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Wieder neuer Zwischenschritt
Königsbad Forchheim: Warum sich Sanierung weiter verzögert
Seit Jahren wird über die dringend notwendige Sanierung des Königsbades gesprochen. Taten folgten bislang nicht - und das wird auch vorerst so bleiben.
Seit Jahren wird über die dringend notwendige Sanierung des Königsbades gesprochen. Taten folgten bislang nicht - und das wird auch vorerst so bleiben. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Millionenprojekt in jahrelanger Schieflage: Die Sanierung des Königsbads in Forchheim wird zum Drahtseilakt für Forchheims (Finanz-)Politik. Warum es schon wieder nicht weiter nach vorne geht.

Die Langstrecke ist Forchheim gewohnt. Entweder mit gutem Ausgang wie auf dem Paradeplatz, der Piastenbrücke und (wahrscheinlich) der Generalsanierung des historischen Rathauses. Es geht aber auch anders, wie die verschleppte Sanierung des Kolpinghauses und die Hängepartie um das Philosophenviertel zeigen. Und das Königsbad? In welche Kategorie wird sich dieses Mammutprojekt einreihen?

Der neuesten politischen Entwicklung zufolge wird es wohl eher Kategorie zwei, Langstrecke in unruhigem Fahrwasser. Um das einzuordnen, lohnt sich ein kurzer Abriss der bisherigen Geschehnisse um das millionenschwere Sanierungsprojekt.

Königsbad Forchheim: Problem-Bau seit 2010

Das Bad kämpft seit seiner Eröffnung im Sommer 2010 mit Bau- und Planungsmängeln. Horrende „Geburtsfehler“, wie sie Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein gerne nennt. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt, in dem die Stadt gegenüber den damaligen Planern und Erbauern um ihr Recht kämpfen muss. Und es fallen unzählige Arbeitsstunden von Fachplanern, Verwaltungsangestellten und Kommunalpolitikern an, die das Bad retten wollen.

Der Plan: Das Bad soll, nein es muss umfassend saniert werden. Schließlich sei der Estrich im gesamten Gebäude durchfeuchtet, Fließen bröckelten von den Wänden und Duschen funktionieren im Glücksfall, wie Experten und Besucher berichten. Gleichzeitig soll das viel zu schnell in die Jahre gekommene Bad im gleichen Atemzug verschönert und modernisiert werden. Wenn man schon einmal dabei sei, wie es heißt.

Die Geschichte des Königsbads ist von Beginn an mit Problemen behaftet.
Die Geschichte des Königsbads ist von Beginn an mit Problemen behaftet. // Foto: Stephan Großmann

Weil sich der Rechtsstreit mit den damaligen Planern und Baufirmen lange hinzieht und gleichzeitig die Corona-Pandemie das Projekt quasi lahmlegt, vergehen Jahre um Jahre, in denen lediglich hinter den Kulissen etwas geschieht. Bis zum Juni 2022. Dann beschließen die Mitglieder des Stadtrats einstimmig, die ersehnte Sanierung umzusetzen. Damals avisierter Kostenpunkt: 13,1 Millionen Euro.

Attraktivierung will sich Forchheim viele Millionen Euro kosten lassen

In der Folgezeit schreiben Projektsteuerer Pläne, skizzieren Architekten Visionen und nach langem Hin und Her werden im Herbst 2023 die Visionen im Rahmen eines „Masterplans für das Raum- und Angebotsprogramm“ (Schein)Wirklichkeit: Neue Gastro, neuer Eingangsbereich, größere Sauna, attraktiverer Kinderbereich und endlich Platz fürs Personal. Nichts Geringeres als der neue badgewordene Stolz Forchheims schwebt Forchheims Rathaus-Chef und seinen Stadträten vor. Dass sich die Kosten in nur einem Jahr auf 22,8 Millionen Euro fast verdoppelt haben, stört noch die wenigsten.

Im September 2024 überrascht dann Architekt Ernst Ulrich Tilmann mit hübschen Details, wie er sich das neue Forchheimer Bad vorstellen würde. Das Gebäude werde in den Rohbau zurückversetzt, der Eingangsbereich radikal umgebaut, die Sauna umgestaltet und so fort. Doch über den begeistert dreinblickenden Augen von Forchheims Stadtparlamentariern bilden sich erste Sorgenfalten.

Haushaltsloch in Forchheim macht wieder Strich durch die Rechnung

Denn Forchheims Haushaltslage ist nicht nur angespannt, wie manche seit Monaten angemahnt hatten. Die gigantische Gewerbesteuerrückzahlung von gut 60 Millionen Euro stürzt Forchheim in die schlimmsten Finanzprobleme seiner Geschichte. Und damit so gut wie alle Kostenfaktoren auf den Prüfstand – bestehende wie kommende.

Passt in eine solche Situation die Komplettsanierung und Verschönerung eines erst 14 Jahre alten Familienbads für fast 23 Millionen Euro? Grundsätzlich wolle man an dem Großprojekt festhalten, sind sich Stadtrat und Verwaltung dem Grunde nach einig. Als Sicherungsmechanismus soll Architekt Tilmann das Projekt nicht nur in einzelne Bauabschnitte teilen, um theoretisch nach und nach handlungsfähig zu bleiben. Auch werden er und Projektsteuerer Thomas Beck um die Erstellung verschiedener Varianten gebeten. Sodass man die notwendige Sanierung auf jeden Fall schaffen und die geliebte Attraktivierung notfalls abgespeckt umsetzen könne.

Planer stellen drei Varianten für Königsbad-Sanierung vor

Gesagt, getan. Schon etwas weniger euphorisch stellen die beiden Männer im Juni 2025 Forchheims Mitgliedern im eigens einberufenen Königsbadsanierungsausschuss drei verschiedene Varianten vor: eine Basisvariante für insgesamt rund 6,75 Millionen Euro (umfasst Umkleiden, Badehallen, Kinderbereich), einen Mittelweg für 19 Millionen Euro (zusätzlich mit Foyer und Gastronomie) und eine „große Lösung“ mit Gesamtkosten von 28,43 Millionen Euro (Umgestaltung der Sauna).

Der neue Eingangsbereich des Königsbads.
Unter anderem der Eingangsbereich des Königsbads soll komplett neu gestaltet werden. // Visualisierung: 4a Architekten GmbH

Je nach Entscheidung könnte es bis zu sechs Bauabschnitte geben, die sich wie Legosteine zusammenstecken ließen. „Je nach Haushaltslage“, sagt Projektsteuerer Beck. Die Fraktionen haben die Wahl: Welche Variante darf’s denn sein?

Auch im Juli-Stadtrat gibt es keine Einigung 

Doch die in den Königsbadausschuss entsandten Rätinnen und Räte wollen im Juni noch keine Entscheidung treffen, erbeten sich Bedenkzeit bis zur Vollversammlung des Stadtrats am 21. Juli.

Lange nehmen sich die Kommunalpolitiker dann an jenem 21. Juli die Zeit, um erneut zu diskutieren. Über die Für und Wider und die beklemmende Frage, wer das alles bezahlen solle. Einzig auf eine der vorgestellten Varianten können sie sich erneut nicht einigen. Selbst die neu ins Spiel gebrachte „mittlere Lösung 2b“ (Eingangshalle und Sauna wenigstens sanieren, Sauna an Gastro anschließen, Kosten: 20,73 Millionen Euro), findet keine Mehrheit.

Doch aus der durch wahlkampftaktische Sticheleien geprägten Diskussion lässt sich am Ende ein wichtiger Tenor heraushören: „Das Schlimmste wäre, wenn wir nichts beschließen würden“, fasst Oberbürgermeister Uwe Kirschstein zusammen, was sich aus den einzelnen Wortbeiträgen destillieren lässt. Heißt: Es muss etwas geschehen im Königsbad, darüber sind sich nach wie vor alle einig.

Etwas ins Schwimmen geraten Architekt und Projektsteuerer, als die Räte plötzlich mit Nachdruck die Kostenaufstellung für die reine Sanierung wissen wollen. Ohne jedweden Schnickschnack und ohne auch nur kleinste Umbauten. Das sei nie Teil des Auftrags gewesen, entgegnen die Planer, „die Zahlen können wir nicht aus der Hüfte schießen“. Lediglich nachreichen.

„Nullvariante“: Stadtrat gibt neuen Auftrag an Planer

Letztlich einigen sich alle einstimmig, sich an diesem Tag wieder nicht zu einigen. Um sich aber durch eine Ablehnung der vorgestellten Varianten das Gesamtprojekt und das Zielbild für das Königsbad nicht komplett zu verbauen, bedienen sie sich eines Tricks: Stattdessen votieren sie einstimmig für den Beschluss, die Fachplaner zu beauftragen, erst noch die Kosten für die sogenannte Nullvariante (also die reine Sanierung, ohne Umgestaltungen) zu ermitteln.    

Nach Einreichung des Bauantrags bis Anfang 2026 sei ein Start der Arbeiten bereits im März 2027 denkbar, rechnet der Projektsteuerer vor. Dann sei selbst mit der „großen Lösung“ eine „Neu“-Eröffnung bis Ende 2029 möglich. Theoretisch. Stand jetzt sieht es nicht danach aus; aber Forchheim ist Langstrecke ja gewohnt.

 

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