uhr stockt der Verkehr hier erheblich. Trotz grüner Ampel geht es kaum voran. Einige Autofahrer stellen ihre Motoren ab und steigen aus ihren Fahrzeugen aus, um frische Luft zu schnappen, andere beschließen ihre Fahrzeuge zu wenden und sich andere Routen zu suchen.
Der schnellste Weg zum Zielort der Kundgebung führt nun über Gosberg und die Staatsstraße 2243. Auch hier trifft man auf Protestteilnehmer. Einige haben sich in Gosberg versammelt - ohne dabei die Hauptstraße durch den Ort zu sperren. Andere machen sich selbst über diese Route mit dem Traktor auf dem Weg zur Kundgebung am Pilatushof.
Protestzug erreicht Hausen am Pilatushof
Der sonst mitunter beschaulich Forchheimer Westen wird am Vormittag zum etwas wilderen Forchheimer Westen. Die gut 500 Protestzug-Fahrzeuge sammeln sich nach einer Runde um Wimmelbach und Hausen am Pilatushof zur großen Kundgebung. Knattern um Knattern fährt ein Traktor nach dem anderen vor, Hupen um Hupen parkt ein Brummi nach dem anderen rund um das Gelände.
Trotz klirrender Kälte harren viele Hundert Teilnehmer auch außerhalb ihrer Fahrerkabinen aus, dazu gesellen sich zahlreiche Schaulustige und einige Vertreter der lokalen Politprominenz vor den Lautsprechern und warten auf die markigen Worte der angekündigten Redner. Und die sollen folgen.
Als einhelliges Thema – sowohl hinter als auch vor dem Rednerpult – kristallisiert sich schnell eine fundamentale Grundsatzkritik an der Arbeit der Bundesregierung in Berlin heraus. Während die protestierenden Landwirte auf ihren Transparenten hauptsächlich durchgestrichene Ampeln vorantragen, sparen die geladenen Mikrofongäste nicht an der dazu passenden Rhetorik.
Konrad Rosenzweig aus Wiesenttal
Einen emotionalen Appell gesteht man am ehesten einem Betroffenen zu. Von daher erfreut sich der überaus eloquente Wiesenttaler Landwirt Konrad Rosenzweig von Beginn an großer Zustimmung unter der Zuhörerschaft. „Es geht hier um unsere Existenz“, schreit er förmlich in den Verstärker, was sogleich brandenden Applaus auslöst. Im Gegensatz zu den anderen Wortbeiträgen, die naturgemäß eher politisch-theoretischer Natur sind, trifft er das Gros der Protestierenden, die Landwirte, bis ins Mark.
Kundgebung zum Bauernprotest in Forchheim
„Corona hat gezeigt, wie wichtig es ist, vor allem Lebensmittel im eigenen Land zu produzieren“, sagt Rosenzweig. Diese Erkenntnis sieht er jedoch nicht in die Tat umgesetzt. Aber mehr noch, es brauche einen Systemwechsel, man müsse die Landwirte endlich aus der Abhängigkeit von Subventionen befreien, sagt er. Ihnen endlich ihre Produkte angemessen vergüten – sodass Deutschland gar nicht erst über ausbleibende Steuerbegünstigungen und weitere Mehrbelastungen für die Landwirtschaft diskutieren müsste.
Weitere Redner: Martin Walz und Michael Hofmann
Tosender Applaus. Weitere Redner sind etwa Neunkirchens Bürgermeister Martin Walz (CSU), der sich trotz des Ausfalls der Grundschule und Verkehrsbehinderungen bei den Protestlern bedankt. Tenor: Endlich stehe Deutschland zusammen und zeige, was es von dem „ideologischen Tunnelblick der Regierung“ halte. Apotheker Florian Hofmann spricht gar von „politischer Notwehr“, man müsse sich wehren, weil die „Bundesregierung den Mittelstand verarscht“.
Von Beginn auf Seite des friedlichen und geordneten Protests, wie die Polizei auf Nachfragte bestätigt, gesellt sich CSU-Landtagsabgeordneter Michael Hofmann. Mit seinen warmen Worten für die Anliegen der Landwirte, Spediteure, Handwerker & Co. steigt er sogleich in eine Art Wahlkampfmodus ein, in der er kein gutes Haar an der Arbeit der Bundesregierung lässt. Wieder tosender Applaus.
Das Fazit lässt sich am frühen Nachmittag so ziehen: Der anfangs befürchtete Kollaps von Verkehr und Gesellschaft ist am Montag ausgeblieben. Das liegt wohl auch daran, dass sich viele Menschen gut auf die Verhältnisse eingestellt haben. Auch bleiben die Befürchtungen zumindest im Landkreis Forchheim beinahe unbegründet, dass sich Rechtsradikale und ähnliche destruktive Kräfte die Proteste mehrheitlich zu eigen machen.
Zwar gibt es auch einige Ausnahmen, die sich unbehelligt unter die Massen mischen. Galgen für die Regierung, Reichskriegsflaggen an Armeejacken und Werbeflächen für AfD-Zeitungen. Doch das sind absolute Ausnahmen. Alles in allem macht die Menge noch vor dem rechten Rand Halt.
Am Abend zieht die Polizei insgesamt eine positive Bilanz: „Wir sind mit dem Verlauf sehr zufrieden“, sagt Rainer Erfurt, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Demnach habe es im Landkreis Forchheim weder Unfälle noch Ausschreitungen gegeben. „Zu erwartende Behinderungen im Verkehr, ja. Aber keine größeren Probleme.“ Insgesamt seien im Landkreis 1500 Teilnehmer unterwegs gewesen, die sich diszipliniert gezeigt und an Absprachen gehalten hätten.
Lesen Sie auch:










































