Gutes Wetter und gute Laune herrschten bei der traditionellen Exkursion durch den Forchheimer Stadtwald auf der sogenannten Burker Ebene, die alljährlich kurz vor der Eröffnung der Kellerwaldsaison stattfindet. Die Burker Ebene, das riesige Waldgebiet mit seinen 13 Kreuzwegstationen, liegt oberhalb des Forchheimer Stadtteils Burk. Sie beginnt am oberen Waldparkplatz der Straße „Am Weingartsteig“ und ist grüne Lunge Forchheims und ein Naherholungsgebiet mit zahlreichen Wanderwegen. Die große Frage während der Exkursion, an der Stadträte und Mitarbeiter der Stadt teilnahmen, war: Wie geht es dem Wald?
29-jähriger Forstwirt
Der 29-jährige Forstwirt Leonhard Hümmer aus Viereth-Trunstadt bei Bamberg ist seit 17. Oktober der neue Amtsleiter der Stadtförsterei, im Volksmund auch Stadtförster genannt. Hümmer ist Nachfolger von Stefan Distler, den er zunächst krankeitsbedingt vertreten hatte und der nun im Ruhestand ist.
Seit August 2019 ist der Neue, der sein halbes Leben schon im Wald verbracht hat und der auch selbst Waldbesitzer ist, in Diensten der Stadt, damals noch als Vorarbeiter. Es ist seine erste Exkursion im Stadtwald, die er mit Unterstützung von Betriebsleiter Hansgeorg Preidt vorbereitet hat.
Die Forstexperten stehen den Exkursionsteilnehmern Rede und Antwort. Bei der ersten Station sieht es trostlos aus. Hier mussten 150 Festmeter Schadholz aus dem Wald herausgenommen werde. Die Fichten konnten sich wegen der Trockenheit nicht mehr gegen den Buchdrucker wehren. So heißt der gefräßige Borkenkäfer, der in großer Zahl den Fichten den Garaus machte. „Wenn 100 Borkenkäfer eine große Fichte befallen, dann ist sie in kurzer Zeit tot“, erklärt Hümmer. Die Förster müssen dann umgehend handeln und alle befallenen Fichten aus dem Wald schaffen, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings möglichst zu verhindern.
Fichten, die vor 80 Jahren als schnell wachsende Monokulturen gepflanzt wurden, sind heute wegen des Klimawandels keine zeitgemäßen Bäume mehr in hiesigen Wäldern. Denn Fichten sind Flachwurzler. Wenn es länger nicht regnet, bekommt der Baum kein Wasser mehr und ist dann anfällig für den Borkenkäfer. Deshalb werden jetzt klimaresistentere Baumarten gepflanzt. Das Gebiet, wo einst die schadhaften Fichten standen, wurde eingezäunt, damit man dort kleine Atlaszedern pflanzen konnte, eine Baumart, die auch mit Trockenheit gut zurechtkommt und dennoch relativ schnell wächst.
Viel Regen für junge Pflanzen
„Gott sei Dank“, sagt Hümmer, „hat es in letzter Zeit sehr viel geregnet, weshalb sich die kleinen Pflänzchen prächtig entwickelt haben.“ Für die Förster ist ein neuer Mischwald erstrebenswert. Sie setzen auch auf die natürliche Baumvermehrung, nicht nur auf Neupflanzungen. Der Zaun muss wegen des Wildverbisses der Jungpflanzen sein, darf aber höchstens fünf bis acht Jahre stehen bleiben.
Bei der nächsten Station ist ein Harvester gerade mit der „Baumernte“ beschäftigt. Hier müssen zu eng stehende Bäume aus dem Wald entnommen werden, damit andere besser wachsen können. „Denn die Krone eines Baumes ist wie der Motor eines Autos“, erklärt Hümmer. Es ist ein kleiner Harvester mit 210 PS, um keinen Schaden im Wald anzurichten. So ein Harvester ersetzt sieben Forstwirte und kostet neu 800.000 Euro. Geerntet wird hier Brennholz, das es ab der Waldstraße für 40 Euro pro Ster gibt.
Auf Sandstandorten ließ Hümmer auch die Baumhasel pflanzen. Diese Baumart bietet Früchte für Eichhörnchen und Vögel. „Das ist mir ganz wichtig“, sagt der Stadtförster, der in 35 Jahren den gesamten 630 Hektar großen Stadtwald in einen Mischwald umgebaut haben will. Dann hat er noch zwei Jahre bis zu seiner Pensionierung. „Ich hoffe, dass ich die nächsten 37 Jahre hier verbringen kann“, sagt der Forstwirt.
Sein oberster Chef ist der Oberbürgermeister. Laut OB Uwe Kirschstein (SPD) setze man mit dem Holzverkauf aus dem Stadtwald etwa 200.000 Euro im Jahr um. Ein gewinnbringender Betrieb sei das nicht.
Bergahorn verjüngt sich von alleine
An der nächsten Station befindet sich ein etwa 65 Jahre alter Laubbaumbestand aus Buche, Roteiche und Eiche. Der Bergahorn verjüngt sich hier von alleine. Große Bäume müssen hier entnommen werden, damit junge nachkommen können. Das machen Selbstwerber, die dann 28 Euro für den Ster Hartholz bezahlen müssen. Laut Förster Hümmer ist hier der Brennholzbestand langfristig gesichert. In 20 Jahren kommen 165 Raummeter heraus.
Vorletzte Station ist ein ehemaliger und inzwischen zugewachsener Steinbruch. Dieser soll renaturiert werden, um die Biodiversität zu fördern. Nachdem die Bäume gefällt sind, soll ein neuer Auszubildender, der im Herbst kommt, mit den Aufräumarbeiten beginnen. „Der Wald muss hier zur Steigerung der Artenvielfalt weichen“, erläutert Hümmer. Denn so ein alter Steinbruch sei ein idealer Lebensraum für den Feuersalamander, den Apollofalter, Wildbienenarten oder den großen Abendsegler, eine Fledermausart.
Windräder, Jagd und Annafest
Windkraft Elisa Rittmeier, Klimaschutzbeauftragte der Stadt Forchheim, informiert auf der Exkursion, dass der Beauftragte des Planungsverbands Oberfranken-West derzeit prüfe, ob im Stadtwald ein Windpark entstehen kann. In der Unteren Mark, die sich auch in die Gemeindegebiete von Hallerndorf, Heroldsbach und Hausen erstreckt, stünde grundsätzlich ein 400 Hektar großes Gebiet zur Verfügung, auf dem man vier bis fünf Windkraftanlagen bauen könnte. Bisher ist das noch kein Vorranggebiet, sondern ein Prüfgebiet, das von der Stadtverwaltung untersucht wurde. Wie Kirschstein erklärt, habe man sich mit den Nachbargemeinden bereits zusammengetan. Windräder könnten heute auch mitten im Wald errichtet werden, da die Rotorblätter über die Baumwipfel hinausragen. Für das Fundament eines Windrads würden etwa 100 Quadratmeter benötigt. CSU-Stadtrat Holger Lehnard zeigt sich jedoch verwundert: „Ich dachte, dieses Gebiet ist als besonders wertvoll und sehr schützenswert eingestuft.“
Jagd Alle Hochsitze im Stadtwald sind kartiert. Stadtförster Leonhard Hümmer erklärt die neue Jagdstrategie der Stadt. Nachdem der Pachtvertrag mit dem Jagdpächter kürzlich ausgelaufen ist, habe man sich für sogenannte Begehungsscheine entschieden, die interessierten Jägern jedes Jahr neu ausgestellt werden. Aktuell sind es fünf Pirschbezirksinhaber, die im Stadtwald jagen. Sie müssen jährlich drei Stück Rehwild erlegen. Wildschweine, die es im Stadtwald auch gibt, fallen nicht unter diese Regelung.
Kellerwald Zur letzten Station ging es ans andere Ende der Stadt, in den Kellerwald. Hier ist die Kellerwaldsicherung vor dem Annafest in vollem Gange. Alle circa 3200 Bäume sind nummeriert und werden von einer Firma vor dem Annafest noch auf ihre Sicherheit hin kontrolliert. Dann werden die Maßnahmen bestimmt, die durchgeführt werden müssen, vom Baumschnitt über eventuelle Kronensicherungen bis hin zu im seltenen Fall einer Fällung des Baumes.
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