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Nochmal Bürgerentscheid
Gößweinsteiner Bündnis will Rathaus im Pfarrhaus
Wandgemälde schmücken das Obergeschoss.Forchheim & Fränkische Schweiz
Wandgemälde schmücken das Obergeschoss. // T. Weichert
Architekt Schoener (Mitte) zeigt die Pläne.Forchheim & Fränkische Schweiz
Architekt Schoener (Mitte) zeigt die Pläne. // T.Weichert
Der Fürstensaal im Obergeschoss soll so erhalten bleiben.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Fürstensaal im Obergeschoss soll so erhalten bleiben. // T. Weichert
Im Untergeschoss stapeln sich noch alte Kartons.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im Untergeschoss stapeln sich noch alte Kartons. // T. Weichert
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Weichert
Gößweinstein – Anfang November stimmt der Wallfahrtsort darüber ab, ob das alte Pfarrhaus zum Rathaus umgebaut werden soll. Schon wieder. Die Befürworter sind mit dem Ergebnis des jüngsten Entscheids unzufrieden.

„Unser Bürgerhaus der Zukunft“ steht auf dem Plakat vor dem Gößweinsteiner Pfarrhaus zum ersten Tag der offenen Tür, zu dem die Bürgerinitiative (BI) zur „Stärkung und dem Erhalt der historischen Ortsmitte von Gößweinstein“ am Sonntag eingeladen hat.

Die Mitstreiter um Alexander Polster wollen den Bürgerentscheid vom Dezember letzten Jahres rückgängig machen und damit beim erneuten Bürgerentscheid am 5. November doch noch erreichen, dass die Marktverwaltung nebst Tourismusbüro in das historische Pfarrhaus einzieht.

Beim jüngsten Entscheid hatten sich 58,5 Prozent der Gößweinsteiner, die damals zur Wahl gingen, dagegen ausgesprochen und der BI „Zukunft Rathaus Gößweinstein“ um Ferdinand Haselmeier recht gegeben.

Eine Frage des Geldes

Die von Polster vor ein paar Monaten gegründete Gegeninitiative hat mit dem Gößweinsteiner Arzt Klaus-Dieter Preis inzwischen einen weiteren prominenten Befürworter. Preis ist auch Vorsitzender des Vereins „Zukunft Gößweinstein“. „Ich habe mich entschieden, das neue Bürgerbegehren klar zu unterstützen“, sagt Preis gegenüber unserer Redaktion. „Alles spricht dafür: Aufgrund der Nutzung des historischen Gebäudes gibt es dafür gesicherte Zuschüsse.

Das Projekt wird dadurch allen Unkenrufen zum Trotz auf jeden Fall billiger als der Neubau eines Rathauses, für den keine nennenswerten Zuschüsse zu erwarten sind“, erklärt Preis. „Außerdem ist es meine klare Überzeugung, dass durch die Verwirklichung dieses Projekts die Attraktivität Gößweinsteins für die einheimische Bevölkerung wie für den Tourismus massiv gesteigert wird. Wir zeigen uns damit auch der Geschichte des Ortes gegenüber verantwortlich.“

Alles wie 2022: Die Pläne bleiben unverändert, nur die Kosten steigen

Geändert haben sich die Ursprungspläne nicht. Die Entwürfe, die Architekt Michael Schoener aus Leipzig den Besuchern im Durchgang vorstellt, sind immer noch die gleichen wie im September 2022. Das einzige, was sich geändert hat, sind die Kosten: Schoener schätzt nun Gesamtkosten von 10,6 Millionen Euro.

Das liegt an der sogenannten „Indexsteigerung“ im Baugewerbe in Höhe von inzwischen 15,5 Prozent. Diese Preissteigerung hätte man aber bei einem Rathausneubau auch. Den Eigenanteil der Gemeinde für das Gesamtprojekt sieht der Planer bei 3,17 Millionen Euro.

„Sie haben keine Chance, einen nicht förderfähigen Rathausneubau für diese Summe zu erstellen“, sagt Schoener. Denn der Staatszuschuss über die Städtebauförderung liegt bei 6,63 Millionen Euro. Die Kirche gibt 860.000 Euro dazu und das Denkmalamt 20.000 Euro. Eine Wiederaufnahme der Planung hält Schoener daher für machbar.

Zuschüsse müssten neu beantragt werden

Auch Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (FW) war gekommen. Er betonte, dass er und die Gemeinde damit nichts zu tun hätten. Es handle sich um ein klassisches Bürgerbegehren und toll sei es im Sinne der Sachlichkeit, was die Initiatoren mit dem Tag des offenen Pfarrhauses auf die Beine gestellt haben, damit sich die Bürger vor Ort selbst ein Bild machen können. Gefragt nach den Zuschüssen, erklärt Zimmermann, dass diese natürlich wieder neu beantragt werden müssen, wenn das Bürgerbegehren erfolgreich ist.

Die Regierung von Oberfranken steht laut Zimmermann nach wie vor zu dem Projekt. Dies habe er bereits mit Verantwortlichen der Regierung abgeklärt. Die Bedeutung des Projekts sei ja nicht weniger geworden, wenn man sich das neue Energie- und Heizungsgesetz ansehe. Denn die Nahwärme liegt ja schon im Pfarrhaus. Und vor allem versiegle man damit auch keine weiteren Flächen und reaktiviere ein Altgebäude mitten in der Ortsmitte. „Am wichtigsten finde ich die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema“, so Zimmermann.

Nicht nur Befürworter

Es gibt aber nicht nur Befürworter für das Projekt, die am Sonntag ins Pfarrhaus kommen. Zwei Bürgerinnen, die nicht namentlich genannt werden wollen, diskutieren mit Polster. Sie sind nicht gegen den Erhalt des Pfarrhauses und die Öffnung des Pfarrgartens, allerdings gegen den zusätzlichen Saalbau. Sie argumentieren, dass man für Hochzeits- oder andere Feiern in Gößweinstein bereits das Pfarrzentrum am Kreuzberg habe und für größere Veranstaltungen die neue Schulturnhalle.

Dem entgegnet Polster, dass das Pfarrzentrum nicht barrierefrei sei und auch die Akustik dort sei nicht gut, weshalb der Marktgemeinderat seinen Sitzungsort in die Kulturwerkstatt nach Morschreuth verlegt habe. Zudem sei der Saalbau ein ganz wesentlicher Grund für die hohen Zuschüsse aus Städtebaufördermitteln, die es nur für ein Rathaus nicht gäbe. Dazu meinen die Damen, dass man künftig die Gemeinderatssitzungen auch im Fürstensaal abhalten könne, da ja ohnehin ein Aufzug gebaut werden muss.

Dass der Erweiterungsbau nötig ist, liegt aber wohl nicht nur am Zuschuss. Hier soll ein ortsnaher Sitzungsaal mit zeitgemäßer Technik einziehen, der bei Feierlichkeiten auch für die Bewirtschaftung des Pfarrgartens dient und in dem auch der zentrale Technikraum untergebracht wird.

Neues Rathaus in Gößweinstein hätte 630 Quadratmeter für zwölf Beschäftigte

Kritik von Besuchern kam auch immer wieder wegen fehlender Parkplätze vor dem Pfarrhaus. Dieses Problem sieht Georg Schäffner als Mitinitiator der BI nicht. Vor dem Pfarrhaus, das dann Rathaus ist, werden zwei Behindertenparkplätze geschaffen. Ausreichende Parkplätze seien in einer Entfernung von 120 Metern vorhanden. Die Verkehrssituation werde daher die gleiche sein wie bisher, ist sich Schäffner sicher.

Auch das Argument, dass das Pfarrhaus als Rathaus überproportioniert ist, sei falsch, da ja auch noch das Pfarrbüro und die Tourist-Info mit reinkämen. Für die zwölf Mitarbeiter der Verwaltung seien 630 Quadratmeter vorgesehen.

Auch dass sich Gößweinstein auf Jahre hoch verschuldet, wenn das Rathaus ins Pfarrhaus kommt, sei falsch. Zum Ende dieses Jahres wird der Markt auch dank Stabilisierungshilfe Rücklagen von mindestens 2,28 Millionen Euro haben. Zieht man den prognostizierten Schuldenstand zum Jahresende in Höhe von 700.000 Euro davon ab, bleibt noch ein Guthaben von rund 1,5 Millionen Euro übrig.

Beim ersten Mal keine eindeutige Mehrheit

Für die zukünftige Generation gäbe es deshalb keine Mehrbelastung. Im Gegenteil: Die Attraktivität Gößweinsteins werde für Einheimische und Gäste deutlich gesteigert und bewege junge Menschen und Familien zum Verbleib oder sogar Zuzug.

Als den ersten Grund für das neue Bürgerbegehren führen die Initiatoren an, dass es beim letzten Entscheid keine deutliche Mehrheit gegen einen Umzug des Rathauses ins Pfarrhaus gab. Denn am 4. Dezember 2022 hätten sich lediglich 30,41 Prozent aller stimmberechtigten Gößweinsteiner gegen einen Umzug ins Pfarrhaus ausgesprochen, weil die Wahlbeteiligung nur bei 56,28 Prozent lag.

Ziel sei es daher laut Polster auch, damalige Nichtwähler zu überzeugen, diesmal ihre Stimme abzugeben. Wer sich selbst ein Bild vor Ort machen möchte, kann beim nächsten Tag der offenen Tür am Sonntag, 22. Oktober von 10 bis 16 Uhr vorbeischauen.

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