Keine zehn Minuten. Keine Gegenstimme. Wer am Dienstagabend mitverfolgt, wie einmütig die 19 Eggolsheimer Rätinnen und Räte die Anträge für sieben Windkraftanlagen durchwinken, glaubt nicht, dass diesem Votum jahrzehntealter Streit und unzählige Diskussionsstunden vorausgegangen sind. Nun haben die Planungen für die Windkraftanlagen auf der Lange Meile Süd und Nord einen weiteren wichtigen Meilenstein passiert.
Gemeinderat Eggolsheim: Einstimmiger Beschluss für Lange Meile
Claus Schwarzmann schaut zufrieden drein, wirkt aber überrascht, als er nach der Abstimmung seinen Blick in die Runde schweifen lässt. Als Eggolsheims Bürgermeister kämpft er schon seit seinem Amtsantritt 1996 für die Energiewende und damit verbunden auch für Windräder in Eggolsheim. Währenddessen hat er viel Gegenwind erlebt und erlebt ihn noch.
Anders heute: 19:0 heißt das Votum im Marktgemeinderat am Dienstagabend. Das heißt, Eggolsheim „genehmigt die Antragstellung zum Bau und Betrieb von Windenergieanlagen im Bürgerwindpark Lange Meile und erteilt das gemeindliche Einvernehmen“. Einstimmig.
Anträge für Lange Meile bereits beim Landratsamt eingereicht
Diese Genehmigung erfolgt nachträglich. Denn das Rathaus-Team um Geschäftsleiter Stefan Loch hatte die Anträge für den Bürgerwindpark vorsorglich bereits beim Landratsamt eingereicht. Dort sei der umfangreiche Antragsordner auch eingegangen, wie Sprecherin Kathrin Schürr auf Anfrage bestätigt. In den kommenden Monaten werde dieser sorgsam geprüft, sagt sie. Wann das Landratsamt den Genehmigungsbescheid verschicken wird (so es das tut), ist offen. Man wolle den Antrag „wie üblich sorgfältig und zügig bearbeiten“, so Schürr.
Gemeinsam mit der Stadt Ebermannstadt will die Gemeinde Eggolsheim auf der Langen Meile, ein Gebiet, das zwischen den beiden Kommunen liegt, Windenergieanlagen errichten. Ebermannstadt plant dem aktuellen Stand nach bis zu vier Anlagen auf der Langen Meile Süd. Hinzukommen kommen dort noch vier Anlagen auf Eggolsheimer Seite sowie weitere drei auf der Langen Meile Nord.
Lange Meile Süd und Nord: Wo in Eggolsheim Windräder stehen sollen
Dies Eggolsheimer Anlagen vom Typ Enercon werden Gemeindeangaben zufolge jeweils eine Leistung von sieben Megawatt (MW) haben. Die Nabenhöhe beträgt 174,5 Meter, der Durchmesser der Rotoren 175 Meter – ergibt eine Gesamthöhe von 262 Meter. Und nun ist zumindest für die Eggolsheimer klar, wo die Großanlagen stehen sollen.
- Lange Meile Nord: östlich von Tiefenstürmig, westlich von Dürrbrunn, nördlich von Eschlipp
- Lange Meile Süd: östlich von Kauernhofen, westlich von Rüssenbach, nördlich von Oberweilersbach
Windräder auf Langen Meile könnten Zehntausende Haushalte versorgen
Ein einzelnes Windrad könne etwa 4000 Haushalte mit Strom versorgen, sagt Stefan Loch, der gemeinsam mit Thomas Banning die Geschäfte der eigens gegründeten Bürgerwindpark Lange Meile GmbH führt. Zu 20 Prozent ist die Firma NaturEnergy, eine Tochtergesellschaft von Naturstrom, an der Bürgerwindparkgesellschaft beteiligt. 70 Prozent der Anteile liegen beim Markt Eggolsheim, zehn Prozent bei der Gewerbe- und Wohnbau Eggolsheim GmbH (GWE).
Mit den sieben Eggolsheimer Windrädern sowie den zusätzlichen Ebermannstädtern könnten einmal bis zu 44.000 Haushalte versorgt werden – und damit ein guter Teil der gesamten Landkreisbevölkerung.
Eggolsheim plant Bürgerbeteiligung bei der Windkraft
Das Besondere: Die Bürger sollen sich direkt an dem Projekt beteiligen können. „Die Flächeneigentümer, die wir als Pächter gewinnen konnten, haben einen Anteil von fünf Prozent an der Gesellschaft, wo sie vorgezogen Gelegenheit bekommen, sich mit Kapital einzubringen. Weitere 35 Prozent werden dann den Bürgern zur Verfügung gestellt.“ Das Kalkül: Man wolle nicht nur als Gemeinde finanziell profitieren, sondern auch die Bürger am Gewinn beteiligen. Auch um die Akzeptanz für Windkraftanlagen weiter zu erhöhen.
Zunächst sollen die Anwohner der an den Windpark angrenzenden Orte Eggolsheim, Weilersbach, Ebermannstadt, Unterleinleiter und Heiligenstadt die Möglichkeit zur Beteiligung erhalten. Später werde das Ganze möglicherweise noch erweitert. In Eggolsheim sei man laut Loch guter Dinge, dass die Nachfrage da sein wird: „Aktuell gehen wir davon aus, dass der Zuspruch groß sein wird.“
Bayerischer Verfassungsgerichtshof: Klage noch in Bearbeitung
Doch nicht alle sind zufrieden mit dem Planungsfortschritt. Und dass kein Windkraftgegner während der jüngsten Gemeinderatssitzung Transparente zeigt, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Protest im Hintergrund weiterläuft. Nicht nur in Eggolsheim.
Der Verein für den Schutz des Naturparks Fränkische Schweiz mit Sitz in Hiltpoltstein hatte im Februar eine Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof in München eingereicht, um unterstützt von Dutzenden Bürgerinitiativen aus ganz Bayern Windkraftprojekte wie dieses doch noch zu stoppen. Ob der Entscheidung eine mündliche Verhandlung vorausgehen solle und wann das geschehen könnte, sei derzeit noch offen, meldet ein Referent des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs auf Anfrage. „Das Verfahren befindet sich derzeit noch in der Prüfung.“
Bürgermeister Schwarzmann blickt Klage und Protesten gelassen entgegen. „Ich gehe davon aus, dass der Gesetzgeber nicht von heute auf morgen alles über den Haufen wirft und dass Gerichte das auch so sehen“, sagte er schon im März auf Anfrage von fraenkischertag.de. Für ihn reiht sich diese Popularklage in eine Vielzahl an Hindernissen ein, denen er sich in den vergangenen fast 30 Jahren stellen musste.
Claus Schwarzmann blickt auf viele Hindernisse zurück
Hatte in den 90er-Jahren laut Schwarzmann noch eine andere Generation an Windkraftgegnern erste Windrad-Überlegungen in Kauernhofen stoppen können, torpedierte die 2014 vom damaligen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer eingeführte 10H-Regel die zwei Jahre zuvor neu gestarteten Bemühungen Schwarzmanns, doch in puncto Energiewende voranschreiten zu können. Damals habe er bereits die meisten nötigen Unterschriften beisammen gehabt, selbst von einigen heutigen Gegnern.
Mit der damals neuen 10H-Regel musste der Abstand zwischen einer Windkraftanlage und dem nächsten Wohngebiet plötzlich das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen (am Beispiel der aktuellen Planungen in Eggolsheim wären das 2,6 Kilometer gewesen). De facto brachte Seehofers Regel nahezu alle Ausbaubemühungen im Freistaat zum Erliegen.
2022 wurde die 10H-Regel schließlich erstmals gelockert, seit Juni 2023 beträgt der geforderte Abstand zur Wohnbebauung unter Umständen nur noch 800 Meter. Beispielsweise in Windvorranggebieten wie auf der Langen Meile. In Eggolsheim solle der Abstand zur nächsten Wohnbebauung laut Gemeinde übrigens bei rund einem Kilometer liegen.
Schwarzmann: „Haben unsere Hausaufgaben gemacht“
Nach der Novelle im Bayerischen Landtag kam auch wieder frischer Wind in die Pläne für die Lange Meile. Spätestens seit der zuständige Planungsverband Oberfranken-West im Februar 2024 dann noch Windvorranggebiete auf der Langen Meile deklariert hatte, konnten die Planungen konkret werden.
Unter anderem zu den Themen Artenschutz, Lautstärke und Schattenwurf sind Gutachten geschrieben und zahlreiche Gespräche mit Grundstückseigentümern geführt worden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, Schwarzmann. Das Ergebnis dieser Arbeit liegt nun dem Landratsamt zur Prüfung vor.
Windräder Fränkische Schweiz: Wann sie fertig sein könnten
Grund zur Eile sieht Schwarzmann indes nicht, mittlerweile nicht mehr. „Wir hoffen, dass wir vielleicht bis Ende des Jahres fertig planen können“, sagt er. „Aber lieber soll alles sauber und rechtssicher über die Bühne gehen.“ Wenn alles nach Plan verlaufe, könnte eventuell bereits im kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden.
Spätestens 2028 sollen sich die Windräder dann auf der Langen Meile drehen. Damit sei es laut Schwarzmann aber nicht getan. „Wenn wir die Energiewende wirklich schaffen wollen, braucht es Speichermöglichkeiten und weitere Photovoltaikanlagen. Es gibt noch viel zu tun.“























