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Im Herbst soll es losgehen
Forchheim stockt auf: Zweites Medical Valley Center geplant
Das Medical Valley Center in Forchheims Süden holt seit 2017 Start-ups und junge Firmen in die Königsstadt. Nun soll es erweitert werden.
Das Medical Valley Center in Forchheims Süden holt seit 2017 Start-ups und junge Firmen in die Königsstadt. Nun soll es erweitert werden. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Forchheim soll ein zweites Medical Valley Center bekommen. Das wäre eine große Chance für lokale und internationale Start-ups. Und Forchheims geplagte Stadtkasse.

Ilse Aigner kommt wahrscheinlich nicht wieder zur Einweihung. Die damalige bayerische Wirtschaftsministerin (und heutige Landtagspräsidentin) war es, die der Forchheimer Wirtschaftsgeschichte am 9. Januar 2017 einen prominenten Rahmen verliehen hatte: der Eröffnung des Medical Valley Centers. Seither ist viel passiert und die Königsstadt hat sich zu einem der bedeutendsten bayerischen Standorte für Medizintechnik gemausert. Einen Anteil daran trägt das Medical Valley Center (MVC), von vielen als Erfolgsgeschichte gelobt. Und eine, die nun noch größer geschrieben werden soll.

Das markante Gebäude in der Äußeren Nürnberger Straße soll Zuwachs bekommen; wahrscheinlich schon ab dem kommenden Herbst.
Das markante Gebäude in der Äußeren Nürnberger Straße soll Zuwachs bekommen; wahrscheinlich schon ab dem kommenden Herbst. // Foto: Stephan Großmann

Medical Valley Center II: Neubau in Forchheims Süden geplant

„Die Medical Valley Forchheim GmbH beabsichtigt von den in ihrem Wirtschaftsplan 2025 vorgesehenen Kreditaufnahmen Gebrauch zu machen; um ein weiteres Bürogebäude (Arbeitstitel: Medical Valley Center 2) zu errichten.“ So steht es in der Beschlussvorlage, laut derer die städtische Tochtergesellschaft bei Forchheims Stadtrat um Zustimmung einer Bürgschaft für das kreditgestützte Vorhaben gebeten hat.

„Das Medical Valley Center ist ein Leuchtturmprojekt für die gesamte Region“, sagt der Geschäftsführer Viktor Naumann. In den vergangenen acht Jahren habe er über das MVC zahlreiche Start-ups, Unternehmen sowie wissenschaftliche Einrichtungen wie das Fraunhofer-Institut und das Kompetenzzentrum für Nanotechnologie und korrelative Mikroskopie (INAM) nach Forchheim holen können. Und viel wichtiger, so Naumann, in Forchheim halten können.

Baubeginn noch in diesem Jahr angedacht

Um dies auch weiterhin gewährleisten zu können, braucht das MVC jedoch mehr Platz. Daher beabsichtigt Naumann, direkt neben dem MVC einen Neubau anzuschließen, das Medical Valley Center II. Es soll in etwa halb so groß werden wie das bestehende L-förmige Haus mit seinen 2370 Quadratmetern, viele neue Büroflächen bieten und eventuell sogar neue Labor- und Testflächen. Ein konkretes Baukonzept liege laut Naumann bereits vor, solle aber zuerst dem Stadtrat im Bauausschuss vorgelegt werden. Das wiederum geschieht frühestens im Juli.

Weil Naumann auf einen Baubeginn noch im Herbst dieses Jahres schielt, hofft er darauf, dass der Bauantrag schnell durchgeht. Nach zwölf bis maximal 18 Monaten soll das MVC II laut Plan fertig sein und erste Unternehmen die Räumlichkeiten beziehen können.

Viktor Naumann
Viktor Naumann // Foto: Stephan Großmann

Was das Medical Valley Center für Forchheim bringt

Das Prinzip des Medical Valley Centers liegt darin, jungen Firmen und Start-ups eine sichere und günstige Umgebung zu bieten, um sich auf Innovation und Forschung zu konzentrieren. Weil die Fördersätze für die Firmen zeitlich begrenzt sind, hofft Naumann mit diesem Neubau darauf, diese Innovationsträger auch dauerhaft in Forchheim halten zu können. Langjährige Partner könnten dann einfach ein paar Meter weiter einziehen und dort auf langfristige Perspektive setzen. „Weil wir diesen Bau diesmal alleine über die Medical Valley Center GmbH realisieren, haben wir keine zeitlichen Beschränkungen mehr für unsere Mieter“, sagt Naumann.

Aktuell arbeiten in dem auffälligen Bürokomplex in der Äußeren Nürnberger Straße zwischen 150 und 180 Menschen, 15 bis 20 Unternehmen sind in der Regel angesiedelt. „Die Auslastung unserer Flächen liegt meist zwischen 94 und 98 Prozent“, so Naumann. Viele dieser Firmen lägen in Transformationsprozessen beziehungsweise noch am Anfang; manche schaffen den Sprung in dauerhaft erfolgreiches Wirtschaften. Jene in unmittelbarer Nähe des medizintechnischen Campus (Siemens Healthineers sind beispielsweise gleich nebenan) zu halten, gehört zu den großen Zielen, die Naumann mit dem Neubau verbindet.

Siemens Healthineers fertigt in Forchheim Computertomografen und modernste Angiographie-Systeme an, außerdem baute die AG ihre Healthcare-IT-Sparte immer weiter aus. Zusätzlich haben sich Zulieferer und Dienstleister angesiedelt, wie beispielsweise die Logistikunternehmen Simon Hegele und die Hans Geis GmbH. Hinzu kommen viele weitere potenzielle Partner in der Medizintechnik.

Vision: Forchheim zum Hochschulstandort machen

Doch Naumanns Vision reicht weiter. Schon während Ilse Aigner das MVC vor mehr als acht Jahren einweihte, war Forchheim als möglicher Hochschulstandort im Gespräch. Spätestens mit einem zweiten Medical Valley Center sieht Naumann die Stadt dieser Idee ein Stückchen weiter. „Wir müssen Angebote schaffen, um eine Chance zu haben. Und ein florierendes MVC ist ein solches Signal an die Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, dass sich ein Blick nach Forchheim lohnt.“

Die Hürde der Kreditbürgschaft hat Naumann genommen („dafür bin ich dem Stadtrat dankbar“), ein positiver Bescheid im Bauausschuss gilt als Formsache. Dann dauert es nicht mehr lange, bis der Medizintechnikstandort Forchheim eventuell weitere Vorzeigeunternehmen anziehen könnte. Und mit ihnen die aktuell mehr denn je so dringend benötigten Gewerbesteuereinnahmen.

 

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