Auf einer Fläche von 3,2 Hektar, also mehr als vier Fußballfeldern, erstreckt sich am Ortsrand von Eschlipp ein Solarpark. Seit 2010 ist die Photovoltaik-Anlage der Stadtwerke Ebermannstadt bereits in Betrieb. Was PV-Anlagen wie diese für die Natur drumherum bedeuten, das ist bisher noch relativ wenig untersucht. Das wollte Cornelia Gliemann mit ihrer Masterarbeit ändern.
In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Klima und Geoökologie des Landratsamtes Forchheim hat sich die Studentin drei Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen im Hinblick auf Biodiversität genauer angeschaut. Von Mai bis September war Gliemann in den Solarparks unterwegs. „Ich bin die Reihen abgelaufen und habe die Pflanzen, die ich gesehen habe, bestimmt“, erzählt die Studentin aus Hausen. Anhand einer bestimmten Schätzmethode aus der Biologie habe sie den Pflanzenbestand anschließend bewertet.
Dabei ist genaues Hinschauen wichtig. Was für den oberflächlichen Laien aussieht wie „grüne Wiese“ birgt tatsächlich einiges an Vielfalt. Im Solarpark in Eschlipp hat Gliemann 147 verschiedene Pflanzenarten gefunden. Auch das ein oder andere Tier sei ihr begegnet, aufgrund ihrer Erfahrung im Studium habe sie sich aber auf Pflanzen fokussiert, erklärt die Studentin.
Mit der Zeit steigt die Artenvielfalt
Aufgrund ihres stolzen „Alters“ von 14 Jahren habe die Anlage in Eschlipp die größte Artenvielfalt zu bieten, berichtet Gliemann. „Wenn man es direkt vergleichen würde, kam bei mir heraus, dass Eschlipp die beste Biodiversität hat, gefolgt von Poxdorf und Forchheim. Was eben zum Teil auch dem Zeitfaktor geschuldet ist“, erklärt sie. Die Pflanzen würden eine Weile brauchen, um sich auszubreiten. Dementsprechend sei wenig überraschend, dass die Biodiversität im Solarpark Forchheim geringer ausfiel. Dieser wurde erst vor vier Jahren in Betrieb genommen.
Doch nicht nur der Faktor Zeit spiele eine Rolle. Auch die Umgebung und der Untergrund würden beeinflussen, welche Pflanzen in einem Solarpark wachsen. Eschlipp liege erhöht, die Anlage in Forchheim sei an der Autobahn, die in Poxdorf neben einer Bahnanlage. „Das sind komplett verschiedene Standorte“ so Gliemann. Das wirke sich nicht unbedingt negativ aus. Stattdessen würden je nach Standort andere Pflanzen wachsen.
Pflanzen breiten sich von außen im Solarpark aus
Auf Rat des Bund Naturschutzes hin habe man sich bewusst gegen das Säen von Pflanzen im Solarpark entschieden, erklärt Jürgen Fiedler, Geschäftsführer der Stadtwerke Ebermannstadt. Sonst bestehe die Gefahr, dass dort Pflanzen landen würden, die nicht dort hingehörten und den bestehenden Pflanzen den Platz wegnehmen würden.
Stattdessen soll die Begrünung lieber auf natürliche Weise entstehen. Dass das funktioniert, konnte Gliemann direkt beobachten. „Man hat gesehen, dass die Natur eindeutig von außen nach innen wandert, also von den Nebenflächen in die Anlage hineinwächst und sich natürlich verteilt und dass man eine ähnliche Vegetation vorfindet“, erklärt die Studentin.
Anlage und Pflege sollen Natur entgegenkommen
PV-Anlagen auf der freien Fläche müssen gewisse Standards erfüllen. Darin ist unter anderem festgeschrieben, in welchen Abständen die Reihen stehen dürfen oder, dass der Zaun außen herum Luft zum Boden braucht, damit kleinere Tiere darunter hindurchkommen. Auch beim Mähen werde auf die Natur geachtet, erklärt Fiedler.
Man dürfe nicht zu früh mähen, um den Pflanzen Zeit zu geben, ihre Samen auszustreuen. Außerdem dürften Wiesenbrüter nicht gestört werden. Auch das Mähen selbst kann noch naturnaher gestaltet werden. Im Solarpark in Poxstall würden sich demnächst Schafe um das Stutzen der Vegetation kümmern, berichtet Fiedler.
Noch mehr Forschungsbedarf
Um noch mehr über die Artenvielfalt in den Solarparks zu erfahren, wären aus Sicht der Studentin Vergleichswerte über mehrere Jahre interessant. Doch oft würden solche Untersuchungen an Zeit, Geld und Personal scheitern. Auch für die Anlagenbetreiber wäre es hilfreich, zu wissen, mit welchen Maßnahmen sie die Biodiversität noch weiter unterstützen können, erklärt Fiedler.
Cornelia Gliemann will nach ihrem Abschluss in Physical Geography: Climate & Environmental Sciences an der FAU Erlangen-Nürnberg im umweltwissenschaftlichen Bereich arbeiten. Sie kann sich gut vorstellen, sich auch in Zukunft mit Untersuchungen wie dieser zu beschäftigen.
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