Wohnungen. Bahnlinien. Straßen. Parkplätze. Industriegebäude.
Im Landkreis Forchheim wurde in den vergangenen Jahren und wird auch weiterhin viel gebaut. Das meiste davon unabdingbar, mindestens für die Daseinsvorsorge einer wachsenden Bevölkerung angemessen. Bis 2043 werden einer Berechnung des Bayerischen Landesamtes für Statistik (LfS) zufolge 3000 Menschen mehr im Landkreis wohnen als heute. Die müssen wohnen, arbeiten und sich bewegen. Sie brauchen saubere Luft, kühle Inseln gegen die längeren Hitzephasen im Sommer, grüne Oasen für die mentale Gesundheit. Das Problem: In den Landkreisgemeinden nimmt der Anteil an Grünflächen immer weiter ab.
Landkreis Forchheim und seine Gemeinden: Es grünt so grün?
Wie grün ist aber unser Landkreis? Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht als Antwort darauf.
Zuerst die gute. Auf den ersten Blick schauen die Zahlen gut aus und spiegeln den Eintritt einer Fahrradtour über die Sportinsel oder durch die Fränkische Schweiz wider. Der ländliche Kreischarakter macht sich bezahlt: In fast allen Kommunen macht Grün mindestens dreiviertel aller Flächen aus. Grüne Spitzenreiter sind die Gemeinde Hetzles (90,90 Prozent), der Markt Gößweinstein (90,57 Prozent) und Leutenbach (90,49 Prozent). Einzig die Kreisstadt Forchheim sticht als bevölkerungsreiches Oberzentrum naturgemäß heraus, laut Erhebung macht der Grünanteil 67,51 Prozent der 4444 Hektar großen Stadtfläche aus.
Grünflächen: So funktioniert die Datenanalyse von fraenkischertag.de
Als Grundlage für die Datenanalyse diente die Online-Datenbank des Landesamtes für Statistik in Fürth. Genauer die jährlich aktualisierte Tabelle der „Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung“. In dieser Tabelle listen die Fürther Statistiker alles auf, was die Gemeindeflächen bedeckt: Wohnhäuser, Straßen, Industrie, aber auch Felder und Wiesen. Für diese Recherche als „grüne Flächen“ berücksichtigt wurden Sportanlagen, Erholungsflächen, Grünanlagen, Friedhöfe, Ackerland, Weingarten, Grünland, Gartenland, Obstplantagen, Wald, Gehölz, Heide, Moor und Sumpf. Wir haben die neuesten Daten des Stichtages 31. Dezember 2023 aufbereitet, den Daten vom 31. Dezember 2014 gegenübergestellt und Unterschiede sichtbar gemacht.
Beinahe jede Forchheimer Kommune verliert Grünflächen
Auf die gute folgt die schlechte Nachricht. Im Vergleich zwischen Ende 2014 und Ende 2023 weist beinahe jede Gemeinde einen negativen Saldo auf. Heißt: Der grüne Flächenanteil schrumpft, insgesamt marginal, an einigen Orten aber erheblich. Poxdorf beispielsweise hat den Daten zufolge 20 Hektar verloren, was vor allem an einem erheblichen Minus an Ackerflächen liegt. Auch die Stadt Forchheim hat in den vergangenen Jahren 42 Hektar Grünflächen eingebüßt, auch dort ist weniger Ackerland die Hauptursache.
Auch die Erholungsflächen, also beispielsweise Parks, Spiel- und Campingplätze, sind in vielen Gemeinden geschrumpft. Etwa in Kunreuth, Wiesenttal, Hausen und in Forchheim. Immerhin: Manche Kommunen haben in dieser Rubrik zulegen können, zum Beispiel Pinzberg, Neunkirchen und Poxdorf.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass in allen Gemeinden im selben Zeitraum der Anteil an Wohnbaufläche zugenommen hat. Landkreis übergreifend um mehr als acht Prozent. Das mag der wachsenden Bevölkerung immerhin punktuell Rechnung tragen, die Grünflächenbilanz allerdings trübt es.
Wohnen, Infrastruktur, Handel und Gewerbe: Flächenversiegelung in Bayern
Laut Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) wachse vor allem der Flächenanteil für Wohnen, Infrastruktur, Handel und Gewerbe. Landesweit seien demnach im Jahr 2023 im Schnitt 12,4 Hektar an Freiflächen täglich für diese Zwecke umgenutzt worden. Das entspricht in etwa 17 Fußballfeldern. Angelehnt an die nationale Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes strebt die Bayerische Staatsregierung bereits seit Jahren an, die Flächenversiegelung bis 2030 auf fünf Hektar pro Tag zu begrenzen. Bislang ohne Erfolg; zuletzt ist der Schnitt sogar leicht gestiegen.
Kommunen machen Hausaufgaben zum Teil, Privatleute weniger
Das könnte fatale Auswirkungen haben, seit Jahren weist die Klimafolgenforschung darauf hin.
Aber positiv sei, dass das Thema in den Rathäusern längst angekommen sei, sagt Franz Ullrich. Der Bamberger Regierungsbaumeister, Architekt und Stadtplaner beschäftigt sich schon lange mit der Entwicklung von Städten. Öffentlicher Raum und Freiräume gehören zu einer Siedlung genauso wie die Baukörper. Sein Fazit: „Die Stadtplanung nimmt diese Freiräume bereits sehr ernst.“
Die größeren Sünden würden mittlerweile weniger auf öffentlichen Bauplätzen geschehen, sondern auf den privaten Grundstücken, sagt er. Vor allem im ländlichen Raum sei das ein Phänomen, findet er. Schottergärten, zugepflasterte Einfahrten, kaum größere Bäume, keine Dachbegrünungen – salopp gesagt weise ein neuer Supermarktparkplatz dank der strengen Auflagen und Ausgleichsflächen heutzutage eine bessere Klimabilanz auf als ein neu gebautes Einfamilienhaus.
Warum Grün in einer Stadt so wichtig ist
Und doch biete ein Blick in die Innenstädte, auch in Forchheim, ungehobenes Potenzial für mehr Grün. Wenn schon nicht durch Neupflanzungen, dann wenigstens durch ausreichende Bestandspflege, so Ullrich. „Wenn der Wille da ist, lässt sich auch in Städten mit historischen Altstadtkernen einiges tun“, sagt er.
Warum Städte grüne Lungen brauchen, erklärt Ullrich anhand von fünf Punkten:
- Grünflächen schaffen Biodiversität, die ökologische Bedeutung sei immens
- Vor allem große Bäume (sogenannte Solitärbäume) spenden Schatten
- Grünflächen schaffen Verdunstungskühle
- Grünflächen bilden Grundlage für Wasserkreislauf (Stichwort Schwammstadt)
- Grünflächen fungieren als gestalterisches Element
Forchheim und das Grün: Was geht – und was nicht
Nehmen wir das Beispiel Forchheim als bevölkerungsreichste Stadt im Landkreis. Die Stadt ist zumindest auf dem Weg, spätestens mit der Verabschiedung des Klimaschutzkonzeptes im Jahr 2023. Darin finden sich 51 Maßnahmen, die nach und nach umgesetzt werden sollen. Jedenfalls dann, falls es jeweils eine politische Mehrheit dafür gibt. Und das Geld.
Dinge wie die nachhaltige Umgestaltung des Stadtwaldes, der Bau öffentlicher Trinkwasserbrunnen, die Erstellung eines Hitzeaktionsplans, die „systematische Begrünung von Dächern und Fassaden im Bestand und im Neubau“ sowie der perspektivische Umbau Forchheims zur „Schwammstadt“, um versickerndes Wasser besser zu halten.
Stand heute ist die Liste der To Do’s noch um einiges länger als die des bereits erreichten. Viel zu tun für Forchheims Klimaschutzmanagerin Sophia Ramer, die überdies ein Klimaschutz-Controlling implementieren und eine regionale Vernetzung weit über die Stadtgrenzen hinweg vorantreiben will. Vor allem den letzten Punkt kann Stadtplanungs-Experte Franz Ullrich als gute Idee bestätigen.
Best-Practice-Beispiel in Franken gibt es
„Best-Practice-Beispiele gibt es einige in der Region“, sagt er. Beispielsweise gehe Ebermannstadt seine Stadtentwicklung beeindruckend nachhaltig an, auch in Coburg passiere viel Gutes. Als „Vorreitermodell“ bezeichnet Ullrich darüber hinaus die Nachpflanzung an der Alten Mainbrücke in Würzburg, in dem Zisternen unter dem Pflaster eingebaut worden sind, um das Regenwasser zur Bewässerung der Bäume zu speichern.
Ein neugieriger Blick über die Tellerränder lohnt sich für alle Kommunen im Landkreis, genauso wie für die bauwilligen Einwohner. Denn der nächste Dürre-Sommer steht schon vor der Tür.
+++Ihre Gemeinde ist vorbildlich beim Klimaschutz? Sie gestalten selbst ein Grünflächen-Projekt? Melden Sie sich gerne bei per Mail bei uns unter dem Stichwort „Grünflächen" an forchheim.redaktion@fraenkischertag.de. +++

















