Euphorische Freude ist es anfangs nicht, aber das könnte auch daran liegen, dass er ein guter Gewinner sein will. Oder es erst verarbeiten muss, dass er es tatsächlich geschafft hat. Oliver Flake steht auf und antwortet klar und deutlich mit „Ja“ auf die Frage, ob er die Wahl annehmen wolle. Dann huscht doch ein breites Lächeln über sein Gesicht. Oliver Flake, 53 Jahre alt, Kreisbrandrat und nun der Kandidat, mit dem die CSU in die Landratswahl 2026 starten will.
CSU Forchheim: Drei Kandidaten zur Wahl gestellt
Weil der amtierende Landrat Hermann Ulm aus gesundheitlichen Gründen nach dieser Legislatur Schluss machen will, braucht Forchheims Kreis-CSU neue Gesichter für die Landratsamts-Spitze. Auch an diesem Tag fehlt Landrat Ulm; dem Vernehmen nach, weil er noch wegen seines gebrochenen Fußes krankgeschrieben sei.
Doch die Nominierungsveranstaltung geht auch ohne Ulm über die Bühne. Drei Männer hatte der Kreisvorsitzende der CSU Michael Hofmann im Vorfeld dieser Nominierungsveranstaltung in die Öffentlichkeit getragen: Torsten Gunselmann, Sebastian Götz und Oliver Flake. Sie alle kommen an diesem sommerlichen Julisamstag in die Lindelberghalle in Igensdorf und wollen die gut 140 Delegierten aller Ortsverbände aus dem Landkreis davon überzeugen, dass sie der am besten geeignete Kandidat für die Landratswahl am 8. März 2026 sein würden.
Bewerbungsreden: Torsten Gunselmann, Sebastian Götz, Oliver Flake
Es ist Vormittag, nacheinander bekommen alle drei die Gelegenheit, den Anwesenden ihre Bewerbungsrede vorzustellen. Torsten Gunselmann, 46, beginnt und bekräftigt seinen Wunsch, Landrat werden zu wollen unter anderem damit, dass er fest verwurzelt sei im Landkreis und über große lokalpolitische Erfahrung verfüge. Er war sechs Jahre lange Bürgermeister in Hallerndorf, ist Kreisrat, Vorsitzender seiner Partei in Hallerndorf. Er spricht davon, bereit zu sein, persönliche Freiheiten zugunsten eines Amtes einzuschränken, mit dem sich richtungsweisende Ziele verfolgen ließen.
Gunselmann spricht lange, erntet Applaus im Saal. Nach ihm tritt Sebastian Götz ans Mikrofon. Der 38-Jährige ist ebenfalls im Kreistag vertreten und war sechs Jahre lang Zweiter Bürgermeister von Ebermannstadt. „Die Aufgaben sind vielfältig und der Landkreis steht vor vielen Herausforderungen“, sagt er. Auch Götz erntet Beifall.
Kurz darauf kommt Oliver Flake auf die Bühne. Der 53-Jährige hat bislang die geringste politische Erfahrung, kennt die Aufgaben und Probleme einer Landkreispolitik als amtierender Kreisbrandrat allerdings aus nächster Nähe. Frei und ungezwungen tritt er auf, redet am besten und wirkt beinahe befreit. „Danke, dass ich mich bewerben darf“, sagt er zu Beginn seiner Rede.
Inhaltlich unterscheiden sich die drei Wortbeiträge nur in Nuancen. Themen, die sie angehen wollen, klingen ähnlich. Gesundheitswesen zukunftssicher aufstellen, Digitalisierung vorantreiben, Zusammenarbeit mit den Kommunen stärken und den Landkreis wirtschaftlich, touristisch und gesellschaftlich vorantreiben. Wieder Applaus.
Kandidaten müssen in Stichwahl
Dann ist es 12.24 Uhr: Alle Wahlzettel von 141 Delegierten sind in den Wahlurnen verschwunden und werden ausgezählt. Zu diesem Zeitpunkt steht bereits fest, wer für die CSU als Kandidat für das Amt des Landrats bei den Kommunalwahlen 2026 antreten soll. Nur bekannt ist es noch nicht. Sowohl im Saal als auch am Tisch der drei Vorgeschlagenen Torsten Gunselmann, Sebastian Götz und Oliver Flake herrscht zu diesem Zeitpunkt Aufregung. Kein Wunder, geht es für die CSU um das große Ziel: dass sie auch weiterhin den Landrat des Landkreises Forchheim stellt.
Samstag, 12.30 Uhr: Die Spannung ist zu spüren im Saal. Doch die Wahlleiterin kann noch keinen Gewinner verkünden: Oliver Flake bekommt 60 der 140 abgegeben Stimmen, Torsten Gunselmann 48 und Sebastian Götz 32. Keine absolute Mehrheit erreicht. Damit müssen die Delegierten noch einmal zur Wahlurne schreiten und ihre Stimmen erneut abgeben.
Oliver Flake gewinnt knapp vor Torsten Gunselmann
Es kommt zur Stichwahl zwischen Torsten Gunselmann und Oliver Flake. Auch dieser Wahlgang geht schnell über die Bühne. 138 gültige Stimmen bleiben übrig, Punkt 12.53 Uhr wird der Gewinner verkündet. Es ist Oliver Flake.
Der 53-jährige Kersbacher, seit 24 Jahren verheiratet, Vater von mit zwei erwachsenen Kindern, der einmal Braumeister gelernt hat und aktuell für etwa 120 Wehren im Landkreis als deren Kreisbrandrat verantwortlich zeichnet.
„Ich bin erleichtert und dankbar über den Ausgang der Wahl“, sagt er. „Wir müssen es jetzt schaffen, den Landkreis in starker CSU-Hand zu belassen“, so Flake. Für ihn und seine Partei bedeute dies eine große Kraftanstrengung in den kommenden Monaten.
Gunselmann und Götz geben sich fair geschlagen
Nur sechs Stimmen mehr sind es, welche die Stichwahl am Ende entscheiden: Für Flake stimmen 72, für Gunselmann 66. Nach der Verkündung beeilen sich die Anwesenden, standesgemäß zu applaudieren und sich schnellstmöglich in die Reihe der Gratulanten einzureihen. Ganz vorne dran ist Martina Hebendanz, kürzlich selbst erst prominent gekürt worden – zur Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl in Forchheim.
Gunselmann und Götz wirken enttäuscht, wollen sich das aber nicht anmerken lassen. Sie applaudieren ebenfalls, gratulieren dem Gewinner und bedanken sich im Nachgang unisono für einen fairen Wahlkampf vor dem Wahlkampf.
CSU Forchheim bietet Bild der Einigkeit
Die CSU bietet an diesem Tag ein Bild der Einigkeit, nicht nur während des Gruppenfotos am Ende oder während der Selfies mit dem neuen Landratskandidaten vor der extra neu angeschafften Fotoleinwand. Geschlossen und freundschaftlich wirkt sie, die Forchheimer Christlich Soziale Union. So wie das Kreisvorsitzender Michael Hofmann zu Beginn der Veranstaltung von ihnen verlangt hat.
Das wird sie auch sein müssen, denn der Wahlkampf wird spannend werden – nicht nur, weil sie nicht auf den Bonus des Amtsinhabers setzen können. Sondern weil mindestens mit Freien Wählern, SPD und Grünen so viele Bewerber wie noch nie antreten werden.

















