Mehr als eine Million Menschen sind in diesem Jahr bislang aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Ihre Unterbringung bringt viele Gemeinden ans Limit. Wie ist die Lage und Flüchtlingssituation im Landkreis Forchheim?
Kaum sind die seit Februar geflohenen Ukrainer halbwegs auf Quartiere verteilt, quellen in Bayern die Ankerzentren für die Erstaufnahme mit Menschen aus Afghanistan und Syrien über. Wehrfähige Russen, die sich vor der Mobilmachung im eigenen Land in Sicherheit bringen, schlagen bislang nicht scharenweise im Landkreis Forchheim auf.
Turnhallen sind eine Option
„Wir werden sehen, welche Herausforderungen noch auf uns zukommen, und dann werden wir kurzfristig die notwendigen Entscheidungen treffen“, sagt Frithjof Dier vom Fachbereich für soziale Angelegenheiten am Landratsamt Forchheim.
Zu diesen Entscheidungen könne gehören, dass Turnhallen wieder für Geflüchtete Vorrang haben. Die Unterbringung im Kreis Forchheim sei aus heutiger Sicht jedoch in den zur Verfügung stehenden Unterkünften gesichert. Frithjof Dier erläuterte in der Kreisausschusssitzung in Forchheim die Situation.
58 Unterkünfte gemietet
Auch wenn die ersten Stimmen vor einem neuen 2015 warnen, ist laut Landratsamt die Flüchtlingssituation in der Region längst nicht so akut. Im Kreis Forchheim konnten für die Unterbringung der Flüchtlinge insgesamt 58 Unterkünfte gemietet werden.
1200 Geflüchtete leben im Landkreis, davon ein Viertel Ukrainer
„Die Bereitschaft bei den Vermietern, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen, ist sehr groß“, berichtete Dier. In diesen Unterkünften sind 1200 Flüchtlinge untergebracht. Davon stellen ukrainische Staatsbürger rund ein Viertel. Viele sind bei Verwandten und Bekannten untergekommen und werden in der Statistik nicht aufgeführt.
Die weiteren Geflüchteten kommen aus Afghanistan oder sind schutzsuchende Syrer, die aus Lagern in der Türkei oder Ägypten kommen.
Aus dem Ankerzentrum Bamberg
180 freie Unterkunftsplätze stehen für Flüchtlinge noch zur Verfügung. Zugewiesen werden an den Landkreis im November noch 75 Flüchtlinge, und im Dezember werden aus dem Ankerzentrum Bamberg nochmals 60 Personen erwartet, die auf dezentrale Unterkünfte im Landkreis Forchheim verteilt werden sollen.
Der Wunsch von Flüchtlingen, in der Stadt Forchheim zu bleiben, könne aus Kapazitätsgründen nicht immer erfüllt werden. Probleme gebe es im Moment ebenfalls bei der Bearbeitung vor allem im Sozialamt, vorwiegend wegen Erkrankung von Mitarbeitern.
2023 werden mehr Flüchtlinge erwartet
Für das zu Ende gehende Jahr 2022 sieht die Verwaltung die Lage etwas entspannter. Noch – denn für 2023 erwarte man eine wesentlich höhere Flüchtlingszahl, so Dier.
Im Landkreis Forchheim werden daher nach wie vor dringend mehr private Wohnungen für Geflüchtete gebraucht, vor allem für anerkannte Flüchtlinge, die sich eigentlich eine eigene Wohnung suchen sollten, aber keine finden, zumindest keine bezahlbare.
Dies alles bringe die Beschäftigten der Verwaltung an ihre Grenzen. Bürger könnten dies daran spüren, dass sie viel länger auf Genehmigungen, Ausweise oder Termine warten müssten. Doch mehr Personal ist nicht in Sicht. So sind Überstunden sowie Aushilfen aus anderen Abteilungen in den Behörden an der Tagesordnung.
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