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Jetzt also doch
Mobile Bäume: Forchheims Nicht-Allee soll doch grüner werden
In der Hornschuchallee in Forchheim gibt es kaum noch Bäume. Das soll sich jetzt ändern - mit mobilen Lösungen.
In der Hornschuchallee in Forchheim gibt es kaum noch Bäume. Das soll sich jetzt ändern - mit mobilen Lösungen. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Forchheim ringt um Kühlung: Nicht nur an heißen Tagen steht die Hornschuchallee im Fokus für innovative Begrünungslösungen. Die sollen jetzt kommen – dafür geht eine andere Straße leer aus.

Die große Hitze ist vorerst vorüber. Doch manchen flimmern noch immer die Augen, seit sie in der vorigen Woche bei fast 40 Grad Celsius durch die Hornschuchallee gelaufen sind. Wer Schatten sucht, findet diesen lediglich unter den Schirmen der Gastronomen oder im toten Winkel eines Stadtbusses. Nicht zuletzt deswegen glimmt seit Monaten immer wieder der politische Streit darüber auf, ob wieder Bäume in der stark befahrenen (und beparkten) Straße gepflanzt werden sollen.

Greenpoints: Muster für Hornschuchallee sollen kommen

„Die Verwaltung wird beauftragt Muster für die mobilen Greenpoints als Ersatz für die entnommenen Bäume in der Hornschuchallee zu beschaffen“, dies haben Forchheims Stadträtinnen und Stadträte am frühen Dienstagabend im Umweltausschuss etwas überraschend einstimmig beschlossen. Mit Greenpoints gemeint sind große Pflanzbehälter für Bäume und Großsträucher, die immer dann flexibel und mobil eingesetzt werden sollen, wenn das richtige Pflanzen von Großbäumen nicht möglich ist oder nicht gewünscht ist.

Im ersten Schritt wolle die Stadt nun zwei bis drei Muster solcher mobilen Bäume erstehen und in der Hornschuchallee testen. „Hiernach könnten wir dann noch mehr aufstellen“, sagt Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) und reagiert damit auf den Antrag der Forchheimer Grünen, die einen sofortigen Ersatz der im Frühjahr gefällten Bäume in der Hornschuchallee gefordert hatten. Diese hatte die Stadt gemeinsam mit den Baumschutzbügeln entfernt, weil die „keinen ökologischen Wert mehr besessen“ hätten, wie es Kirschstein ausdrückt.

Viel Bäume sind nicht mehr übrig in der Hornschuchallee. Mobile Pflanzungen, sogenannte Greenpoints, sollen es nun richten.
Viel Bäume sind nicht mehr übrig in der Hornschuchallee. Mobile Pflanzungen, sogenannte Greenpoints, sollen es nun richten. // Foto: Stephan Großmann

Neugestaltung der Hornschuchallee lässt auf sich warten

In den vergangenen Wochen waberte bereits die Idee dieser Pflanzkübel durch die hitzeflimmernde Forchheimer Luft. Allerdings nicht für die Hornschuchallee. Für diesen verdichteten Hitze-Hotspot wartet man seit vielen Jahren schon auf den großen Wurf, die gesamte Straße soll für eine bessere Aufenthaltsqualität neugestaltet werden. Wann das geschehen soll? Unklar.

Darum sind die mobilen Pflanzkübel für die hitze- und abgasgeplagte Hornschuchallee ein Meilenstein für die lokale Klimafolgenanpassung. Wenn auch ein kleiner. Doch immerhin, mit Maßnahmen wie dieser will die Stadt einen Hitzeaktionsplan füllen und umsetzen, um sich und seine Einwohnerschaft für die geänderten Wetterbedingungen fit zu machen.

Forchheimer Grüne Liste (FGL): „Erst erledigt, wenn wirklich grüner“

Bei der Forchheimer Grüne Liste (FGL), namentlich ihren Mitgliedern im Umweltausschuss Ulrich Buchholz, Edith Fießer und Steffen Müller-Eichtmayer, bleibt die Stirn in Falten. Zumal selbst die für sie allenfalls als „kleine Lösung“ titulierte Idee (wie alle Projekte derzeit) unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Buchholz nennt es so: „Unser Antrag ist erst dann erledigt, wenn die Straße wirklich grüner geworden ist.“

Statt Hauptstraße nun Hornschuchallee

Dass in der Hornschuchallee nun doch so schnell eine Musterlösung starten soll, ist eher einem Zufall geschuldet. Eigentlich tüftelt Kirschsteins Verwaltung seit Monaten an einem Begrünungskonzept für die Hauptstraße, „aufgrund der zunehmenden Aufheizung der Innenstadt“, wie es heißt. „Da in der Hauptstraße durch Kabel, Leitungen und Kanäle im Boden sowie potenziellen Komplikationen durch das Bodendenkmal eine normale Pflanzung von Bäumen nur sehr schwierig möglich ist, sieht das Konzept eine oberirdische Lösung vor.“ Heißt: Greenpoints.

Dies kündigte Kirschstein bereits vor Wochen an und erklärte damals, die Erfahrungen aus der Hauptstraße eventuell in die Hornschuchallee übertragen zu wollen. Nun kommt es also umgekehrt. Während die Hauptstraße bei der Baumverteilung leer ausgeht, wird die Hornschuchallee zur wahrscheinlich mit Fördergeldern unterstützten Teststrecke.

Grau statt grün: In der Hauptstraße in Forchheim gibt es kaum Schattenspender - und das wird sich auch erst einmal nicht ändern.
Grau statt grün: In der Hauptstraße in Forchheim gibt es kaum Schattenspender - und das wird sich auch erst einmal nicht ändern. // Foto: Stephan Großmann

Expertengruppe Lebendige Zentren berichtet über Forchheim

Bei ihrem Nein für die Hauptstraße stützt sich die Stadt auf die Erkenntnisse einer national renommierten Expertengruppe, bestehend unter anderem aus Denkmalpflegern sowie Verkehrs- und Städteplanern. Diese Delegation hatte neulich Forchheims Innenstadt untersucht und nun ihren Abschlussbericht vorgelegt. Darin heißt es zwar, man müsse zwar gegen das „Risiko sommerlicher Hitzeinseln“ vorgehen.

Aber: „Diese Lösung [mit mobilen Baumkübeln] wird kaum zur Verschattung und Kühlung des Stadtraumes beitragen.“ Anstelle solcher „punktueller Lösungen“ solle eine „gesamtinnerstädtische Aufwertung des öffentlichen Raumes mit Maßnahmen zur strategischen Klimawandelfolgenanpassung verbunden werden“.

Hornschuchallee trotz des Experten-Neins

Umbau ja, Kübel nein. Dies hatte die Expertengruppe im Übrigen genauso auch für die Hornschuchallee festgestellt, dort aber zumindest keine Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes erkennen können. Deshalb und womöglich, weil diese Greenpoints schon länger Kirschsteins ureigener Wille sind, wenigstens dort sollen sie nun erst einmal kommen.

Wenngleich alle Fraktionen nach langer Diskussion einstimmig für die Musterbäumchen in der Hornschuchallee die Hand heben, für ein gleichzeitiges Ausprobieren in der Hauptstraße können sie sich nicht erwärmen. Sicherlich auch des Wahlkampfklimas geschuldet wird die Diskussion schnell recht hitzig.

Hitze Diskussion im Stadtrat Forchheim

Einzig die Grünen und die SPD sprechen sich klar dafür aus, die Hauptstraße als Testort gleich mitaufzunehmen. Manfred Hümmer (Freie Wähler) fände andere Maßnahmen sinnvoller, etwa die Entsiegelung von brachliegenden Flächen oder die Begrünung von Fassaden. Die CSU zeigt sich grundsätzlich offen für mehr Grün, ihr Fraktionsvorsitzender Josua Flierl wirft den Grünen wegen ihrem lautstarkem Nachpflanzdrang allerdings „blinden Aktionismus“ vor und verweist auf die weiterhin angespannte Haushaltslage.

Genau jene könnte es sein, die einer langfristigen und nachhaltigen Verbesserung in Hauptstraße und Hornschuchallee im Wege stehen könnte. Diese Greenpoints können jeweils schnell 10.000 Euro kosten, wie Beispiele aus anderen Städten zeigen. Hinzu kommt der jährliche Unterhalt. Immerhin 120.000 Euro hatte sich die Stadt für Nachpflanzungen und mobiles Grün im Investitionsplan für das laufende Jahr reserviert.

Ob sie das Geld tatsächlich für mehr kurzfristiges Stadtgrün nutzen will oder kann, muss sich noch zeigen.

 

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