Extreme Trockenheit
Gewässer in der Region trocknen aus
Der bei Teuchatz entspringende Zeegenbach ist ausgetrocknet.
Der bei Teuchatz entspringende Zeegenbach ist ausgetrocknet.
Foto: Tim Stetter
Aufseß – Die Gewässer in Oberfranken sind im Stress, der Regen in den nächsten Tagen wird die Lage nicht ändern. Die Folgen der Trockenheit sind immens.

Die wochenlange Hitze und die fehlenden Niederschläge setzten der Gewässerwelt Oberfrankens zu. Die weiter abfallenden Grundwasserstände und niedrigen Abflüsse machen vielen Fischarten zu schaffen. Viele Bäche sind ausgetrocknet.

Ein Blick auf die Niedrigwasserkarten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LFU) zeigt die besorgniserregende Situation in Oberfranken. An den meisten regionalen Messstationen ist der Wert für den mittleren Tagesabfluss als sehr niedrig angegeben.

Jurabäche sind bereits trocken

„Viele Jurabäche im westlichen Oberfranken sind bereits trockengefallen“, berichtet der Leiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken, Thomas Speierl. Er beobachtet die Situation mit Sorge und sieht im Hitzesommer 2015 eine Zäsur: „Seitdem stellen wir in vielen Bereichen rückläufige Abflüsse fest, vorrangig im Westen Oberfrankens trocknen viele Fließgewässer jedes Jahr wieder aufs Neue aus. Die Zeiträume mit Wasserführung werden zunehmend kürzer.“

Pegelstand der Wiesent niedrig

Dies habe auch Auswirkungen auf den Fischbestand, eine mögliche Wiederbesiedlung und insgesamt auf die Artenzusammensetzung.

Denn besonders an den großen Flüssen Regnitz und Main gehen durch die trockengefallenen Zubringer wichtige Rückzugsräume für Jungfische und Laichgebiete verloren.

Gleichzeitig sinken die Pegelstände der großen Flüsse Sächsische Saale, Itz, Wiesent, Regnitz und Main in den niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Ein Alarmplan für den Main wurde bereits aktiviert.

Wels profitiert, Forelle leidet

„Die Fischereiberechtigten vor Ort berichten bereits, dass sich die Artenzusammensetzung ändert“, sagt Speierl. Vor allem der Europäische Wels und die eingeschleppten Schwarzmeergrundelarten würden von der Situation begünstigt. „Für die an kaltes Wasser angepassten Arten wie Bachforelle, Äsche, Rutte oder Bachneunauge wird der Lebensraum jedoch zunehmend knapper“, berichtet er.

 

25 Grad in Forellenbächen gemessen

Diese Arten tolerieren Wassertemperaturen bis etwa 18 Grad. Es wurden aber schon bis zu 25 Grad in Forellenbächen gemessen. „Ohne ausreichende Niederschläge in den kommenden Tagen wird sich die Lage weiter verschärfen“, ist sich der Fischereifachberater sicher.

Da in diesem Jahr auch die südbayerischen Bezirke von der Trockenheit betroffen seien, sei fraglich, ob eine Unterstützung für die fränkische Main-Regnitz-Achse durch Wasser aus der Donau-Überleitung möglich ist.

Probleme für Teichwirte

Um die angespannte Lage in den Gewässern Oberfrankens zu lösen, steht die Fachberatung für Fischerei in Austausch mit den Wasserwirtschaftsämtern, Landratsämtern, Fischereiberechtigten und Teichwirten. An den Ausleitungsstrecken und Wasserkraftanlagen gilt es, die Rest- und Mindestwassermengen zu sichern, so die Fachberatung für Fischerei.

Einen wichtigen Beitrag zum Wasserrückhalt in der Fläche leisten Fischteiche. Doch auch hier führt die Hitze zu Problemen. „Mangelndes Wasserangebot und die erhöhten Wassertemperaturen führen dazu, dass keine Forellen mehr gehalten werden können“, erläutert Simon Abt, Leiter der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß.

Karpfen ist ein Warmwasserfisch

Oft wird die Forellenteichwirtschaft daher auf einen Mischbetrieb oder Karpfenteichwirtschaft umgestellt. Warmwasserfische wie der Karpfen und Begleitfische wie die Schleie können auch mit niedrigem Sauerstoffgehalt und höheren Wassertemperaturen gut umgehen.

Mit Sorge beobachtet Abt jedoch, dass viele Teichwirte aufgrund verschiedenster Probleme, zum Beispiel mit dem Fischotter oder Kormoran, generell aufgeben.

Denn Karpfenteiche sind durch ihre Wasserflächen in der aktuellen Trockenperiode wichtig: Die Teichwirtschaft sorgt für einen Wasserrückhalt in der Fläche und hat einen wichtigen Effekt für die Grundwasserbildung. Zudem sind sie „Wasserspender“ für durstige Tiere und bieten auch vielen amphibischen Arten Lebensraum.

Lage an den Baggerseen

Auch an den Baggerseen nehmen die Wasserstände kontinuierlich ab. Dort, wo keine Anbindung an den Fluss herrscht, und auch keine günstigen Anschlüsse an den Grundwasserstrom vorkommen, können Fische bei Sauerstoffmangel nicht in günstige Zonen ausweichen. Die zunehmenden Algenaufkommen zeigen vielerorts auch die Belastung der Baggerseen an.

Wetterumschwung ist kein Ausweg

Doch auch ein Wetterumschwung mit bedecktem Himmel wäre kein Ausweg, berichtet Viktor Schwinger von der Fachberatung für Fischerei. „Nach einer längeren sonnigen Phase kann ein bedeckter Himmel das Fischsterbenrisiko in Baggerseen und anderen Stillgewässern erheblich erhöhen. Durch die reduzierte Sonneneinstrahlung ist die Photosynthese der Algen beeinträchtigt, was zu ihrem Massensterben führen kann.“

Die Folge wäre ein massiver sauerstoffzehrender Abbau der abgestorbenen Algenmasse, was wiederum das sogenannte Umkippen und damit ein Fischsterben in Seen oder Teichen hervorrufen könnte.

Mehr Wasser speichern

„In der momentanen Situation müssen wir gemeinsam Sorge tragen für unsere Gewässer“, meint Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Insgesamt müsse man im privaten, landwirtschaftlichen und kommunalen Bereich zukünftig mehr Wasser speichern, egal, ob im Teich, der Regenwasserzisterne oder im Rückhaltebecken.

Thomas Speierl weist zudem darauf hin, dass ein naturnah gestaltetes Gewässer mit Ufergehölzsaum und tiefen Gumpen helfen könne, die Wassertemperatur dank Beschattung zu senken. Zudem sollten Erholungssuchende, Badende und Freizeitsportler Rücksicht auf die gestresste Fischwelt nehmen.

 

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