Der Ruf von Hemdsärmeligkeit eilt Hubert Aiwanger seit jeher voraus. Dass seine Ärmel hochgekrempelt sind, als er am Donnerstag den Konferenzraum im Forchheimer Medical Valley Center betritt, mag aber hauptsächlich den Junitemperaturen geschuldet sein. Auf der anderen Seite hilft ihm das Bild des ärmelhochkrempelnden Anpackers bei seiner Botschaft, die er an diesem Tag den hiesigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik mitbringen will. „Wir unterstützen euch, wir sind für euch da.“
Hubert Aiwanger: Lob für Forchheims Wirtschaft
Worte eines Wirtschaftsministers, die Firmenchefs – auch im Namen ihrer Mitarbeitenden – immer gerne hören. Ebenso Aiwangers Lob, es sei „beeindruckend“, wie gut es in der Region rund um die Fränkische Schweiz vorangehe. Und dass es ebenfalls beeindruckend sei, wie viele familiengeführte Mittelständler hier Großartiges leisteten. Vor allem die Medizintechnik gehöre zu den Zukunftstechnologien, in denen man weiterhin Geld verdienen könne.
Welche gelungene Überleitung für Viktor Naumann, seines Zeichens nicht nur Wirtschaftsförderer der Stadt Forchheim, sondern auch Geschäftsführer des Medical Valley Centers. Unter dessen Dach forschen und entwickeln einige bemerkenswerte Firmen und Start-Ups Produkte vor allem rund um das weite Feld der Medizintechnik. Doch längst strebe man Exzellenz weit darüber hinaus an, so Naumann. Ohne gute Energieversorgung sei auch kein nachhaltiges Wachstum in der Medizintechnik möglich.
Prominente Gästeliste im Medical Valley Center
Drum hat Naumann gemeinsam mit den Forchheimer Freien Wählern (FW) eine illustre Gästeliste zusammengestellt, um die Herren Minister Aiwanger in Begleitung seines Kabinettskollegen Umweltminister Thorsten Glauber (beide FW) zu beeindrucken. Dies gelingt. Nur wenig abgelenkt lauscht der Minister den Firmenpräsentationen. Und tatsächlich sind es bemerkenswerte Unternehmensprofile, die im Landkreis in manch unscheinbarer Fabrikhalle zu finden sind.
Hubert Aiwanger im FT-Gespräch:
Da ist zum einen die Siemens Energy AG, die an ihrem Forchheimer Standort elektrische und elektronische Komponenten für große Stromtrassen (etwa für Südlink und Südostlink) testet. Da ist zum anderen die Firma Anlagenbau Neundörfer, die in Langensendelbach (und bald zusätzlich in Forchheim) spezielle Kühlanlagen für Windräder und Elektrolyseure fertigt. Da ist die IBL Löttechnik, die eine große Produktionsstätte für die Halbleiterproduktion in Forchheim starten will. Da ist Lina Thera, ein Unternehmen, das von Hallerndorf aus einmal die Krebstherapie revolutionieren will.
Und. Und. Und.
Aiwanger nickt oft, fragt das eine oder andere nach, wirkt zufrieden. Hier bei Forchheims Wirtschaftsgranden wird er nicht nur zufriedenstellend unterhalten, sondern auch mit offenen Armen empfangen. Wenig verwunderlich, laut der neuesten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oberfranken vom Mai verbesserte sich die Geschäftslage aktuell leicht, damit auch die Stimmung. IHK-Präsident Sven Waasner bestätigt das noch einmal: „Der Landkreis Forchheim wächst dynamischer als andere Landkreise in Oberfranken.“
Kritische Nachfragen nur off the record
Kritische Töne bleiben auf der Bühne aus, der Aiwanger-Besuch sollte als PR-Termin für die eigene Sache dienen und das positive Signal nach München senden: „Ihr könnte auf uns bauen.“ Einige wenige kritische Töne und Nachfragen lassen sich dann nach Ausschalten der Mikrofone vernehmen, bei Häppchen und Kaffee. Mehr Handlungsspielraum vor Ort wünsche man sich, Planungssicherheit, natürlich finanzielle Unterstützung, bestenfalls gar eine Hochschule im Landkreis.
Wirtschaftsminister Aiwanger hört sich all die Anliegen brav an, auch dafür ist er gekommen. Notizen macht er sich keine, aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Politik ist eben mehr als nur das Füllen von To-do-Listen. Nach knapp 90 Minuten schaut Aiwanger in die Runde, „Ham mer’s oder?“. Dann krempelt er seine zwischenzeitlich leicht nach unten gerutschten Ärmel wieder hoch und verabschiedet sich. Der nächste Termin mit den nächsten Präsentationen und leisen Nachfragen wartet.
Lesen Sie auch:















