In ganz Bayern und auch im Landkreis Forchheim schreitet der Windkraftausbau voran. Schon bald soll das bisher einzige Windrad des Landkreises in Kasberg bei Gräfenberg Gesellschaft bekommen. Seit mehreren Jahren arbeiten sowohl Eggolsheim als auch Ebermannstadt an der Planung für Windenergieanlagen auf der Langen Meile. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren beim Landratsamt Forchheim. Und auch in weiteren sogenannten Windvorranggebieten im Landkreis sollen in Zukunft Windräder entstehen.
Damit die Energiewende gelingt, ist der Ausbau der Windenergie unerlässlich. Im Jahr 2023 war Windkraft mit einem Anteil von 31 Prozent der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung in Deutschland. Doch obwohl Windenergie keine neue Technologie ist, ranken sich noch immer viele Mythen und Fehlinformationen um das Thema. Windräder würden massenweise Vögel töten, seien schlecht fürs Klima und verschandeln unsere Wälder – so lauten einige der immer wieder genannten Vorwürfe. Doch was ist dran an diesen Behauptungen?
1. Windräder schreddern Vögel und Fledermäuse
2. Windräder haben eine schlechte CO₂-Bilanz
3. Windräder verursachen gefährlichen Infraschall
4. Windräder zerstören unsere Wälder
5. Windräder können nicht recycelt werden
1. Windräder schreddern Vögel und Fledermäuse
Ein Argument, das häufig in der Debatte um Windenergie genannt wird: Windräder töten Vögel und Fledermäuse. Tatsächlich können Windräder eine Gefahr für Flugtiere darstellen. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) schätzen Experten, dass pro Jahr rund einhunderttausend Vögel durch Windräder getötet werden. Gesicherte Zahlen gibt es dazu bisher nicht. Zum Vergleich: Die Schätzungen für die Zahl an getöteten Vögeln durch den Straßen- und Bahnverkehr oder die Kollision mit Glasscheiben liegen weit im zwei bis dreistelligen Millionenbereich.
Bei der Standortwahl die Zugrouten und Nistplätze von Vögeln zu berücksichtigen, kann das Risiko minimieren. Zudem können die Anlagen beispielsweise während der Jagdzeit von Fledermäusen automatisch abgeschaltet werden. Diverse Forschungsarbeiten befassen sich mit dem Thema, um das Risiko für die Tierwelt weiter zu reduzieren. Während der Planungsphase von neuen Windrädern muss verpflichtend auch die Tierwelt im angedachten Gebiet untersucht werden. Die Ergebnisse werden in einem Gutachten festgehalten.
Grundsätzlich sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass der Klimawandel eine deutliche Bedrohung für die Tierwelt bedeutet. Ohne Klimaschutz sei Artenschutz langfristig nicht möglich, schreibt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) auf seiner Website. Der LBV befürwortet grundsätzlich den Ausbau der Windenergie, unter anderem wegen des geringen Flächenverbrauchs im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieformen. Der LBV setzt sich für eine „naturverträgliche Energiewende“ ein, die den Ausbau der Windenergie ermöglicht und gleichzeitig den Artenschutz berücksichtigt.
2. Windräder haben eine schlechte CO₂-Bilanz
Tatsächlich werden bei der Herstellung von Windenergieanlagen (WEA) Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO₂) ausgestoßen. Die einzelnen Bestandteile wie das Fundament, der Turm und die Rotorblätter werden aus Beton und verschiedenen Metallen hergestellt. Während der Laufzeit wird durch Windräder aber mehr CO₂ eingespart, als bis zur Fertigstellung entstanden ist.
Die sogenannte „Energy Payback Time“ fällt bei Windkraftanlagen positiv aus. Diese Angabe bezeichnet die Zeit, die es braucht, bis eine Energieanlage, wie beispielsweise ein Windrad, die gesamte Energie erzeugt hat, die für die Herstellung und Wartung notwendig ist. Diese Zeitspanne beträgt laut Energie-Atlas Bayern bei Windrädern in Deutschland je nach Standort zwischen 2,5 und 4,5 Monaten.
Durch Windkraft können Treibhausgase eingespart werden, da benötigte Energie nicht an anderer Stelle aus fossilen Brennstoffen erzeugt werden muss. Laut einer Berechnung des Umweltbundesamtes spart eine durchschnittliche Windenergieanlage im Jahr circa 3600 Tonnen CO₂ ein, eine moderne Anlage kommt auf knapp 5000 Tonnen.
3. Windräder verursachen gefährlichen Infraschall
Eine häufig genannte Sorge im Zusammenhang mit Windrädern ist die Angst vor gesundheitlichen Gefahren durch Infraschall. Infraschall ist ein tieffrequenter Schall, der für den Menschen in der Regel nicht hörbar ist. Infraschall kann durch natürliche Quellen, wie zum Beispiel Meeresbrandung oder durch technische Geräte, wie beispielsweise Klimaanlagen oder Autos erzeugt werden.
Auch Windräder verursachen durch die Vibration der Rotoren Infraschall. Laut Energie Atlas Bayern konnten bisher aber keine schädlichen Umwelteinwirkungen durch wissenschaftliche Studien belegt werden.
Laut Umweltbundesamt seien bei Untersuchungen mit Magnetresonanztomografie sowohl im Hör- als auch Gefühlszentrum des Gehirns kurz unterhalb der Wahrnehmungsschwelle Reaktionen gemessen worden. Grundsätzlich könne das Nervensystem also auf Infraschall reagieren, auch wenn wir ihn nicht direkt wahrnehmen. Der durch Windräder verursachte Infraschall liege allerdings deutlich unter der Wahrnehmungsschwelle, daher sei es unwahrscheinlich, dass in Wohnräumen Pegel erreicht würden, die negative gesundheitliche Reaktionen auslösen würden.
Dass einige Menschen in der Nähe von Windrädern dennoch über Beschwerden wie Schlafstörungen klagen, liegt laut Umweltbundesamt am häufigsten am sogenannten Nocebo-Effekt. Das bedeutet, dass negative Erwartungen tatsächlich zu negativen Folgen führen können. Das kann zum Beispiel auch auftreten, wenn jemand bei einem Medikament schon von vorneherein mit Nebenwirkungen rechnet.
4. Windräder zerstören unsere Wälder
Diverse Umweltschutzorganisationen mahnen beim Thema Windkraft im Wald zur Vorsicht, positionieren sich aber nicht grundsätzlich dagegen. Windkraft im Wald sollte eher die Ausnahme sein, schreibt die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf ihrer Website. Wenn es beispielsweise nachweisbar keinen anderen brauchbaren Standort gebe, könne eine Kommune im Einzelfall den Wald in Betracht ziehen.
Der LBV äußert ebenfalls Bedenken gegenüber dem Bau von Windrädern im Wald, da Lebensräume verloren gehen würden. „Wenn Waldgebiete für Windkraftanlagen in Betracht gezogen werden, sollten dafür nur intensiv genutzte Fichten- und Kiefern-Monokulturen ausgewählt werden. Diese weisen in Bezug auf den Artenschutz ein deutlich geringeres Konfliktpotenzial auf“, schreibt der LBV dazu auf seiner Website.
Generell würden Waldflächen erst nach aufwendigen Prüfungs- und Genehmigungsverfahren für die Bebauung und den Betrieb von Windenergieanlagen freigegeben, erklärt der Energie Atlas Bayern auf seiner Website. Schon vor dem Antrag auf eine öffentlich-rechtliche Genehmigung würden zudem Voruntersuchungen wie Windmessungen und artenschutzrechtliche Untersuchungen durchgeführt. Laut Energie-Atlas werden außerdem mögliche Ausgleichsmaßnahmen, wie beispielsweise Aufforstungen auf anderen Flächen, festgelegt.
Rund einen halben Hektar Platz braucht ein Windrad im Wald in der Regel. Das ist etwas weniger Platz als ein Fußballfeld, das üblicherweise 0,7 Hektar groß ist. Hinzu kommen während des Baus gegebenenfalls weitere Flächen für Zufahrten und Co., wobei diese im Anschluss wieder aufgeforstet werden können.
Auch hier gilt es wieder, die Folgen des Klimawandels nicht außer Acht zu lassen: Vermehrte Waldbrände, Wetterextreme und der Borkenkäfer setzen den Wäldern massiv zu.
5. Windräder können nicht recycelt werden
Die Laufzeit eines modernen Windrads beträgt in der Regel 30 Jahre. Danach muss das Windrad inklusive Fundament zurückgebaut werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Manchmal können am gleichen Standort auch neuere, leistungsstärkere Anlagen errichtet werden. Ist das nicht der Fall, muss alles wieder so hergerichtet werden, wie es vor dem Bau der Windenergieanlage war. Das bedeutet, es müssen beispielsweise wieder Bäume gepflanzt werden.
Ältere Windenergieanlagen können teilweise im Ausland für einige Jahre weiter verwendet werden. Ansonsten werden die Materialien so gut es geht recycelt. Die Recyclingquote liegt laut Energie Atlas Bayern inzwischen bei über 90 Prozent. Eine Herausforderung stellen noch immer die Rotorblätter dar. Diese bestehen großteils aus Verbundwerkstoffen wie glas- oder carbonfaserverstärkten Kunststoffen und machen rund zwei bis drei Prozent der Anlage aus. Für dieses Material gibt es bisher noch keine ausgereiften Recyclingverfahren, weshalb nur eine thermische Verwertung, also Verbrennen, infrage kommt.
Laut Recycling-Experte Fabian Rechsteiner vom Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV gibt es in Deutschland bereits Unternehmen, die sich mit dem Thema Rotorblatt-Recycling beschäftigen. Bisher gebe es jedoch keine ausreichende Nachfrage nach recycelten Materialien. Politische Maßnahmen, wie eine Recyclingquote, könnten hier helfen.
















