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Lokalhistorie
Wie Rüssenbach zu seinem Namen kam
Bach und Straße teilten sich lange Zeit den Weg durch Rüssenbach (aus: 50 Jahre Kirche Rüssenbach 5. Mai 1946 - 5. Mai 1996).Forchheim & Fränkische Schweiz
Bach und Straße teilten sich lange Zeit den Weg durch Rüssenbach (aus: 50 Jahre Kirche Rüssenbach 5. Mai 1946 - 5. Mai 1996). // Repro: Franze
Das neue Ortszentrum von Rüssenbach wartet nach der Dorferneuerung mit Backofen, Brunnen und Wegkreuz auf.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das neue Ortszentrum von Rüssenbach wartet nach der Dorferneuerung mit Backofen, Brunnen und Wegkreuz auf. // Franze
Heute sind Bach und Straße baulich voneinander getrennt.Forchheim & Fränkische Schweiz
Heute sind Bach und Straße baulich voneinander getrennt. // Manfred Franze
Auf dem Hügel, an dem jetzt eine Scheune steht, befand sich ursprünglich der Wohn- und Wehrturm derer von Rüssenbach.Forchheim & Fränkische Schweiz
Auf dem Hügel, an dem jetzt eine Scheune steht, befand sich ursprünglich der Wohn- und Wehrturm derer von Rüssenbach. // Franze
Signet des Fränkischen Tags von Manfred Franze
Ebermannstadt – Die Geschichte von Rüssenbach ist ebenso interessant wie der Bach, dem das Dorf seinen Namen zu verdanken hat. Der Spottname „Stegflicker“ für die Einwohner hat ebenfalls mit diesem Gewässer zu tun.

Rüssenbach ist seit 1971 ein Ortsteil von Ebermannstadt. Kommt man von Forchheim, sind von der Bundesstraße 470 aus die ersten Häuser zu sehen, aber nicht der Bach, der dem Dorf den Namen und das Gepräge gab.

Heute heißt er in neueren Karten Neuseser Bach, bleibt aber im Sprachgebrauch der Mühlbach, der sich aus dem Neuseser Krebsbach und dem Niedermirsberger Fischbach zusammensetzt.

Ursprünglich war der Bach mit dem Namen eines Edelfreien verbunden, der am nördlichen Dorfausgang nach Neuses seinen Ansitz hatte: Ruoz. Er taucht erstmals in einer Urkunde von 1069 auf. Sprachgeschichtlich entwickelt er sich von „Ruosenbach“ über „Rosembach“ und „Rusenbach“ hin zu „Rüsennbach“ (1486) bis zum heutigen „Rüssenbach“ (erstmals 1751). Der Ortsname geht also zurück auf den Bach, an dem sich rechts und links Siedler niederließen, und einem „Ruoz“, der hier vermutlich den Stammsitz derer von Rüssenbach errichtete.

Im Bauernkrieg abgebrannt

1580 starb die Dienstmannenfamilie aus, Reste ihrer 1430 im Hussitenkrieg zerstörten und dann 1525 im Bauernkrieg abgebrannten Wasserburg lassen sich aber noch erkennen. Dort, wo heute am nördlichen Dorfausgang in einer Talmulde etwas erhöht eine Scheune steht, stand ursprünglich die als Wohn- und Wehrturm erbaute Burg. Nach dem Burgenforscher Kunstmann betrug der Durchmesser der Anlage 40 Meter und war „mit einem Ringgraben mit Außenwall umzogen.“ In der Fränkischen Schweiz mit ihren vielen Höhenburgen ist der Rüssenbacher „Turmhügel“ sicher eine besondere Erscheinung.

Bach wird wiederholt umbenannt

Nicht nur das! Auch der wiederholt umbenannte Rüssenbach, Fischbach, Mühlbach und jetzt Neuseser Bach ist historisch von Bedeutung. Er bildete die Grenze zwischen den fürstbischöflichen Zentämtern (Gerichts- und Steuerbezirken) Forchheim und Ebermannstadt und teilte zudem die Gläubigen auf die Pfarrei Pretzfeld und die Kuratie Niedermirsberg auf.

Das führte dazu, dass die beiden Dorfhälften zu unterschiedlichen Zeiten Kirchweihen feierten. Geändert hat sich das erst, als Rüssenbach im Mai 1946 ein eigenes Gotteshaus einweihte, es dem heiligen Konrad von Parzham widmete und seitdem immer am zweiten Sonntag in Mai Kirchweih feiert.

Sitte der Totenbretter

In gewisser Weise ist der Bach auch schuld am Spottnamen für die Rüssenbacher: Stegflicker. Die eine Version meint – was aber historisch nicht zu belegen ist –, nach dem Dreißigjährigen Krieg sei nach der Ausrottung der „seßhaften Bevölkerung“ in Rüssenbach ein „fremder Menschenschlag“ angesiedelt worden, der noch bis 1900 seine „uralte Sitte der Totenbretter“ beibehalten habe. Mit ihnen hätten sie im Ort die „schadhaften Stege“ geflickt, über die sie zu ihren Anwesen gelangten.

Nach Erich Arneth – und das ist die andere Version – ging früher das „Wässerlein, dünn wie eine Heringsseele“, an einigen Stellen auseinander „wie ein Laderer Pletsch“. Das habe Brücken und Stege nötig gemacht. Sie seien gerechterweise von beiden Dorfseiten in Schuss gehalten, aber nie generalsaniert worden. „Man nagelte ein Brett auf das andere, und davon wurden die Stege bucklig und krumm und trugen Schuld an manchem Stolperer, davon die Spätheimkehrer nach Feierabend ein Liedlein zu singen wußten.“

Von diesen holprigen Stegen ist heute nichts mehr übrig geblieben. Der Neuseser Bach fließt nach der Dorferneuerung (2008-2013) gebändigt und ordentlich durch den Ort, hat ein festes Geländer und sichere Zufahrten. Die 380 Einwohner haben sich mit eigener Kirche, einem Gemeinschaftshaus, eigener Feuerwehr und eifrig genutztem Backofen in der Dorfmitte wohlig eingerichtet. Ihren Necknamen haben sie selbstbewusst auf ihre Kindergruppe übertragen und rufen sie „Stegflickerla“.

Illusion eines Tunnels

Aufregung verursachte 2014 nur eine Idee des Staatlichen Straßenbauamts Bamberg. Als einzige Möglichkeit, den Durchgangsverkehr aus Ebermannstadt durch eine Ortsumgehung herauszunehmen, schlug man einen Tunnel unter dem Feuerstein vor. Seinen Eingang hätte er zwischen Rüssenbach und der Stadt. Bei Kosten von damals 89,9 Millionen Euro und heftigen Protesten bleibt dieser Plan als Illusion in der Schublade der Behörde.

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