Ein bisschen stolz ist sie schon. Rebecca Schneider führt vorbei an den großen Heizkesseln und dem haushohen Pufferspeicher, der mehr als 1300 Quadratmeter großen Solarthermie im Außenbereich sowie dem enormen Lager für die Hackschnitzel. Die 33-Jährige ist Betriebsleiterin der von der Naturstrom AG betriebenen Anlage, die aktuell mehr als 100 Haushalte in Hallerndorf mit Wärme versorgt.
Rundgang durch die Hallerndorfer Energiezentrale
Der Rundgang durch die Energiezentrale des Nahwärmenetzes am Ortsrand wirkt imposant, modern, nachhaltig. Das Gute: Solche Projekte zur regionalen Energiegewinnung gibt es in der Region viele. Nur reicht das, um die Landkreisbürger langfristig unabhängig von fossilen Stoffen wie Gas oder Öl zu machen?
„Auf Biomasse setzende Nahwärmenetze sind die Zukunft für den ländlichen Raum“, sagt Rebecca Schneider. Vor allem in Verbindung mit einer Solarthermie wie in Hallerndorf arbeite die Anlage so effektiv wie möglich.
Im Winter landen je nach Witterung pro Monat etwa 750 Kubikmeter Hackschnitzel aus regionalem Holz in den Heizkesseln, im Sommer sorgt die Solarthermie in Verbindung mit dem 85.000 Liter fassenden Pufferspeicher dafür, dass kaum bis keine Biomasse verbraucht wird.
230.000 Liter Öl pro Jahr gespart
Seit 2016 läuft die Anlage, neben Privathaushalten versorgt sie unter anderem das Hallerndorfer Rathaus, die Schule und die Turnhalle mit Energie. Drei Millionen Kilowattstunden, Jahr für Jahr. Laut Schneider können somit jährlich etwa 230.000 Öl gespart werden.
Klimaschutzmanager: Landkreis Forchheim gut aufgestellt
„Forchheim ist im Vergleich zu anderen Landkreisen in der Region stark aufgestellt, was die Versorgung über Nahwärmenetze betrifft“, sagt Dominik Bigge. Er ist Klimaschutzmanager am Landratsamt und hat die Energiewende vor Ort im Blick.
Seien es andere Hackschnitzelwerke wie etwa in Ebermannstadt, Forchheim-Nord und Gräfenberg oder Biogasanlagen wie in Hiltpoltstein und Willersdorf. Dort bei der Genossenschaft „BioEnergieDorfWillersdorf“ produzieren Blockheizkraftwerke Strom aus hiesigen Biogasanlagen, die Abwärme fließt ins dorfeigene Nahwärmenetz.
Spielen noch große Rolle: Erdöl und Erdgas
„Da wir sehr ländlich geprägt sind, haben wir den Vorteil, Biomasseträger wie Holz oder Feldfrüchte nutzen zu können“, sagt Bigge. „Aber Erdöl und Erdgas spielen noch die bedeutende Rolle. Wir brauchen uns nicht in die Tasche zu lügen.“
So spiele etwa in den dichter besiedelten Innenstädten Forchheims, Ebermannstadts und Neunkirchens sowie in den Neubaugebieten vor allem Erdgas noch eine große Rolle. Hinzu kämen viele, meist ältere Häuser mit Ölheizungen und verhältnismäßig schlechten Dämmungen. Auch klassische Holzheizungen sind nicht selten, vor allem rund um die vielen Waldgebiete.
Was tun, wenn russisches Gas ausbleibt?
Was nun, wenn der Super-GAU passierte; wenn Deutschland zum Beispiel plötzlich kein Gas mehr aus Russland importieren dürfe? Oder wolle?
Nach Darstellung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) würde die Bundesrepublik schon im laufenden Jahr ohne russisches Erdgas auskommen. Dafür müssten aber viel Energie eingespart und die Gaslieferungen aus anderen Ländern so weit wie technisch möglich ausgeweitet werden.
Großes Interesse, kaum Kapazitäten
Aber. Wenn. Vielleicht. Zum Glück hätten viele den Ernst der Lage längst erkannt, so Bigge. Bei den Energieberatern und Handwerksbetrieben im Landkreis glühen seit Jahren die Drähte, weil Hausbesitzer ihre alten Heizsysteme umrüsten wollen.
Auch am politischen und gesellschaftlichen Willen mangelt es im Prinzip nicht. Immer mehr Kommunen wollen Nahwärmenetze installieren. Doch genau darin liege ein Teil des Problems: Handwerker sind überlastet, Material ist knapp, Umbauten verzögern sich.
Dabei ist der Energiebedarf groß. Laut einer Berechnung der Stadtwerke Forchheim beträgt die jährliche Wärmemenge der Kreisstadt etwa 450 Gigawattstunden, 800 GW im Landkreis insgesamt. Zur Veranschaulichung, das ist in Kilowatt gerechnet eine Acht mit acht Nullen. Ein Horrorsznenario wolle Bigge keinesfalls eröffnen. Aber: „Wir sind noch lange nicht autark. Auf absehbare Zeit können wir das auch nicht werden.“
Zurück nach Hallerndorf. Rebecca Schneider beendet die Führung durch das Werk mit einem Blick auf einen Bildschirm an der Wand, die Schalttafel. Sie nickt zufrieden. An diesem Tag scheint die Sonne, die Kessel können kalt bleiben. Und trotzdem fließt fast 80 Grad Celsius heißes Wasser durch die Rohre in Richtung Wohngebiet. Ohne auch nur ein Tröpfchen Öl oder einen Hauch von Gas zu verbrennen.
Energiewende zu Hause: Drei Alternativen zur Ölheizung
Wie die Energieberaterin des Landkreises Forchheim, Christine Galster, vorrechnet, fallen alleine auf Warmwasser und Heizung etwa 80 Prozent des Energiebedarfs. Viele Haushalte in der Region heizen noch mit Öl oder Gas, dabei gebe es gute Alternativen.
1. Nahwärmenetz
Wenn es am Wohnort die Möglichkeit gibt, sich einem Nahwärmenetz anzuschließen, empfiehlt Galster das ausdrücklich. Man benötig kein eigenes, neues Heizsystem, sondern könne sich einfach anschließen lassen. Zudem würde die Kosten mit bis zu 45 Prozent gefördert, wenn gleichzeitig etwa eine Ölheizung ausgetauscht wird.
2. Holzpellets
Wer in einem älterem, weitgehend nicht energetisch saniertem Gebäude wohnt, können über Holzpellets nachdenken. So könnte aus dem Raum für den Ölkessel etwa das Pelletlager werden.
3. Wärmepumpe
In neueren Häusern oder welchen mit niedrigen Vorlauftemperaturen (z.B. Fußbodenheizung) macht eine Wärmepumpe Sinn. Auch die würden mit bis zu 45 Prozent gefördert, brauchten relativ wenig Platz und können sehr effektiv sein. Vorab sollte aber eine sogenannte Heizlastprüfung vorgelegt werden.
Informationen und Beratungsangebote gibt es auf der Internetseite des Landratsamtes.
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