Im Landkreis Forchheim gibt es einige Initiativen, welche die Haushalte vor Ort mit dezentral erzeugter Wärme versorgen. Seien es zum Beispiel Biogasanlagen wie in Hiltpoltstein und Willersdorf oder sogenannte Hackschnitzelwerke wie in Ebermannstadt, Forchheim-Nord, Gräfenberg und Hallersdorf. Diese Nahwärmenetze schaffen zwar noch keine Autarkie für den Landkreis, leisten aber einen wichtigen Beitrag (warum, lesen Sie hier).
Weg der Wärme am Beispiel Naturstrom
Das Werk in Hallerndorf wird seit seit 2016 von der Naturstrom AG aus Eggolsheim betrieben. Exemplarisch an dieser Anlage soll hier einmal grob der Weg der Wärme von der Fichte im Wald bis Heizkörper aufgezeigt werden.
1. Holz aus der Region
Wie Betriebsleiterin Rebecca Schneider erklärt, kaufen sie sogenannte Stammware aus der Region. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Käferholz, welches für die qualitative Verarbeitung etwa zu Brettern oft nicht gut zu verwenden ist.
2. Naturstrom häckselt selbst
In der Wintersaison kommt alle sieben bis zehn Tag ein Häcksler auf das Gelände. Dieser schafft in der Regel zwischen 150 und 250 Kubikmeter Holz pro Einsatz.
3. Silo lagert Holzschnitzel
In dem hauseigenen Silo verschwinden die 250 Kubikmeter Holzstückchen und warten auf ihre Verwendung. Bei Bedarf landen sie automatisch in einem der vier Kessel im inneren der Anlage. Aber dazu später mehr.
4. Solarthermie übernimmt im Sommer
Die Solarthermie in Hallerndorf ist mit 1304 Quadratmetern die bayernweit bislang größte Anlage in Verbindung mit einem Hackschnitzelwerk. Rebecca Schneider: „Sie läuft geräuscharm und beinahe wartungsfrei. Außerdem erlaubt sie uns, in den warmen Monaten beinahe ganz auf das Verbrennen der Biomasse verzichten zu können.“ Insgesamt beträgt der solare Deckungsanteil in Hallerndorf etwa 25 Prozent des gesamten Warmwasser- und Heizbedarfs.
5. Riesiger Pufferspeicher
In den Panels zirkuliert frostschutzfreies Wasser, erklärt Schneider. Das erwärmt sich durch die Sonne und kann direkt eingespeist werden. In Verbindung mit dem 85.000 Liter Wasser (etwa 475 Badewannen) fassenden Pufferspeicher muss in den Sommermonaten keine Biomasse verbraucht werden. Denn in dem Pufferspeicher kann die Wärme der Solarthermieanlage zwischengespeichert und bereitgestellt werden, auch wenn gerade keine Sonne scheint.
6. Vier Heizkessel
Insgesamt stehen vier Heizkessel zur Verfügung, die bei Bedarf nacheinander geschaltet werden können. Zwei mit je 145 Kilowatt Leistung, einer mit 300 KW und einer mit 550 KW. Je nach Wärmebedarf werden die Kessel hinzugeschaltet.
Dadurch soll sichergestellt werden, dass weder zu viel noch zu wenig Wärme vorhanden ist und Wärmemengenverluste gering bleiben.
7. Wartungsarm
Die gesamte Anlage läuft elektronisch gesteuert und relativ wartungsarm. Neben Betriebsleiterin Rebecca Schneider gibt es noch zwei Heizwärter auf 450 Euro-Basis, die sich um die Anlage kümmern.
8. Haushalte profitieren
In Hallerndorf sind derzeit mehr als 100 Haushalte angeschlossen, darunter das Rathaus, die Schule, die Turnhalle und die Feuerwehr. Etwa sechs Kilometer lang ist das Nahwärmenetz bereits. Laut Schneider seien aber bereits 30 weitere Verträge unterzeichnet – das Netz wächst also.
Lesen Sie auch:


















