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Kandidaten-Porträt
Richard Schmidt: Die Stimme der Vernunft in der SPD
Richard Schmidt tritt als Direktkandidat der SPD Forchheim bei der Landtagswahl 2023 an.Forchheim & Fränkische Schweiz
Richard Schmidt tritt als Direktkandidat der SPD Forchheim bei der Landtagswahl 2023 an. // Stephan Großmann
Forchheim – Richard Schmidt will für die SPD in den Landtag. Welche Ambitionen der 27-Jährige hegt, warum er sich Bildung auf die Fahne geschrieben hat und wieso er kein Altkanzlerbild in der Wohnung hat.

Noch läuft Richard Schmidt recht entspannt durch Forchheims Fußgängerzone. Er schließt die Tür zum SPD-Büro auf, bittet zu Tisch.

Dass er erst 27 Jahre alt ist, merkt man dem souverän auftretenden jungen Mann nicht an, ebenso wenig, dass er noch relativ wenig Politikerjahre vorweisen kann.

Und doch könnte ihm beides zupass kommen; einerseits bei der anstehenden Landtagswahl, andererseits für seine noch junge politische Karriere insgesamt. Wer ist nun der Mann, der für die hiesige SPD ab Herbst ins Münchner Maximilianeum einziehen möchte?

Richard Schmidt: „Nicht mit fixer Meinung die Welt erklären“

Der Hausener Richard Schmidt, 1996 in Forchheim geboren, geht als Direktkandidat der Forchheimer Sozialdemokraten ins Wahlrennen am 8. Oktober.

Derzeit macht der Student in Nürnberg seinen Master in Angewandter Mathematik und Physik. Seine Schwerpunkte lauten zeitgemäß: Energiewende und Wasserstoff.

Richard Schmidt macht gerade seinen Master in Angewandter Mathematik und Physik in Nürnberg.Forchheim & Fränkische Schweiz
Richard Schmidt macht gerade seinen Master in Angewandter Mathematik und Physik in Nürnberg. // Stephan Großmann

Dass der Wahlkampfendspurt in seine vorlesungsfreie Zeit fällt, kommt ihm gelegen. Denn er hat viel vor: Infostände in den Fußgängerzonen besuchen, Gespräche mit Bürgern führen, zuhören.

„Ich möchte den Menschen nicht mit einer fixen Meinung die Welt erklären. Auch und gerade Politiker müssen lernfähig sein, verschiedene Perspektiven anerkennen.“ Dass er nicht zuletzt durch sein Studium Themen vorab gründlich durchdenkt, sieht er als Vorteil an. „Es schadet der Politik nicht, mehr Rationalität als Emotionalität einzusetzen“, sagt er.

Zwar gehört für ihn – auch innerparteilich – Uneinigkeit zur demokratischen Willensbildung. Am stets erneut aufflammenden Streit „seiner“ Regierungskoalition wolle er sich aber nicht beteiligen, ebenso wenig am ständigen Poltern, wie es einige seiner erfahreneren Politikerkollegen gerne medienwirksam pflegen. „Wenn ich mit einer Botschaft nach draußen gehe, muss die gut durchdacht sein“, sagt Schmidt.

Student, Musiker, Naturfreund

In seiner Freizeit spielt er in der christlichen Band Peacemaker in Forchheim, engagiert sich in seiner heimischen Kirchengemeinde, geht gerne und viel in die Natur. Politische Beobachter könnte das rationale und selbstsichere Auftreten des 27-Jährigen an einen jungen Uwe Kirschstein erinnern, Forchheims SPD-Oberbürgermeister. 

Helmut Schmidt und Willy Brandt: Keine Heldenverehrung

Richard Schmidts Blick schweift während des Interviews immer wieder über die Wände des Büros, dort zeugen Porträts etwa von Willy Brandt und Helmut Schmidt vom Glanz alter SPD-Tage.

Große Vorbilder, sicher. Aber ziert Richard Schmidts berühmter Namensvetter auch eine Wand in seiner Wohnung in Hausen? „Nein, mit Heldenverehrung habe ich es nicht so.“

Schmidt lacht. Kurz. Überlegt. Wird wieder ernst.

Zumal die SPD heute, damit meint er sich und seine Politik-Generation, viel zu korrigieren habe, was die Genossen in den frühen 2000er Jahren auf den Weg gebracht hatten. Als dann der „Schulz-Zug“ anlässlich der Spitzenkandidatur Martin Schulz’ zur Bundestagswahl 2017 durch Deutschland rollte, wurde es Schmidt zu viel.

Der eingeschlagene Kurs gefiel ihm nicht, dabei war ihm schon damals klar, dass die SPD die einzige Partei sei, die für ihn Frage komme. Ergo trat er der SPD bei, wurde überdies Jungsozialer. Getreu dem Motto: Rein ins System, von innen aufmischen.

Hat Schmidt Außenseiterchancen?

Für Schmidt ist es bereits die zweite Landtagswahl. 2018 war er jedoch noch nicht als Direktkandidat gesetzt (damals war es Atila Karabag), sammelte aber auch über die Liste schon einige Stimmen.

Aktivposten für faire Arbeit und Bildung

Und Selbstbewusstsein. Sollte er ab Herbst tatsächlich in den Landtag einziehen – er selbst bescheinigt sich immerhin „Außenseiterchancen“ – möchte er sich vor allem um gute Arbeit (faire Löhne, gesunde Wirtschaft, nachhaltige Strategien) und bessere Bildung kümmern.

Letztere solle laut Schmidt bestenfalls kostenlos angeboten werden – und zwar von der Kita bis zur Rente. „Der Arbeitsmarkt wird sich wandeln, alleine durch die Digitalisierung. Wir müssen klären, wie wir alle Beschäftigte in diese neue Arbeitswelt transferieren.“

Zu tun gebe es seiner Meinung nach in Bayern genug, viele Problemen lägen seit Jahren ungelöst auf dem Tablett; geförderter Wohnungsbau zum Beispiel, ebenso bezahlbare Energie, bezahlbare Mobilität der Zukunft. Auch grundsätzlich fände Schmidt einen Regierungswechsel überfällig.

„Zu lange am Stück tut keiner Regierung gut“, sagt er. Passend dazu trägt das Wahlprogramm der SPD heuer offiziell den Titel „Regierungsprogramm“.

Richard Schmidt: Kostenlose Bildung – von der Kita bis zur Rente.Forchheim & Fränkische Schweiz
Richard Schmidt: Kostenlose Bildung – von der Kita bis zur Rente. // Stephan Großmann

Wie wird SPD in Bayern bei der Wahl abschneiden?

Doch Schmidt räumt ein, dass er eine Koalitionsbeteiligung für unwahrscheinlich halte. Da kommt wohl der angewandte Mathematiker in ihm durch, jüngste Umfragen ordnen seine Partei auf Landesebene bei gerade einmal neun bis elf Prozent ein – allenfalls Platz fünf im Parteienrennen hinter CSU, Grünen, AfD und Freien Wählern.

Für eine kleine Groko (CSU und SPD) würde es damit rechnerisch theoretisch zwar reichen. Käme für Schmidt aber nicht in Frage. „Als starke Opposition können wir in Bayern Gutes leisten.“

Er wäre bereit dazu, trotz seiner geringen Chancen, will den Kopf nicht in den Sand stecken, selbstbewusst auftreten. Und selbst wenn es in diesem Jahr nicht klappen sollte; Richard Schmidt hat sein politisches Leben noch vor sich.

Steckbrief Richard Schmidt (SPD)

Name: Richard Schmidt

Alter: 27

Geburtsort: Forchheim

Partei: SPD

Beruf: Student (Master Angewandte Mathematik und Physik)

Politische Ämter: Studentisches Mitglied im Verwaltungsrat des Studierendenwerk Erlangen-Nürnberg

Sonstige Posten: Beisitzer im SPD Unterbezirksvorstand Bamberg-Forchheim, Beisitzer im SPD Kreisvorstand Forchheim, Mitgliederbeauftragter der SPD Hausen

Online: schmidt-spd.de

 

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