Die Hornschuchallee kommt nicht zur Ruhe. Diesmal geht es nicht um die Immissionen des sich täglich durchquetschenden Verkehrs oder mitunter laut fluchender Parkplatzsuchender. Es geht auch nicht primär darum, dass die dringend notwendige Sanierung und Umgestaltung dieser innerstädtischen Verkehrsader seit fast 20 Jahren in der Theorie verhaftet bleibt. Vielmehr ärgern sich derzeit Teile des Stadtrats sehr laut darüber, dass immer mehr Bäume aus der einstigen Allee verschwinden. Ersatzlos.
Baumbestand in Hornschuchallee weiter rückläufig
Eine Allee ist eine „von hohen Bäumen dicht gesäumte Straße“, schreibt der Duden. Davon kann während einer Fahrt zwischen Marktplatz und Spitalstraße freilich längst nicht mehr die Rede sein. Gesäumt wird die Straße in der Hauptsache von parkenden Personenkraftwagen, dazwischen lugen Tische der Gastronomen hervor. Bäume sind in der Hornschuchallee ohnehin kaum noch vorhanden, das Ergebnis einer Baustellenaktion im Frühjahr dieses Jahres bringt vor allem die Forchheimer Grüne Liste (FGL) nun vollends auf die Palme.
„In Anbetracht einer deutlichen Zunahme von Sommertagen mit teils deutlich über 30 Grad Celsius werden Klimaanpassungen zur Vermeidung der Überhitzung von (Innen-)Städten immer wichtiger, ja überlebenswichtig – auch in Forchheim“, schreibt die FGL-Fraktion in einem Antrag, den sie am 27. Mai im Stadtrat vorstellen will. „Dabei ist ebenfalls allgemein bekannt, dass mehr Grün, insbesondere mehr Bäume in Innenstädten nicht nur Schatten spenden, sondern für Abkühlung sorgen“, führt die FGL weiter aus und resümiert: „Insofern ist es mehr als unverständlich, dass in Forchheim aller Erkenntnis zum Trotz genau das Gegenteil passiert“.
Mit diesem „Gegenteil“ ist gemeint, dass die Stadt im Frühjahr nicht nur wie gemeinsam beschlossen die Baumschutzbügel entfernen ließ (die zum Teil noch an bereits leeren Baumeinfassungen standen und laut Citymanagerin Susanne Winter dem „hohen Verkehrsaufkommen nicht förderlich“ gewesen seien), sondern in diesem Zuge gleich zwei weitere Bäume fällen ließ. Mehr noch: Die bisherigen Baumflächen (auch jene, die schon länger baumlos waren) wurden daraufhin zugepflastert. Die FGL schlussfolgert: „Es zeugt von geradezu erhabener Ignoranz gegenüber physikalischen Gesetzmäßigkeiten und dringend notwendigen Maßnahmen der Klimaanpassung, wenn Bäume schlicht und einfach durch Pflaster ersetzt werden“.
Darum fordern die Grünen die „umgehende Wiederbepflanzung“. Damit ist die FGL nicht allein, auch der Bund Naturschutz (BN) hatte bereits vor einigen Wochen medienwirksam Ähnliches verlauten lassen.
OB Uwe Kirschstein kontert Kritik von FGL und BN
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) nimmt die Kritik gelassen. Die beiden nun entnommenen Bäume seien am Ende ihrer Lebenszeit angekommen, hätten folglich ohnehin keinen ökologischen Wert mehr besessen. Entfernt habe man sie schließlich auch aus sicherheitstechnischen Gründen, sagt er. Um Stolperfallen zu vermeiden, habe man die entsprechenden Stellen dann wieder zugepflastert. Ein wenig wundere er sich nun über die Kritik, wie er sagt. Schließlich sei die aktuellen Vorhaben in der Hornschuchallee einstimmig im Stadtrat beschlossen worden.
„Ich teile den Wunsch, die Stadt mehr zu begrünen“, sagt er auf Nachfrage unserer Redaktion. Nur gelte es, vor nachhaltigen Pflanzungen erst einmal das konkrete Handlungskonzept für die Neugestaltung der Hornschuchallee abzuwarten. Doch hiervon will wiederum die FGL nichts wissen. Erstens geht die Fraktion davon aus, dass die Neugestaltung der Hornschuchallee sowieso „aus finanziellen Gründen kurzfristig nicht geschehen“ werde. Und zweitens: Neue Bäume würden die geplante Steigerung der Aufenthaltsqualität nicht stören, mehr noch, man müsse die Bäume einfach in die Planung integrieren.
Fehlende Finanzmittel lässt die FGL ebenfalls nicht gelten. Um neue Bäume zu pflanzen, bietet sie sich gar selbst an, verbindlich die Pflege von zumindest einem Ersatzbaum zu übernehmen. Davon, dass sich hierfür weitere Bürger finden ließen, sind sie überzeugt.
Kirschsteins Kompromiss: mobiles Stadtgrün
Noch nicht überzeugt von diesem Vorschlag zeigt sich OB Kirschstein und verweist erneut auf die in die Jahre gekommenen, aber noch gültigen Beschlüsse, das Sanierungskonzept Hornschuchallee umfassend zu realisieren.
Jedoch hat er eine andere Idee im Gepäck, die er ebenfalls am 27. Mai konkretisiert präsentieren möchte. Er könnte sich vorstellen, in der Hornschuchallee sogenanntes „mobiles Stadtgrün“ zu installieren. Was so viel wie übergroße Blumentöpfe für Bäume und andere Gewächse bedeutet.
Dies könnte analog zu den Überlegungen realisiert werden, die sich seine Verwaltung bereits für die Hauptstraße gemacht hatte; Konkretes solle bald der Öffentlichkeit vorgestellt werden, so Kirschstein. „Eine einheitliche Handschrift, auch in puncto Stadtgrün, würde ich mir schon wünschen“, sagt Kirschstein. Und sollte seine Idee der mobilen Bäumchen in der Hauptstraße Anklang finden, könnte man die „sehr leicht auf die Hornschuchallee ausweiten“.
Langfristig könnte die Hornschuchallee nach ihrer Umgestaltung also tatsächlich wieder alleenartiger werden. Doch weder hat die Stadt Forchheim aktuell Geld für Projekte dieser Größenordnung, noch haben die Innenstadtbewohner nach Paradeplatz und während Rathaussanierung den Atem für die nächste Großbaustelle. Der nächste heiße Sommer aber steht schon vor der Tür. Bleibt abzuwarten, ob sich Forchheims Stadtpolitik gemeinsam für eine Zwischenlösung erwärmen kann – zur Not in Pflanzkübelgröße.
















