Ein virtueller Schulhof, ein eigens ausgewählter Charakter, mit dem man sich durch eine fiktive Schule bewegt – und das alles begleitet von peppiger Musik im Hintergrund. Die App „Wo ist Goldi? Sicher surfen im Netz“ soll Grundschülern spielerisch Medienkompetenz beibringen.
Die Anwendung läuft auf dem Smartphone oder Tablet und wurde vom bayerischen Staatsministerium für Digitales herausgegeben. Die Nutzung ist nicht verpflichtend.
Was erst einmal nach einer guten Idee klingt, stößt nicht bei allen auf Begeisterung. In einer Pressemitteilung kritisiert der bayerische Elternverband, dass die App nur auf dem Tablet oder Smartphone laufe und nicht etwa auf einem Computer. Dadurch werde der Druck auf Eltern erhöht, dem Kind ein eigenes Gerät zu kaufen. Außerdem äußert der Elternverband Bedenken bezüglich des Datenschutzes, da für die Nutzung ein Apple- oder Google-Konto nötig sei.
Sicher im Internet dank „Medienführerschein“
Ursula Schuster, Rektorin an der Grundschule Buckenhofen-Burk, hat schon von der „Wo ist Goldi?“-App gehört. Sie findet die Idee grundsätzlich gut, bisher ist die App an ihrer Grundschule aber nicht im Einsatz.
Um den Kindern den sicheren Umgang mit digitalen Medien beizubringen, setzt die Schule stattdessen auf den „Medienführerschein“. In der dritten und vierten Klasse lernen die Schüler hier mit vorgefertigten Materialien alles vom Thema Sicherheit im Internet bis zur Recherche im Netz. Dabei werde sowohl mit Arbeitsblättern, aber auch digital, zum Beispiel mit weiterführenden QR-Codes, gearbeitet, erklärt Schuster.
Die schuleigenen Tablets seien in allen Jahrgangsstufen im Einsatz. Ein digitales Gerät könne schließlich auch ein Lerngerät sein. Im Unterricht bieten die iPads aus Schusters Sicht Abwechslung und Möglichkeiten für kreative Aufgaben. Smartphones dürfen in der Schule dagegen nicht verwendet werden.
Ein Drittel hat ein Smartphone
Ein Drittel der Kinder habe bereits ein eigenes Smartphone, schätzt Schuster. Das Telefon sei inzwischen ein beliebtes Geschenk zur Kommunion. Rund zehn Prozent der Kinder hätten außerdem Smart-Watches. „Immer mehr Eltern ist es wichtig, dass Kinder ein Handy oder eine Smart-Uhr dabeihaben“, sagt die Rektorin. Schuster kann verstehen, dass das Gerät den Alltag manchmal leichter mache, zum Beispiel wenn sich die Eltern nach der Arbeit verspäten. In der Schule sollte es aber ausgeschalten sein. Die Kritik an der „Goldi“-App kann sie nicht nachvollziehen.
„Die digitale Welt ist um uns herum. Wenn ich nichts dazu in der Schule mache, ist es trotzdem da“, sagt Schuster. Wichtig sei stattdessen, dass es Regeln zur Nutzung von Smartphone und Co. gebe.
Auch an der Grund- und Mittelschule Ebermannstadt ist die „Wo ist Goldi?“-App bisher nicht im Einsatz. Tablets gehören aber zum Unterricht dazu. Das erklärt Rektorin Anette Mohnlein.
Die Schule in Ebermannstadt setzt ebenfalls auf den „Medienführerschein“. Außerdem gebe es seit diesem Jahr eine neue Kollegin, die das Thema digitale Medien voranbringen soll, erzählt Mohnlein. Wichtig sei, den Schülern zu vermitteln, dass ein Tablet „ein Werkzeug und kein Spielzeug“ ist.
Digitale Medien: Schule und Eltern verantwortlich
Ab der dritten Klasse hätten etwa dreiviertel der Kinder ein eigenes Smartphone, schätzt Mohnlein. Vor ein paar Jahren hätten die meisten ihr Telefon erst zum Übertritt in die fünfte Klasse bekommen. Aufgrund dieser Entwicklung sei es wichtig, das Thema in der Schule und mit den Eltern anzugehen. Die Rektorin ruft aber auch die Eltern zur Verantwortung auf. Einem Kind sollte kein Smartphone in die Hand gedrückt werden, nur um es zu beschäftigen.
Tobias Pruy ist medienpädagogischer Berater für digitale Bildung und für die Schulämter Bamberg und Forchheim im Einsatz. Er hält es für unrealistisch, dass Kinder ausgerechnet wegen der „Wo ist Goldi?“-App ein eigenes Smartphone fordern, so wie der bayerische Elternverband befürchtet. Da Kinder im Grundschulalter ohnehin nicht unbeaufsichtigt surfen sollten, empfiehlt er die App gegebenenfalls auf dem Gerät der Eltern zu installieren.
In Bezug auf die Datenschutzbedenken des bayerischen Elternverbandes erklärt Pruy: „Bei schuleigenen Geräten, auf denen diese App installiert ist, werden keine personenbezogenen Daten erfasst oder weitergegeben.“ Auf privaten Geräten müssten die Eltern entscheiden, ob sie die App installieren.
Kinder nutzen früher digitale Medien
Auch Rudolf Kammerl, Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik mit Schwerpunkt Medienpädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, widerspricht der Kritik. Aus seiner Sicht sei davon auszugehen, dass die App viele Qualitätskriterien für Bildungsmedien erfülle. Schließlich sei sie zusammen mit einem renommierten Institut für Medienpädagogik entwickelt worden.
„Leider nutzen immer mehr Kinder viel zu früh und viel zu umfangreich zu Hause digitale Medien. Und häufig werden sie dabei auch nicht von ihren Eltern begleitet“, sagt Kammerl. Deshalb werde es immer wichtiger, dass in der Grundschule über die Risiken im Internet aufgeklärt werde. Dazu brauche es entsprechende Medien, die den Lehrkräften helfen.
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