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Versuch in der Fränkischen
Kann man unter Solaranlagen Kirschen anbauen?
PV Anlage über Kirschbäumen Obstinformationszentrum Fränkische SchweizForchheim & Fränkische Schweiz
Mit einer PV-Anlage Strom erzeugen, während darunter die Kirschen wachsen? Wie das funktionieren kann, testet das Obstinformationszentrum in der Fränkischen Schweiz. // Illustration: Maximilian Arnold
Hiltpoltstein – Kirschbäume vor Extremwetter schützen und gleichzeitig Strom erzeugen – das ist Ziel eines Versuchs am Obstinformationszentrum Hiltpoltstein. Ein Projekt, das den Anbau in der Region verändern könnte.

Hitze, Trockenheit, Hagel und Starkregen – all das macht den Kirschanbauern in der Fränkischen Schweiz zu schaffen. Durch die Klimakrise nehmen derartige Extremwetterereignisse zu und führen zu erschwerten Bedingungen beim Anbau von Obst und Gemüse. Aus diesem Grund wird schon jetzt – neben Maßnahmen zum Klimaschutz – das Thema Anpassung an die neuen Gegebenheiten immer wichtiger. Ein Projekt des Obstinformationszentrums Hiltpoltstein will beides miteinander vereinen. 

Die Idee ist simpel und kompliziert zugleich: Anstatt eine Photovoltaikanlage auf der freien Wiese zu errichten, soll diese einfach über die Obstbäume gestellt werden. Dadurch erzeugt die Anlage nicht nur Strom, sondern schützt die Bäume auch vor Hagel und anderen Extremwetterereignissen. Ob das funktioniert, wie die Früchte noch genügend Licht bekommen und wie die Bewässerung gelöst werden kann, soll in einem groß angelegten Versuch getestet werden. 

Obstinformationszentrum: 300 m² Photovoltaik-Fläche entsteht

Knapp 300 Quadratmeter PV-Fläche sind laut Jonas Maußner, Betriebsleiter des Obstinformationszentrums, geplant. Darunter sollen sechs Reihen Süßkirschen mit je zwölf Metern gepflanzt werden. Zudem sind drei Reihen im Freien zur Kontrolle und zum Vergleichen geplant.

Bei der PV-Anlage werde mit zwei verschiedenen Modulplatten gearbeitet, die unterschiedlich viel Licht durchlassen, erklärt Maußner. So könne man beobachten, wie sich der Baum und die Früchte jeweils verhalten. Ziel sei, herauszufinden, an welchem Punkt der Stromertrag noch gut sei, aber auch die Früchte richtig reif werden. 

Kirschbaum Fränkische SchweizForchheim & Fränkische Schweiz
Auch mit PV-Dach obendrüber sollen die Kirschen natürlich weiterhin so lecker aussehen. // Ronald Rinklef

„Im Süßkirschenbereich gibt es noch keine verlässlichen Werte“, sagt Maußner. Deshalb wolle man mit dem Versuch Referenzwerte für die Region schaffen und Baumwachstum, Fruchtqualität und Stromertrag genau messen. Dieses Wissen kann später von anderen Obstbauern in der Praxis genutzt werden. 

Überdachung mit PV bringt finanzielle Vorteile

Überdachungen, um die Früchte vor Starkregen zu schützen und ein Aufplatzen der Früchte zu verhindern, seien an sich nichts Neues im Obstanbau, erklärt Maußner. In der Region seien die Konstruktionen wegen der hohen Kosten allerdings nicht so verbreitet. Bei einer Überdachung der Bäume mit Photovoltaik könnte das anders aussehen, da der Strom auch finanzielle Vorteile bringe. 

Thomas Gebhardt von „Südhangobst“ in Igensdorf beobachtet Versuche wie diesen mit großem Interesse. Auf zwei Hektar baut er Obst, vor allem Kirschen, an. Bisher verzichtet er aus Kostengründen auf eine Überdachung. Als kleinerer Anbauer gehe er das Risiko ein, dass ein Teil seiner Kirschen Regen zum Opfer falle, erklärt Gebhardt. 

Bei der Frage, ob eine Photovoltaikanlage das Thema Überdachung attraktiver machen würde, wägt Gebhardt ab. „Ich habe vollen Südhang und hätte ein super Lage, was die Sonne angeht“, sagt er. Strom bis zu den Bäumen zu legen sei aber aufwendig, da der nächste Stromkasten gut zwei Kilometer entfernt sei. Auch das sei wieder eine Kostenfrage. Trotzdem ist er der Meinung: „Auch für Kleinerzeuger ist es durchaus interessant, das zu verfolgen.“

Wachstum der Bäume muss berücksichtigt werden

Gebhardt kann sich vorstellen, dass gerade Kirschen im Vergleich zu Äpfeln besser mit dem Lichtmangel durch das PV-Dach klarkommen könnten.  „Die Kirsche reift anders als der Apfel“, erklärt er. Ein Apfel brauche die direkte Sonneneinstrahlung für die rote Farbe. Bei Kirschen sei dagegen vor allem Wärme und gleichmäßiges Licht entscheidend. 

Als herausfordernd könnte sich aus seiner Sicht allerdings das unterschiedliche Wachstum von Apfel- und Kirschbäumen herausstellen. Apfelbäume würden meist in Reih und Glied und mit engeren Abständen gepflanzt. Kirschen würden dagegen oft mit mehr Abstand gepflanzt, da sie höher und breiter wachsen würden. „Wenn die Bäume natürlich 3,50 Meter hoch werden, wird es spannend“, überlegt Gebhardt. 

Maußner vom Obstinformationszentrum sieht darin kein Problem. Die Konstruktion sei so groß geplant, dass die Bäume um die 4,50 Meter hoch wachsen könnten. Grundsätzlich achte man im Erwerbsanbau aber sowieso auf eher niedrigere Bäume. Auch bei der Ernte der Kirschen sei die PV-Anlage kein Hindernis. Die fehlende Bewässerung, die durch das PV-Dach entsteht, wurde ebenfalls berücksichtigt. Das Regenwasser auf den PV-Modulen werde aufgefangen und für die Wasserversorgung der Bäume darunter eingesetzt, erklärt Maußner.  

80.000 Euro kostet die PV-Anlage für den Test

Die Agri-PV-Anlage – so wird eine PV-Anlage über einer landwirtschaftlichen Fläche bezeichnet – kostet rund 80.000 Euro. Ein Teil der Kosten, 12.000 Euro, wird durch den Klimafonds der Metropolregion gefördert, den Rest übernimmt voraussichtlich der Landkreis.  Das geht aus den Unterlagen des Ausschusses für Bauangelegenheiten des Landkreises Forchheim hervor.

Der erzeugte Strom soll direkt vom Obstinformationszentrum vor Ort genutzt werden. Das Versuchsprojekt startet voraussichtlich im Herbst dieses Jahres. Vorher muss allerdings noch am Dienstag, 20. Februar der Bauausschuss des Landkreises zustimmen. 


Update, 20. Februar, 16:45 Uhr

Beschluss im Ausschuss einstimmig angenommen

Das Versuchsprojekt mit der Agri-PV Anlage stieß im Ausschuss für Bauangelegenheiten auf großes Interesse. Das zeigte sich unter anderem an vielen Nachfragen zu den Details der Anlage und den Auswirkungen auf die Kirschen. Betriebsleiter Jonas Maußner und Klimaschutzmanager Dominik Bigge stellten das Projekt vor. Dem Beschlussvorschlag wurde einstimmig zugestimmt. Das Projekt geht nun in die Ausschreibung. 

Erste Erkenntnisse, wie sich die Jungbäume unter der Anlage entwickeln, wird es laut Maußner voraussichtlich nach rund drei Jahren geben. Was den Ertrag angeht, brauche man einen Durchschnittswert, deshalb seien Aussagen dazu erst nach rund acht bis zehn Jahren möglich. 

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