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Ein Eggolsheimer für Forchheim
Nachfolger für Landrat Ulm? Dieser Grüne will es wissen
Der 51-jährige Martin Distler will für die Grünen. Forchheims Landrat. Ideen hat er schon viele - doch vorher muss ihn seine Partei noch offiziell nominieren.
Der 51-jährige Martin Distler will für die Grünen. Forchheims Landrat. Ideen hat er schon viele - doch vorher muss ihn seine Partei noch offiziell nominieren. // Foto: Stephan Großmann
Eggolsheim/Forchheim – Martin Distler will für die Grünen neuer Forchheimer Landrat werden. Der Eggolsheimer verspricht eine neue Ära der politischen Führung im Landratsamt. Doch erst muss seine Partei noch zustimmen.

„Dieser Landkreis hat etwas Besseres verdient!“ Damit bejahte Forchheims Grünen-Kreisvorsitzende Lisa Badum vor ein paar Monaten kämpferisch die Frage, ob sich jemand aus ihrer Partei um den frei werdenden Landratsposten bewerben wolle. Nun ist klar, wen sie und ihr Parteiteam meinen, wenn sie von etwas „etwas Besserem“ sprechen. Martin Distler aus Eggolsheim wird für die Grünen als Landrat kandidieren.

Grüne Landkreis Forchheim: „Bereit für das Landratsamt“

„Wir sind bereit für das Landratsamt“, sagt ein hörbar gut gelaunte Martin Distler am Telefon. Damit meint er die gut 250 Menschen, die der Grünen-Kreisverband mittlerweile rund um Forchheim stellt. Und damit meint er sich selbst, der es nun erstmals versuchen will, als Chef des Landratsamtes die Geschicke des Kreises zu lenken. 

Motiviert habe ihn letztlich auch sein langjähriger Mentor, der im Februar verstorbene Kreispolitiker Karl Waldmann. „Wir müssen uns nicht mehr hinten anstellen“, habe der ihm damals gesagt. Darum wolle er sich und seine grünen Ideen nicht mehr hinten anstellen, meint Distler.

Martin Distler, 51 Jahre alt, ist den Landkreisbürgern über die Grenzen Eggolsheims hinaus zum ersten Mal im Herbst 2023 bekannt geworden. Dann nämlich hatte Distler als grüner Direktkandidat für den Forchheimer Wahlkreis in den Bayerischen Landtag einziehen wollen, was schließlich nicht funktionierte. Nun wagt sich der gebürtige Neunkirchener erneut in einen Wahlkampf.

Vorgeschlagen hatte ihn der Parteivorstand, offiziell nominiert werden wird er aller Voraussicht nach am 21. Juli (19 Uhr, Kulturscheune Eggolsheim). Sollte sich bis dahin keine Gegenkandidatin oder kein Gegenkandidat zu Wort melden, gilt Distlers Einzug in den Wahlkampf als gesetzt.

Martin Distler aus Eggolsheim soll Landratskandidat werden

Distler wurde 2020 in den Eggolsheimer Gemeinderat gewählt, wo er seither als einziger Grüner versucht, seine Themen anzusprechen und durchzusetzen. „Die meisten lassen sich von Eggolsheim, wo wir schon vieles gut auf den Weg gebracht haben, auch auf den Landkreis übertragen“, sagt Distler. „Und offene Themen, die dringend angegangen werden müssen, gibt es viele“, sagt er.

Eines der Topthemen für Distler liegt in der praktischen Umsetzung der Energie- und Wärmewende. Es passiere bereits einiges im Landkreis, aber stets nur durch lokale Initiativen befeuert. „Der Landrat agiert leider bislang sehr defensiv, er muss mehr Stellung beziehen und loslegen“, so Distler. So wie er es dann täte, wenn er denn dürfte.

Führungserfahrung durch leitenden Job

Dass er in der Kreispolitik aufgrund eines fehlenden Kreistagsmandats noch über wenig Erfahrungen verfüge, bezeichnet er nicht als Schwächung. Die nötige Führungserfahrung will er aus seinem Job ziehen, er zeichnet als Leiter des Facility Managements der fränkischen Niederlassung eines britischen Umweltkonzerns eigenen Angaben zufolge für knapp 900 Mitarbeitende verantwortlich. Zudem ist er schnell in den Kreisvorstand seiner Partei aufgestiegen.

Martin Distler: „Landrat darf nicht nur verwalten, er muss vorangehen"
Martin Distler: „Landrat darf nicht nur verwalten, er muss vorangehen" // Foto: Distler/privat

„Das Landratsamt ist für viele wichtige Bereiche zuständig, etwa Bildung, Infrastruktur und Gesundheitsversorgung“, sagt er. Konkret meint er, Schulen bildungsgerecht zu entwickeln, die Krankenhausfinanzierung langfristig auf solide Beine zu stellen, Verkehrskonzept, Radwegesystem und Rahmenbedingungen für E-Mobilität konsequent weiterzuentwickeln. „Es muss endlich ein stärkerer Treiber sein, um diese Themen zukunftssicher voranzubringen“, so Distler. Ein Landrat dürfe nicht nur verwalten, so wie es seit Jahren der Fall sei. „Er muss vorangehen.“

Privat schlägt Distlers Herz für den Sport, seit Jahren steht er als Vorstand an der Spitze des mitgliederstarken DJK Eggolsheim. Und für seine Familie, also seine Frau und seine zwei Kinder. Den Grünen beigetreten ist Distler erst spät, 2019 war das. Sich selbst hat Distler einmal nicht als „Ur-Grüner“ bezeichnet, auch weil er Klima und Wirtschaft stets zusammen denken wolle.

Welche Chancen hat der Grüne Martin Distler?

Vor Distlers Grünen hatten sich bislang nur die Christsozialen aus der Deckung gewagt und ein Kandidaten-Trio präsentiert. Ob es letztlich Torsten Gunselmann, Sebastian Götz oder Oliver Flake werden soll, entscheidet sich am Wochenende. Zeitnah wollen auch die Freien Wähler und die restlichen Parteien einen Namen präsentieren.

Martin Distler selbst räumt sich reelle Chancen ein, auch wenn viele Wählergruppen die ehemaligen Ampelparteien (SPD, Grüne, FDP) auch noch bei den Kommunalwahlen abstrafen und im kommenden Jahr so viele Landratskandidaten wie noch nie auf den Forchheimer Stimmzetteln stehen dürften. „Für die CSU entfällt der Amtsinhaber-Bonus“, sagt er. Das sei eine gute Nachricht für die Herausforderer. „Der Ausgang der Wahl 2026 ist absolut offen.“

Kommunalwahlen sind erfahrungsgemäß mehr durch die Personenauswahl denn die Themenvielfalt geprägt. Für Distler heißt das in den kommenden Monaten (so er am 21. Juli offiziell nominiert wird), so viel wie möglich durch den Landkreis touren und sich und seine Ideen publik machen. „Am Ende entscheiden es dann die Wählerinnen und Wähler am 8. März 2026“, so Distler.

 

    

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