Jetzt ist es amtlich: Für den Umzug des Rathauses ins Pfarrhaus stimmten 1008 Wähler, das sind 48,5 Prozent. Dagegen votierten 1071, was 51,5 Prozent entspricht. 2079 Stimmen waren gültig, zwölf ungültig. Die Wahlbeteiligung lag bei 62 Prozent.
Im Vergleich zum ersten Bürgerentscheid am 4. Dezember letzten Jahres hatte die Interessengemeinschaft (IG) „Zukunft Rathaus Gößweinstein“ ihr Bürgerbegehren „Kein Rathaus ins Pfarrhaus deutlich“ mit 58,5 Prozent gewonnen. 1012 Bürger und Bürger stimmten damals gegen das Rathaus im Pfarrhaus. Die Wahlbeteiligung damals lag bei 56,28 Prozent. Das gegenüberstehende Ratsbegehren „Rathaus ins Pfarrhaus“ erreichte nur 46,05 Prozent.
Bürgermeister will keine Stellung nehmen
Bürgermeister Hanngörg Zimmermann war trotz mehrmaliger Versuche nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Zimmermann hatte gegenüber unserer Zeitung schon vorher angekündigt, dass er bei einem negativen Ausgang keine Stellungnahme abgeben werde.
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Alexander Polster von der IG „Stärkung und Erhalt der historischen Ortsmitte von Gößweinstein“ meinte: „Wenn die Bürger von Gößweinstein es so haben wollen, dann sollen sie es so bekommen. Ich bin schon enttäuscht.“ Aber die Zeche würden am Ende die Bürger zahlen. „Dann sollen sie am Ende ein Rathaus für zehn Millionen Euro bekommen“, sagte Polster weiter. Den Gößweinsteinern sei nicht zu helfen. „Ende, Aus, Mickymaus“, so Polster abschließend.
IG „Zukunft Rathaus Gößweinstein“ zufrieden
Von Ferdinand Haselmeier von der IG „Zukunft Rathaus Gößweinstein“ kam dieser Kommentar: „Wir haben der Demokratie zum Sieg verholfen. Jetzt sind der Bürgermeister und der Gemeinderat gefordert. Bitte nehmt den Auftrag der Bürger ernst!“
2019 hatte der Marktgemeinderat mit einer Gegenstimme beschlossen, dass das Rathaus ins Pfarrhaus kommen soll. Im Rahmen der Städtebauförderung sollte ein Gesamtkonzept umgesetzt werden: mit Rathaus und Tourist-Info im Pfarrhaus, der Sanierung der öffentlichen WC-Anlagen, einem Erweiterungsbau mit 199 Sitzplätzen und der Öffnung und Sanierung des Pfarrgartens als Erholungsraum und Begegnungsstätte.
9,25 Millionen Euro
Das Leipziger Architekturbüro Schoener und Partner wurde mit der Vorplanung beauftragt. Diese wurde dann am 15. Juni 2022 in der Schulsporthalle vorgestellt. Gesamtkosten damals inklusive Unvorhergesehenes und Baupreissteigerungen: 9,25 Millionen Euro. Der Eigenanteil des Marktes Gößweinstein lag damals bei rund 2,8 Millionen Euro.
Inzwischen hatte sich die IG „Zukunft Rathaus Gößweinstein“ um den früheren Marktgeschäftsleiter Ferdinand Haselmeier gegründet, die das Bürgerbegehren „Kein Rathaus ins Pfarrhaus“ ins Leben gerufen hatte. Dem stellte der Marktgemeinderat das Ratsbegehren „Rathaus ins Pfarrhaus“ entgegen und unterlag beim Bürgerentscheid am 4. Dezember. Im Juni diesen Jahres gründeten Alexander Polster, Georg Schäffner und Hans Brendel die IG zur „Stärkung und Erhalt der historischen Ortsmitte von Gößweinstein“ mit dem Ziel, das Wahlergebnis vom 4. Dezember rückgängig zu machen. Sie setzten ein neues Bürgerbegehren auf, bei dem die Fragestellung fast genau identisch war mit der des unterlegenen Ratsbegehrens.
Kein weiteres Bürgerbegehren
Beide IGs hatten hatten in der Zwischenzeit Informationsblätter mit ihren jeweiligen Argumenten verteilt und Infoveranstaltungen abgehalten. Die Sprecher beider IGs bekräftigte dabei, dass sie nun die demokratische Entscheidung der Wähler anerkennen wollen und somit kein weiteres Bürgerbegehren mehr starten würden.
Die Gesamtbaukosten waren inzwischen aufgrund der Baupreissteigerungen auf rund 10,68 Millionen Euro angestiegen, den Eigenanteil des Marktes bezifferte der Planer aktuell auf 3,17 Millionen Euro – was nun hinfällig ist.
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