0
Neuer Forchheimer CSU-Landrat?
Landratskandidat Oliver Flake: „Nicht nur Strohfeuer zünden“
Oliver Flake. Der 53-jährige Kreisbrandrat soll nach dem Willen der CSU ab März 2026 Forchheims neuer Landrat werden. Er gibt sich bescheiden - und siegeshungrig.
Oliver Flake. Der 53-jährige Kreisbrandrat soll nach dem Willen der CSU ab März 2026 Forchheims neuer Landrat werden. Er gibt sich bescheiden - und siegeshungrig. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Oliver Flake soll für die CSU Forchheims neuer Landrat werden. Nun spricht der amtierende Kreisbrandrat erstmals offen über seine spät erwachten politischen Ambitionen und darüber, was der Kreis dringend braucht.

Standing Ovations. Der Forchheimer Kreisverband der CSU hat am Samstag ihren Kandidaten für die Landratswahl am 8. März 2026 nominiert. Das war nötig geworden, weil der amtierende Landrat Hermann Ulm aus privaten Gründen nicht wieder antreten wird.

Drei Männer standen zur Wahl, einer ging am Ende als strahlender Sieger aus dem Rennen. Oliver Flake, 53, Kreisbrandrat, setzte sich im parteieigenen Vorwahlkampf gegen die beiden Mitbewerber Torsten Gunselmann aus Hallerndorf und Sebastian Götz aus Ebermannstadt durch. 

Zwei Tage später berichtet Flake im Exklusiv-Interview mit fraenkischertag.de, wie er die Wahl vor der Wahl erlebt hat, wie er sich kommunalpolitisch stählen will und was er als Erstes angehen würde.

Interview: Forchheims Kreisbrandrat Oliver Flake wird CSU-Landratskandidat

Herr Flake, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung. Bei Ihnen als diplomiertem Braumeister: Gab es auf der Siegesfeier am Samstag Ihr eigenes Bier? 

Oliver Flake: Nein, (lacht), leider nicht. Es gab später eins, aber kein eigenes.

Hand aufs Herz – haben Sie mit ihrem Triumph gerechnet?

Ich bin dankbar für den Zuspruch und die Stimmen, eine geeinte CSU ist ein großer Vertrauensbeweis. Aber ich bin kein Jubel-Fetischist. Und ich habe großen Respekt vor den beiden anderen Kandidaten, auch sie haben viel Kraft in ihre Bewerbung gesteckt. In dem Sinne wäre das auch den Delegierten aus den Ortsverbänden gegenüber unpassend gewesen.

Es war auch knapp. Schließlich mussten Sie in die Stichwahl mit Torsten Gunselmann und auch dort reichte es nur mit einem hauchdünnen Vorsprung…

Der Landrat ist so ein wichtiges Thema für uns. Klar freue ich mich persönlich und bin dankbar für das Vertrauen. Wir haben nun einiges vor uns, für mich ist das Ziel das Entscheidende und die Arbeit, die dahintersteht.

In der Igensdorfer Lindelberghalle haben Oliver Flake (rechts) sowie seine Mitbewerber Torsten Gunselmann (links) und Sebastian Götz die Delegierten der CSU-Ortsverbände um ihre Zustimmung gebeten.
In der Igensdorfer Lindelberghalle haben Oliver Flake (rechts) sowie seine Mitbewerber Torsten Gunselmann (links) und Sebastian Götz die Delegierten der CSU-Ortsverbände um ihre Zustimmung gebeten. // Foto: Stephan Großmann

Dass Sie sich für die Wahl zur Verfügung stellen, ist für viele im Landkreis eine Überraschung gewesen. Woher kommt Ihr plötzliches Interesse für Kommunalpolitik?

Ich komme schon lange viel herum im Landkreis. Schon vor meinem Studium war ich in meiner Geburtsregion Südhessen politisch aktiv, aber dann seit meinem Umzug nach Forchheim nicht mehr. Was mich getrieben hat, mich aufzustellen, ist das Erstarken der politischen Ränder. Je weniger Menschen sich entscheiden, sich politisch zu engagieren, desto schlimmer wird es. Weil dann nur noch Menschen übrigbleiben würden, die ihren persönlichen Vorteil erzielen und ihre Meinungen durchdrücken wollen.

Wollen wir es, dass diese Menschen über uns entscheiden, die nichts mit dem öffentlichen Leben zu tun haben? Das glaube ich nicht.

Stadtratsliste, Landratskandidatur, eventuell Kreistag: Klingt nach einem ambitionierten Plan von null auf hundert…

Da ist Ambition dahinter. Ich brenne für unseren Landkreis, das ist nicht nur daher gesagt. Seit über 16 Jahren bin ich durch die Feuerwehr quer im Landkreis aktiv. Von null auf hundert mag sein, aber das Vertrauen seitens der CSU ist glücklicherweise da. Nun müssen wir es noch schaffen, die Kommunen und die Bürger überall aus dem Landkreis zu vereinen.

Viel Zeit bleibt nicht mehr bis zur Wahl. Sollten Sie gewinnen, wie wollen Sie bis dahin kommunalpolitische Erfahrungen sammeln?

Das nächste halbe Jahr ist von einer kommunalpolitischer Tour geprägt. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Kommunen und Bürgermeistern, unabhängig der parteipolitischen Couleur. Das ist ein Vorteil, den ich mir durch die jahrelange Arbeit als Kreisbrandrat erarbeitet habe. Rettungswesen und Katastrophenschutz ist Vertrauenssache – und das hat funktioniert in den vergangenen Jahre. Das soll so bleiben.

Vertrauen brauchen Sie auch parteiintern. Sie sind noch nicht so lange CSU-Mitglied, Ihr Kreisvorsitzender Michael Hofmann meinte nach der Wahl, nun müssten alle Christsozialen an einem Strang ziehen und Sie unterstützen. Klappt das?

Definitiv ja. Die CSU muss der Bevölkerung geeint und mit einer Stimme berichten, was wir für unseren Landkreis wollen. Jetzt gab es drei Kandidaten, viele Vorstellungsrunden und und und. Das war schon sehr transparent. Es gehört Mut dazu, eine solche Wahl öffentlich abzuhalten. Daher weiß ich, dass wir alle zusammenstehen.

Ihr Job als Kreisbrandrat fordert auch ohne Wahlkampf Ihre volle Aufmerksamkeit. Wie wollen Sie beides unter einen Hut bringen?

Ich bin zum Kreisbrandrat gewählt worden und sehe mich dessen Aufgaben verpflichtet. Ob ich in den kommenden Monaten alle Termine wie bislang wahrnehmen kann, muss ich sehen. Aber das kann ich mit meinem Team und meinen Stellvertretern absprechen. Vermischen werde ich hingegen nichts. Auf der einen Seite gibt es meinen Funktionsbereich bei den Feuerwehren, auf der anderen Seite mein politisches Engagement. Beides kann ich trennen.

Das Schlimmste wäre doch, wenn wir Personen aus dem öffentlichen Leben aus der politischen Verantwortung herausnehmen würden!

Kreisbrandrat Oliver Flake
Kreisbrandrat Oliver Flake // Foto: Kreiswehr Forchheim

Das heißt, es wird die eine oder andere Überstunde mehr anfallen…

Über Überstunden habe ich mir in den vergangenen zehn Jahren schon keine Gedanken gemacht…. (lacht) 

Allmählich wagen sich auch die anderen Parteien aus der Deckung. Die Grünen und die Freien Wähler bestimmen am Montagabend ihren Kandidaten, SPD und AfD ziehen wohl im Herbst nach. Weitere Parteien könnten folgen. Fakt ist schon jetzt: So viele Kandidaten wie am 8. März 2026 wird es wohl noch nie gegeben haben. Wie wollen Sie die Wahl gewinnen?

Durch Überzeugung. Und durch den Faktor Mensch. Also einerseits entscheiden die Ziele und wie der Bürger entscheidet, wem er das Erreichen der Ziele am besten zutraut. Der Landrat muss mehr als nur den politischen Gestaltungswillen aufbringen. Sondern auch Empathie für die Bevölkerung. Ich bin überzeugt, dass wir von der CSU die besseren Lösungsansätze haben.

Kultur, Freizeit, Soziales: „Erst die freiwilligen Leistungen machen Kreis und Kommunen lebenswert“, sagten Sie während Ihrer Bewerbungsrede am Samstag. Wie würden Sie sicherstellen, dass die Rathäuser und das Landratsamt handlungsfähig bleiben?

Kommunen leben von ihren freiwilligen Leistungen. Diese müssen wir uns aber auch leisten können und notfalls hinterfragen. Auf der einen Seite die Kreisumlage nicht erhöhen und gleichzeitig immer mehr versprechen, wird nicht funktionieren. Wir können uns nur leisten, was wir erwirtschaften. Kommunen und der Landkreis brauchen ihre Spielräume; wobei ich den Kreis eher als Bindeglied wahrnehme. Wir und die Kommunen müssen uns also wirtschaftlich stärker aufstellen in den nächsten Jahren, um das zu ermöglichen. Denn es kommen ja auch immer mehr Pflichtaufgaben hinzu.

Zur Person: Oliver Flake
Zur Person: Oliver Flake // Foto: Stephan Großmann

Klingt nach einem schmerzhaften Spagat für den Wahlkampf: Realismus versus Wahlversprechen.

Das ist sicherlich schwer. Aber ich bin kein Typ, um Versprechen zu geben, die ich nachher nicht halten kann. Was ich verspreche, muss ich umsetzen können. Glaubwürdigkeit der Politik steht und fällt damit. Wenn politische Mitbewerber mehr versprechen als sie umsetzen können, setzen sie nur Strohfeuer in Brand. Aber das ist deren Thematik. Ich stehe für Themen, die in einem klaren Zeitfenster durchsetzbar und machbar sind.

Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Digitalisierung; Themen gibt es genug. In den vergangenen Monaten wurden häufiger Stimmen laut, die dem Landratsamt zu wenig Gestaltungswillen attestierten. Wie würden Sie neuen Schwung in den Streckerplatz bringen?

Verwaltung muss das umsetzen, was die demokratischen Vertreter mehrheitlich wünschen. Wir können uns immer hinter der Bürokratie verstecken. Aber wenn wir politisch wirklich gestalten wollen, müssen wir die Verwaltung dafür nutzen, wofür sie da ist: die Umsetzung der politischen Wünsche im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten.

Der Kreistag entscheidet, der Landrat…

... muss es gemeinsam mit seiner Verwaltung versuchen, dass die Entscheidungen bei den Bürgern ankommen. Wir dürfen uns nicht von der Bürokratie treiben lassen. Sondern umgekehrt.

Also anders als bisher?

Vielleicht ist das in den vergangenen Jahren nicht so spürbar gewesen. In der Verwaltung arbeiten Hunderte Menschen, Veränderungen geschehen da nicht von heute auf morgen. Um das Verständnis dafür zu schaffen, braucht es eine starke Führungspersönlichkeit. Eine, die Dinge anspricht und die Ergebnisse fordert. Wichtig: Die Arbeit der Landkreisverwaltung möchte ich auf keinen Fall kritisieren.

Was wäre Ihre erste Amtshandlung, falls Sie zum Landrat gewählt würden?

Ich würde zuerst mit allen meinen Mitarbeitenden sprechen und mich vorstellen. Denn ohne ein Vertrauen und die Wertschätzung zwischen ihnen und ihrem neuen Dienstvorgesetzten wird es nicht funktionieren.

Herr Flake, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Inhalt teilen
  • kopiert!