Manche Projekte sind so gut, die brauchen einfach nochmal einen Pressetermin. So wie die wasserlosen Toiletten für Wanderer in der Fränkischen Schweiz. Die Naturparkranger und die beteiligten Gemeinden haben sie in den vergangenen Monaten zwischen Hollfeld, Pottenstein, Hirchbach und Obertrubach aufgestellt. Elf Stück sind es insgesamt schon. Nur eine offizielle Einweihung gab es noch nicht. Am Montag wird das am Walberla nachgeholt.
Mit Corona wurde das Problem der Wildpinkler immer schlimmer
„Corona hat uns vor ganz neue Probleme gestellt“, sagt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). „Die nette Toilette im Gasthaus war plötzlich zu.“ Gleichzeitig waren mehr Wanderer denn je unterwegs, auch in der Fränkischen Schweiz, etwa rund ums Walberla. Für die Gemeinden sei es aber mitunter schwer, Lösungen für das Problem zu finden. Deshalb habe er ein Modellprojekt aufgesetzt.
Und so werden jetzt im Naturpark Fränkische Schweiz verschiedene wasserlose Komposttoiletten getestet. Da gibt es die Kazuba, die Ecodomco, die Lovely Toilette oder schlicht die Goldgrube. Für die Gemeinden ist das eine feine Sache. Die Klos können nämlich an die 100.000 Euro kosten, werden so vom Freistaat aber großzügig gefördert. Die Gemeinden übernehmen dafür den Unterhalt.
In der Praxis sorgen sie jetzt dafür, dass die Klos gereinigt und geleert werden. Die große Lösung am Wanderparkplatz Walberla in Kirchehrenbach ist jetzt schon seit November offen. Geleert werden musste sie bislang nicht. Neben einer barrierefreien Toilette fürs große Geschäft gibt es auch zwei Urinale. Eins für Männlein, eins für Weiblein. Aber zu riechen ist beim Pressetermin nichts, außer den ersten Frühlingsblüten.
Wie so eine Ökotoilette funktioniert
Das liegt auch daran, wie ein Ranger des Naturparks erklärt, dass die festen und die flüssigen Stoffe getrennt werden. Die Flüssigkeit wird in einen unterirdischen Tank gepumpt, die Feststoffe fallen in eine gelbe Kunststoffwanne. Die ist in etwa so groß wie eine Mörtelwanne, aber aktuell gerade mal halbvoll.
Ein Bürgermeister gibt sich am Rande des Termins ziemlich zufrieden mit dem Projekt. Vor allem die Anwohner würden sich sehr darüber freuen. Manche Ecken, gerade in kleinen Höhlen, hätten sich in Toilettenanlagen verwandelt. Etwa auch, weil Kletterer nur im VW-Bus übers Wochenende in die Fränkische fahren, aber kein Klo an Bord hätten. Einen richtigen Stellplatz könne man aber auch kaum einrichten, etwa wegen Lärmschutzauflagen. Die neue Ökotoilette habe da zumindest an einer Stelle die Situation deutlich entspannt.
Modell soll bundesweit Schule machen
So ist sich auch der Minister sicher, dass für das einmalige Pilotprojekt demnächst viele Nachfragen aus ganz Bayern, ja aus ganz Deutschland kommen werden. Und in der Tat: Ein Anruf ist bei Ranger Florian Essel schon eingegangen. Die Kollegen aus der Rhön hätten schon nachgefragt, wie es mit den Toiletten denn so laufe.
Nur einen Wermutstropfen gibt es für Umweltschützer noch: Die menschlichen Hinterlassenschaften dürfen, auch wenn sowohl die trockenen als auch die festen Bestandteile bester Dünger wären, nicht recycelt werden. Das verbieten entsprechende Hygieneverordnungen. Das muss also alles sachgerecht entsorgt werden.
Aber da kann der Minister ja vielleicht was machen. Mit einem neuen Projekt.
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