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3,7 Millionen Euro
Neues Aushängeschild für die Gemeinde Ahorntal
Schick und repräsentativ ist es geworden, das neue Rathaus der Gemeinde Ahorntal in Kirchahorn.Forchheim & Fränkische Schweiz
Schick und repräsentativ ist es geworden, das neue Rathaus der Gemeinde Ahorntal in Kirchahorn. // Thomas Weichert
Ahorntal – Das neue Rathaus in Ahorntal ist eingeweiht. Bis es so weit war, mussten viele Hürden überwunden werden.

Es herrschte Kaiserwetter am Festplatz der Feuerwehr, wo der Festakt zur Einweihung des gegenüberliegenden neuen Rathauses der Gemeinde Ahorntal im Hauptort Kirchahorn stattfand. Nicht nur die Ahorntaler waren gekommen, sondern viele Menschen aus der Fränkischen Schweiz, darunter auch zahlreiche Bürgermeister oder ihre Stellvertreter aus dem Landkreis Forchheim. Denn ein neues Rathaus einzuweihen, ist eine Seltenheit.

Blick in den neuen offenen und lichtdurchfluteten Sitzungssaal, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.Forchheim & Fränkische Schweiz
Blick in den neuen offenen und lichtdurchfluteten Sitzungssaal, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. // Thomas Weichert

Ganz am Schluss brachte es der Ahorntaler Bürgermeister Florian Questel (Bündis 90/Grüne) in seiner Festrede auf den Punkt. „Wir haben fertig“, sagte er. Überschrieben hatte er seine Festansprache mit den Worten: „Was lange währt, wird endlich gut!“

Zunächst erinnerte der Rathauschef daran, warum man überhaupt ein neues Rathaus bauen musste, hatte man doch ein schönes historisches in der Ortsmitte. Dieses, so hatte sich schon 1995 nach einem Gutachten herausgestellt, war im Gebälk mit PCP und Lindan verseucht.

Altes Rathaus musste geschlossen werden

Zwölf Jahre später holte der damalige Bürgermeister Gerd Hofmann weitere Gutachten dazu ein und entschied, das Rathaus aus gesundheitlichen Gründen sofort zu schließen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorübergehend in Containern unterzubringen. Diese Bürocontainer kosteten 160.000 Euro, ein Teil davon nutzt nun der Bauhof, der Rest wird verkauft. Aus zwei Jahren angedachter Interimslösung wurden nun sieben Jahre bis ein neues Rathaus, für das sich die Ahorntaler nach einem Bürgerentscheid 2018 mehrheitlich ausgesprochen hatten, übergeben werden konnte.

Die Alternative wäre eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Nachbargemeinde Waischenfeld gewesen, für die sich der damalige Waischenfelder Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) stark gemacht hatte. Die Ahorntaler wollten aber verwaltungsmäßig eigenständig bleiben.

Gesamtkosten wegen Ukraine-Krieg gestiegen

Im September 2018 trat Hofmann aus gesundheitlichen Gründen zurück, alle Pläne wurden auf Null gesetzt und die Konzeptionierung komplett neu aufgesetzt. Es sollte ein zukunftsfähiges, gut durchdachtes und ansprechendes Gebäude, energetisch und technisch auf dem neuesten Stand werden. Zunächst ging man von einem Budget von 2,5 Millionen Euro aus.

Schnell wurde jedoch klar, dass dies eine Wunschvorstellung war. Zum Baubeginn im April vergangenen Jahres wollte man dann mit drei Millionen Euro auskommen. Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg ließen laut Questel die Gesamtkosten wegen der unkalkulierten wirtschaftlichen Lage dann aber auf zirka 4,1 Millionen Euro in die Höhe schnellen.

Da war guter Rat teuer, denn ein Rathausbau wird nicht gefördert. Dann jedoch wurden die Gemeinderäte auf die Firma „KFB Baumanagement GmbH“ aus Reuth bei Erbendorf aufmerksam, die auch Rathäuser als vorübergehender Bauherr errichtet und über die KfW-Förderbank einen Zuschuss in Höhe von 400.000 Euro generieren konnte. Die Gesamtkosten konnten dadurch auf 3,7 Millionen Euro verringert werden. Dennoch mehr als 700.000 Euro als gedacht.

 KfW 40 Effizienzhaus

Das neue Kirchahorner Rathaus ist ein so genanntes KfW 40 Effizienzhaus mit Wärmepumpe und Geothermie, und nach der Materialauswahl wertig und nachhaltig gebaut, wie Architekt Karsten Hilpert sagte. In den nächsten 30 Jahren müsse man daran keine größeren Renovierungen machen, so Robert Hammerrand, der Bauherr auf Zeit. Er betonte, dass das neue Rathaus auch ein Aushängeschild sei, das über Ladesäulen für E-Autos in den Außenanlagen verfüge.

Regierungspräsident Florian Luderschmid sagte, dass das neue Rathaus in erster Linie ein Ort der Demokratie sei, aber auch ein Ort der Verwaltung und nicht zuletzt ein Ort der Begegnung.

Bürgermeister Questel hatte zuvor noch die Frage gestellt: „Braucht’s das?“ Braucht es denn wirklich im Ahorntal ein neues Rathaus, das so groß und teuer sein muss und hätte die Hälfte der Größe nicht auch gereicht? „Ja, das braucht’s“, stellte Questel fest. Denn alle hätten diese Entscheidung sonst nicht getroffen und am Ende mitgetragen.

Transparenter Sitzungssaal

Für den Bayreuther Landrat Florian Wiedemann (FW) war dieser Tag ein ganz besonderer. Denn ein neues Rathaus werde schließlich nicht jeden Tag eingeweiht. Er sprach sein Grußwort zusammen mit seinem Stellvertreter Klaus Bauer (CSU). Wie Wiedemann befand, sei es wegweisend, dass der Sitzungssaal zu transparent gestaltet wurde. Auch wenn das Rathaus nicht in einem historischen Gebäude in der Ortsmitte ist, sei es dennoch auch repräsentativ geworden. Und funktional. Wiedemanns Stellvertreter Bauer bezeichnete das neue Rathaus als das „Nervenzentrum des Ahorntals“.

Über einen Zwischenfinanzierer zu gehen sei der richtige Weg gewesen“, so Bauer der an die Ahorntaler eine Bitte hatte: „Habt ein Rathaus der offenen Türen.“ Die Pfarrer Matthew Anyanwu und Peter Zeh stellten das neue Rathaus unter den Schütz Gottes, indem sie es außen und innen segneten.

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