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Immense Kostensteigerung
Drei Faktoren machen das Rathaus nochmal 10 Millionen teurer
Die alten Balken des historischen Rathauses warteten mit allerhand Überraschungen auf.
Die alten Balken des historischen Rathauses warteten mit allerhand Überraschungen auf. // Martin Regner
Forchheim – Dass die Sanierung des Forchheimer Rathauses noch einmal teurer wird, war absehbar. Aber gleich um mehr als 10 Millionen Euro? Dafür gibt es drei Gründe. Und nur einer davon hat mit dem alten Rathaus selbst zu tun.

Architekt Stephan Fabi und Ingenieur Bernd Mittnacht stellten im Rathaussanierungsausschuss des Stadtrates den aktuellen Fortschritt der Arbeiten vor. Die von Projektsteuerer Martin Santl präsentierte Kostenprognose weist eine Steigerung um rund 10,3 Millionen Euro auf nun 44,7 Millionen Euro aus. Doch beginnen wir von Anfang an.

Rund 50.000 Fotos zur Dokumentation

Während der Bauarbeiten fanden archäologische Grabungen und Dokumentationen statt. Dabei habe man inzwischen rund 14.000 Fundstücknummern vergeben, erklärte Architekt Fabi, und rund 50.000 Fotos angefertigt. Bei der Rathausbaustelle handele es sich derzeit um „die größte und bedeutendste Stadtkerngrabung in Oberfranken“.

Bei den Rohbauarbeiten habe man nun – nach rund dreieinhalb Jahren – schon sehr viel geschafft. Die statischen Sicherungsmaßnahmen im Untergeschoss seien fertig, ebenso die Bodenplatte des neuen Erdgeschosses. Die Baustelle, die für die Planer und Ingenieure schon einige Überraschungen bereitgehalten hatte, sorgte auch seit dem letzten Bericht zum Stand der Dinge im Dezember für weitere unvorhergesehene Schwierigkeiten.

Dazu zählt laut Fabi etwa die Treppe, die zum neuen Biererlebniskeller führen soll. Für deren Realisierung seien aufwändige statische Maßnahmen notwendig gewesen. Alte Natursteinmauern, die in den Bereich der künftigen Treppe ragten, hätten erst abgetragen und der Bereich mit zusätzlichen Abstützungen gesichert werden müssen.

Balken waren schon durchgebrochen

Bekanntlich wurde die Sanierung des Rathauses in Angriff genommen, nachdem man bemerkt hatte, dass sich der markante Giebel auf der Nordseite des Rathauses nach außen geneigt hatte und dass Teile der Gefache herausgefallen waren. Mit der Feststellung „jetzt wissen wir auch, warum“ übergab Fabi das Wort an Ingenieur Bernd Mittnacht, der sich mit der Holzkonstruktion des alten Fachwerkbaus befasst hat.

Mittnacht sprach von Konstruktionsfehlern schon bei der Errichtung des Rathauses. So hätten die damaligen Handwerker den Querschnitt wichtiger Balken durch Schlitze geschwächt, die zur Verbindung mit anderen Balken dienten. Das gelte insbesondere für einen der auskragenden Balken, der horizontal in der Decke über dem alten Ratssaal verlief und an seinem äußeren Ende das Gewicht der darüber liegenden Giebelfassade aufnehmen musste.

Der besagte Balken sei an seiner schwächsten Stelle durchgebrochen, so Mittnacht. Den Knick im Balken habe man aber erst sehen können, nachdem die Zwischendecke weitgehend abgetragen war. Durch den Bruch konnte der Balken die Last nicht mehr so aufnehmen wie geplant, was in der Folge einer Hebelwirkung im Fachwerk auch zum Bruch eines senkrechten Stützbalkens darunter geführt habe.

Türmchen hatte 21 Zentimeter Schlagseite

Bei einem weiteren Unterzugbalken in der Decke des alten Ratssaales entdeckten die Handwerker bei den Sanierungsarbeiten laut Mittnacht einen alten Brandschaden. Die verkohlten Reste des Unterzugs seien kaum noch tragfähig gewesen. Das Ergebnis: Der Nordgiebel neigte sich merklich nach außen und das daran angebaute Türmchen von außen betrachtet bis zu 21 Zentimeter nach rechts.

„Die Schäden waren so versteckt, dass man schon sehr genau hinschauen musste, um sie zu entdecken“, resümierte Mittnacht. Zur Instandsetzung des Fachwerks und zur Wiederherstellung der Standfestigkeit des alten Rathauses „machen die Zimmerleute eine hervorragende Arbeit“, so Mittnacht weiter. Das Forchheimer Rathaus sei „ein Denkmal von nationalem Rang“, deswegen sei die größtmögliche Sorgfalt der Arbeit auch angebracht.

Das Türmchen am Nordgiebel werde man im Zuge der Arbeiten wieder ins Lot bringen. Bei einer Ecke auf der Rückseite des Rathauses – dort, wo in den 1970er-Jahren im Inneren die Betontreppe ins Obergeschoss eingebaut worden war – bestand aus Sicht von Mittnacht sogar akute Einsturzgefahr. Das besagte Mauerstück sei über Jahrhunderte hinweg immer weiter geschwächt worden. Der schlimmste Eingriff in die Bausubstanz sei der Einbau der besagten Betontreppe „ohne Rücksicht auf das historische Material“ gewesen.

Im Ergebnis hätten sich in der Wand, die sowohl von Innen als auch von Außen zunächst massiv und stabil aussah, mehrere Hohlräume befunden, sodass die Wand zu Beginn der Arbeiten notgesichert werden musste.

Überraschungen, Corona-Krise, Ukrainekrieg

In der Folge der aufgefundenen Überraschungen steigen die Baukosten, aber nicht nur deswegen. In der letzten Sitzung des Rathaussanierungsausschusses im Dezember ging man noch davon aus, dass die Sanierung am Ende rund 34,4 Millionen Euro kosten wird. Jetzt wird die Kostenentwicklung bis zur Fertigstellung auf rund 44,7 Millionen Euro geschätzt. Ein Plus von rund 10,3 Millionen Euro oder von rund 30 Prozent.

Laut Projektsteuerer Martin Santl sind dafür aber nicht nur die ungeplanten Mehrarbeiten an der Bausubstanz verantwortlich, sondern auch die Tatsache, dass sowohl die Corona-Krise als auch der Ukraine-Krieg in die Bauphase fielen. In Folge dieser beiden Ereignisse auf der globalen Ebene seien die Baukosten überall massiv gestiegen und eben auch in Forchheim. Allerdings hatte Santl auch zwei gute Nachrichten dabei. „Die Baukosten stabilisieren sich gerade wieder“ und „je weiter der Bau voranschreitet, desto weniger Überraschungen sind noch zu erwarten.“

Kein Stadtschatz in den Hohlräumen

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) bedauerte mit einem Augenzwinkern, dass in den bei den Bauarbeiten aufgefundenen Hohlräumen in der Wand kein Stadtschatz gefunden worden ist, mit dem man die Kostensteigerungen hätte auffangen können. „Mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn“, bekannte Thomas Werner (CSU) in Anbetracht der vorgestellten Zahlen. Vom Oberbürgermeister wollte Werner wissen, wie die erneute Kostensteigerung finanziert werden solle.

„Diese Frage kann noch nicht beantwortet werden“, antwortete Kirschstein. Die Fördermittelgeber hätten aber zugesagt, auch die Fördermittel für das Projekt zu erhöhen. Die genaue Höhe der Erhöhung stehe aber erst nach Abschluss des Projekts fest. Die Inbetriebnahme des fertig sanierten Gebäudes kündigte Architekt Stephan Fabi für Ende 2026 an. Das ist zumindest jetzt der Plan.

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