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Energiewende im Naturpark
Neben die Solaranlage kommen 250 Meter hohe Windräder
Der Ausbau der Erneuerbaren stößt immer wieder an Grenzen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Ausbau der Erneuerbaren stößt immer wieder an Grenzen. // Adelheid Wagner
Ebermannstadt – Bei der Energiewende gehört der Landkreis bundesweit zu den Schlusslichtern. Doch jetzt macht die Politik mächtig Druck. Neben dem Solarpark in Poxstall sollen bald 250 Meter hohe Windräder stehen.

In den kommenden Tagen geht das größte Kraftwerk im Landkreis Forchheim ans Netz: Der Solarpark Poxstall oberhalb von Ebermannstadt mit einer Nettonennleistung von 18.725 Kilowattstunden. Die Anlage soll den Strombedarf von etwa 7000 Haushalten decken. Der vor Ort erzeugte Ökostrom entspreche dann bereits 80 Prozent des Verbrauchs der Stadt Ebermannstadt, wie die Stadtwerke Ebermannstadt vorrechnen.

Das klingt, als sei die Energiewende im Landkreis Forchheim schon ziemlich weit. Doch stimmt das auch? Das Analyseunternehmen Prognos hat am Dienstag seinen Energieatlas vorgestellt, in dem der Ausbaustand der erneuerbaren Energien in allen Landkreisen Deutschlands verzeichnet ist. Forchheim gehört bei Windkraft, Wasserkraft und Biomasse zu den Schlusslichtern, allein bei der Solarenergie steht der Landkreis etwas besser da. Doch auch hier sind andere Landkreise in Franken weiter – etwa Coburg, Kulmbach, Hof, Lichtenfels oder die Haßberge.

Viele Verzögerungen beim Bau des Solarparks

Der Landkreis hinkt also ganz schön hinterher. Auch die Fertigstellung des Ebermannstadter Solarparks hat sich immer wieder verzögert. Der Bebauungsplan steht seit 2021. Doch Lieferschwierigkeiten aufgrund von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg verzögerten das Projekt immer wieder. Zuletzt hingen die 31.000 Solarmodule wegen eines Patentrechtsstreits des Herstellers im Hafen von Rotterdam fest. Nach neun Monaten Bauzeit ist es jetzt fertig. Am 6. Juli soll er ans Netz  und  Forchheim kommt den Zielen ein Stück näher. „Der Solarpark Poxstall ist Bestandteil unserer Strategie, als Freistaat bis 2040 klimaneutral zu sein“, sagt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Die Stadtwerke Ebermannstadt wollen den ganzen Strom, den sie in ihrem Versorgungsgebiet verkaufen, auch selbst erzeugen.

Auch Ebermannstadts Bürgermeisterin Christine Meyer (NEL/Freie Wähler) sieht sich jedenfalls in der Pflicht, die Energiewende voranzutreiben: „Der Ausbau regenerativer Energien ist eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen“, sagt sie. „Der Solarpark Poxstall ist da ein wichtiger Beitrag.“ Die Anlage befindet sich in kommunaler Hand. Zudem können sich Bürger an dem Projekt beteiligen. Die Gewinne bleiben also in Ebermannstadt. Die Stadtwerke werden jährlich neben der Gewerbesteuer eine Kommunalabgabe von 43.000 Euro an die Stadt zahlen. Das will Meyer in weitere Klimaprojekte stecken.

Beteiligung zum Windpark startet

Eins davon könnte auch der Windpark auf der Langen Meile sein. Auf dem Hochplateau zwischen Ebermannstadt und Eggolsheim sollen mehrere Windräder gebaut werden. Dazu startet am 29. Juni das Beteiligungsverfahren, die entsprechende Mitteilung ist am Dienstag im Amtsblatt des Regierungsbezirks erschienen. Auf der Homepage des Planungsverbandes West sind die Karten, die zeigen, wo die Vorranggebiete für Windkraftanlagen genau liegen sollen, bereits eingestellt. Bis zum 25. August kann jedermann Einwände gegen das Projekt vorbringen.

Die Frist habe man absichtlich etwas länger veranschlagt als üblich, heißt es auf Nachfrage in Bayreuth. Zuletzt hatte es auch immer wieder Protest gegen die Windräder gegeben. Kein Wunder, liegen die Anlagen doch mitten im Naturpark Fränkische Schweiz. Was ist mit Wildvögeln? Was ist mit Schlagschatten? Alles Fragen, die im Beteiligungsverfahren eine Rolle spielen werden. Im Herbst soll dann der Planungsverband Oberfranken-West endgültig über die Vorranggebiete entscheiden.

Auf der Langen Meile sind zwei Gebiete geplant, auf denen 250 Meter hohe Windräder gebaut werden sollen: Auf dem Gemeindegebiet von Ebermannsadt und Eggolsheim sind zwischen Kauernhofen, Niedermirsberg und Poxstall auf 108 Hektar vier Windräder geplant. Östlich von Tiefenstürmig und Götzendorf sollen zudem auf 186 Hektar vier bis fünf Windräder gebaut werden. Das Gebiet gehört vollständig zu Eggolsheim.

Weitere Solarparks könnten in Eggolsheim entstehen

Am Dienstagabend standen im Gemeinderat von Eggolsheim sieben Bebauungspläne und die entsprechenden Änderungen am Flächennutzungsplan auf der Tagesordnung. Ein privater Investor will auf insgesamt 17 Hektar Solaranlagen errichten. Mit den Grundstückseigentümern scheint er sich soweit einig zu sein.

Zudem könnten in den kommenden Monaten noch zusätzliche Photovoltaik-Anlagen entlang der A73 hinzukommen. Aufgrund einer Privilegierung durch die Bundesregierung braucht es für Anlagen auf einem 200 Meter breiten Streifen entlang einer Autobahn keine Bebauungsplanänderung mehr. Ein einfacher Bauantrag reicht. Die Verwaltung in Eggolsheim beschäftigt sich aktuell damit, wie sie damit umgehen will. Schließlich gibt es im Ort auch Befürchtungen, dass zu viel landwirtschaftliche Fläche verloren geht.

Forchheim hinkt den anderen zwar hinterher, doch es tut sich etwas, damit auch der Landkreis den Zielen näher kommt. Doch der Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Zielen bei der Energiegewinnung und dem Schutz der Natur braucht in der Fränkischen Schweiz anscheinend etwas länger. Im Solarpark Poxstall sollen im Herbst noch Büsche und Sträucher gepflanzt werden. Wildtiere sollen in Totholzhaufen Unterschlupf finden, 300 Schafe die Fläche beweiden und ein Imker will seinen Bienen vorbeibringen – und Solarhonig ernten.

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