Ein bisschen wehmütig ist Joachim Hausner schon. Vor gut 30 Jahren hat er als Auszubildender hier in der Forchheimer Hauptstraße seine Bank-Karriere begonnen. Inzwischen ist er Vorsitzender der Volks- und Raiffeisenbank Bamberg-Forchheim, die zwischen Nürnberg und Zapfendorf mehr als 140.000 Kunden hat. Jetzt hat er das Bankgebäude, in dem er einen großen Teil seines Lebens zugebracht hat, verkauft. Ein bisschen also, als würde man das Elternhaus hergeben.
Doch mit den Fusionen seit 2019 mit Bamberg, Heroldsberg und Heroldsbach ist das alte Stammhaus einfach zu klein geworden. 430 Beschäftigte hat die Bank inzwischen, davon gut die Hälfte in der zentralen Verwaltung. Noch ist die auf fünf Standorte verteilt. In den kommenden Jahren soll sie in Forchheim konzentriert werden.
In Forchheim entsteht die neue Zentrale der VR-Bank
450 Meter vom heutigen Standort entfernt soll das neue Verwaltungsgebäude in der Nürnberger Straße 24 entstehen. Das sogenannte Müller & Seybold Areal gehört der VR-Bank schon seit gut 20 Jahren. Für Forchheim habe man sich entschieden, weil das Grundstück in Bahnhofsnähe liege und man dort auch Parkplätze bauen könne. Zudem liege Forchheim mitten drin im Geschäftsgebiet der Bank, die ein Kundenvolumen von gut 7,6 Milliarden Euro betreut.
Ein bisschen froh wirkt Hausner aber dann doch. Hat er für das alte Haus doch einen Käufer gefunden, bei dem er die Immobilie in guten Händen weiß: die Stadt Forchheim. Über den Kaufpreis schweigen beide Seiten diskret. Am vergangenen Montag, 18. März, haben sich Hausner und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) beim Notar getroffen. Zum 1. Januar 2025 geht das Haus in den Besitz der Stadt über.
Die Stadt Forchheim kauft das alte Bankgebäude in der Fußgängerzone
Die ersten Jahre wird sie das Gebäude zu großen Teilen an die Bank vermieten bis voraussichtlich 2028 die neue Zentrale fertig ist. Kirschstein findet das ziemlich gut. So könne man in Ruhe ein Konzept erarbeiten, wie die Stadt das Gebäude nutzen will.
Was aber schon fest steht: Bereits im kommenden Jahr soll das Stadtarchiv in die historischen Gebäude einziehen, die teilweise zu den ältesten der Königsstadt gehören. „Das Archiv will sichtbarer werden“, sagt Kirschstein. „Mit der neuen Leiterin Miriam Mulzer ist da viel Schwung da.“ Zudem ist das alte Archiv in der Schulstraße mit Schadstoffen belastet.
Für die weitere Nutzung des Gebäudes hat Kirschstein schon erste Ideen. „Aber die Beschlüsse des Stadtrates dazu stehen noch aus“, schränkt er gleich ein. Er würde aber im Erdgeschoss gerne Gewerbeflächen einrichten und in den oberen Etagen Mitarbeiter der städtischen Verwaltung unterbringen.
Kirschstein will so die Entwicklung der City in der Hand haben
„Die Flächen müsste die Stadt ja auch nicht mit dem Ziel der Profitmaximierung bewirtschaften“, schlägt Kirschstein vor. „Man könnte ja auch einen politischen Preis machen.“ Mit dem Gebäude mitten in der Fußgängerzone habe die Stadt aber künftig so einen direkten Einfluss auf die Ausgestaltung der Forchheimer City.
„Natürlich wäre es auch naheliegend, wenn hier künftig das Citymanagement sitzt“, sagt Kirschstein. Aktuell habe man dafür Räume angemietet. Nach der Neuaufstellung sieht er es mitten in der Fußgängerzone gut aufgehoben.
Doch auch mit der Neuerwerbung werde man langfristig ein neues Rathaus für die Stadtverwaltung bauen müssen. „Das ist keineswegs vom Tisch“, sagt er. Aktuell sei die Verwaltung in 17 verschiedenen Gebäuden untergebracht.
Die Stadt habe zudem ein Gutachten machen lassen, mittelfristig habe die Verwaltung danach einen Platzbedarf von gut 10.000 Quadratmetern. Aktuell anvisierte Kosten für den Neubau: 50 bis 60 Millionen Euro. Was noch fehlt, ist das passende Grundstück.
Da ist die VR-Bank der Stadt voraus. Sie braucht aber auch nur gut 5000 Quadratmeter neue Bürofläche. Die Filiale in der City wird in den kommenden Jahren verschwinden. Nur ein Geldautomat und ein SB-Terminal soll künftig hier noch von der Bank bleiben. Die Kunden müssen dann zum neuen Standort. In der Zentrale wird es auch eine Filiale für die Kunden geben.
Was jetzt noch fehlt: die Baugenehmigung. Doch Kirschstein winkt ab: „Da sind wir sehr schnell.“
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