Was gibt es aktuell am Bahnhof Behringersmühle: Ein altes Bahnhofsgebäude, das geschlossen ist. Ein historisches Toilettenhäuschen hinter dem Bahnhof. Einen ehemaligen Kornspeicher, einst genutzt von der Firma Baywa. Eine Lokwerkstatt, in der die Dampfbahn Fränkische Schweiz zwei Dampfloks parkt. Ein paar Parkplätze, deren Zufahrt von tiefen Schlaglöchern übersät ist. Und ein verfallender Schuppen.
Geplant sind Biergarten, Inforaum und Fahrradverleih
An diesen ebenso trost- wie teilweise verwahrlosten Ort karrt die Dampfbahn Fränkische Schweiz in der Schönwettersaison an den Wochenenden rund 30.000 Menschen pro Jahr. Ein Potenzial, das bald besser genutzt werden soll. Geplant ist, das gesamte Areal neu zu überplanen und die historischen Gebäude nach einer Sanierung einer neuen Nutzung zuzuführen.
Planer Stefan Schlicht aus Schweinfurt stellte dazu eine Machbarkeitsstudie im Kultur- und Tourismusausschuss des Kreistags vor. „Das ist ein toller Ort mit viel Geschichte“, meinte Schlicht. In den ehemaligen Kornspeicher könnte die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz einziehen, die im Moment in der Ebermannstadter Außenstelle des Landratsamts untergebracht ist.
Auch das Archiv Fränkische Schweiz mit einer umfangreichen Bibliothek fände dort Platz. Der alte Kornspeicher brächte aus Schlichts Sicht ideale Voraussetzungen dafür mit, denn seine Balken und Decken seien bereits beim Bau in den 1930er-Jahren auf hohe Lasten ausgelegt worden und bis heute gut in Schuss. „Da kann man was draus machen“, erklärte der Planer. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Gebäuden, die mangels Tragfähigkeit der Konstruktion nicht zu einer Bibliothek mit vielen schweren Büchern umgenutzt werden könnten.
Übernachten in den alten Lokführerwohnungen
Ins Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes könnte ein Gastronomiebetrieb einziehen, der die Touristen bewirten könnte. Im Sommer auch mit Biergarten an den Gleisen und womöglich ergänzt um einen Dorfladen. Die alten Lokführerwohnungen im Obergeschoss des Bahnhofs könnten zu drei Ferienappartements umgestaltet werden. Motto: Übernachten im alten Bahnhof. Die Dampfbahn Fränkische Schweiz arbeite gerade an der Überlegung, zusätzlich Übernachtungswaggons vor dem Bahnhof aufzustellen, in denen man ebenso stilvoll wie individuell schlafen könne.
Das heruntergekommene Toilettenhäuschen soll nach einer Sanierung wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. In der Machbarkeitsstudie ist auch eine neue Brücke vorgesehen, die das Bahnhofsareal mit den Rad- und Wanderwegen am gegenüberliegenden Ufer der Wiesent verbindet. Dort könnte sich auch ein Fahrradverleih ansiedeln. Aus der alten Dampflokwerkstatt könnte eine Multifunktionshalle entstehen, die laut Schlicht etwa für Ausstellungen, Veranstaltungen und Märkte für regionale Spezialitäten genutzt werden könnte.
Auch ein Inforaum für Touristen ist in Planung, in dem die Flyer und Broschüren über die touristischen Angebote in der Fränkischen Schweiz ausliegen und ein Imagefilm auf einer Leinwand abgespielt werden soll. Die Parkplätze sollen komplett an die Einfahrt zum Gelände aus Richtung Ebermannstadt verlagert werden. Die dortigen Schuppen, die in schlechtem Zustand sind, werden dazu laut Studie abgerissen.
Wasserspielplatz mit Wiesentwasser möglich
„Man merkt: Da steckt viel Herzblut drin“, kommentierte Landrat Hermann Ulm (CSU), nachdem Planer Stefan Schlicht seine Präsentation beendet hatte. Thomas Schuster (CSU) regte an, auch Spielmöglichkeiten für Kinder vorzusehen, für die man laut Helmut Taut (FW) auch gleich das Wasser der direkt am Bahnhof vorbei fließenden Wiesent nutzen könnte. Zwei Ideen, die Schlicht dankbar aufgriff.
Als Bürgermeister der Gemeinde Gößweinstein, zu der das Bahnhofsareal gehört, meinte Hanngörg Zimmermann (FW), dass das vorgestellte Konzept „ein ganz guter Zwischenstand“ sei, der Perspektiven aufzeige. Nun müsse man den nächsten Schritt machen: „Wenn wir solidarisch nach vorne gehen, wird das ein Schmuckstück für die Fränkische Schweiz.“
Einstimmiger Beschluss: Planung wird fortgeführt
Skeptisch äußerten sich mehrere Redner der CSU, insbesondere mit Blick auf die Kosten einer solchen Sanierung. Franz Streit hielt das vorgestellte Nutzungskonzept für „unausgegoren“ und bemängelte insbesondere die Verlagerung der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz von Ebermannstadt nach Behringersmühle. Was die Kulturreferentin des Landkreises Marion Rossa-Schuster, bei der die Federführung für das Projekt liegt, nicht unkommentiert stehen lassen wollte.
Rossa-Schuster erinnerte Streit daran, dass sich der Kultur- und Tourismusausschuss zuletzt im Oktober 2020 mit dem Bahnhofsareal Behringersmühle befasst und dabei die nun vorgestellte Machbarkeitsstudie beauftragt hatte. Damals, so Rossa-Schuster weiter, erging ein einstimmiger Beschluss, explizit ein Konzept für den Umzug der Tourismuszentrale nach Behringersmühle zu erstellen – mit den Stimmen der CSU.
In der Machbarkeitsstudie sei genau der Auftrag des Kultur- und Tourismusausschusses aus dem Jahr 2020 umgesetzt worden. „Dann kann man jetzt nicht sagen, dass einen das Nutzungskonzept nicht überzeugt“, so Rossa-Schusters Fazit. Der Ausschuss beschloss in der Folge wieder einstimmig, die Planung fortzuführen und zu konkretisieren.
Der reguläre Güter- und Personenverkehr von und nach Behringersmühle endete bereits anno 1976. Seit 1980 wird die Bahnstrecke zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle nur noch von den historischen Sonderzügen der Dampfbahn Fränkische Schweiz betrieben. Die Voraussetzungen für eine touristische Nutzung des Bahnhofsareals sind günstig: Hier treffen das Wiesenttal, das Püttlachtal und das Ailsbachtal aufeinander. Im Einzugsgebiet liegen die Landkreise Forchheim, Bayreuth, Amberg-Sulzbach und Nürnberger Land.
Rekordjahr bei den Übernachtungen in der Fränkischen Schweiz
Wie Matthias Helldörfer von der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz im Ausschuss berichtete, ziehen auch die Übernachtungszahlen in der Region wieder an: 2023 war seinen Ausführungen nach ein Rekordjahr mit 1,04 Millionen Übernachtungen in Betrieben mit mehr als 9 Betten. Dazu kämen noch die Übernachtungen in kleineren Betrieben und Ferienwohnungen. Helldörfers Fazit dazu: „Urlaub in der Fränkischen Schweiz ist nach wie vor angesagt.“
Zu dem vorgestellten Konzept für den Bahnhof Behringersmühle sagte Helldörfer: „Wenn ich das sehe als Touristiker, dann geht mir das Herz auf.“ Nachdem die Tourismuszentrale aber nur unter der Woche von Montag bis Freitag in Betrieb sei, regte Helldörfer an, dass in dem Nutzungskonzept auch eine am Wochenende mit Personal besetzte Tourist-Info vorgesehen wird. Denn die Menschen kämen hauptsächlich am Wochenende auf das Bahnhofsareal, wenn die Dampfbahn fährt.
Lesen Sie auch:

















