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Überraschende Nachricht
Nach fast 75 Jahren: Schreibwarengroßhandel Erlwein schließt
Ende 2024 ist Schluss - der Schreibwarengroßhandel schließt. Das sind die Hintergründe.
Ende 2024 ist Schluss - der Schreibwarengroßhandel schließt. Das sind die Hintergründe. // Stephan Großmann
Forchheim – Die Nachricht trifft Forchheim plötzlich und unerwartet: Der Erlwein Schreibwarengroßhandel in der Dieselstraße schließt zum Ende des Jahres. Was das für Firma und Beschäftigte heißt.

Schlechte Nachrichten verbreiten sich immer schnell. Es ist Anfang Juni, als Geschäftsführer Dieter Erlwein seine Belegschaft zu einer plötzlichen Betriebsversammlung einlädt. Das Thema ist kein Positives: Die Karl Erlwein GmbH in der Dieselstraße in Forchheim, den meisten besser bekannt als Erlwein Schreibwaren-Fachgroßhandel, stellt zum Ende des Jahres ihren Betrieb ein.

Aufgelöst wendet sich daraufhin ein langjähriger Mitarbeiter, der lieber nicht erkannt werden möchte, an unsere Redaktion und erzählt vom plötzlichen Aus ihres Arbeitgebers. Die Kündigungen seien bereits verschickt worden, um Verständnis bittend, aber nachdrücklich sei ihnen nahegelegt worden, sich bestenfalls bereits nach einer neuen Stelle umzuschauen.

Das sagt Geschäftsführer Dieter Erlwein

Die Nachricht trifft Forchheim überraschend. So geht die Kurve der Bilanzsumme der Firma laut des Online-Registers North Data nach schrumpfenden Zahlen seit 2020 wieder bergauf. Aber scheinbar reicht das nicht. Auf die Schließung seiner Firma angesprochen, winkt Geschäftsführer Dieter Erlwein zunächst ab, meldet sich aber kurz darauf mit einem emotionalen Statement zu Wort.

Er bestätigt per Mail und mit „großem Bedauern“, dass sein Schreibwarengroßhandel zum 31. Dezember schließen müsse. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, wir blicken auf fast 75 Jahre Firmengeschichte und drei Generationen, die das Unternehmen mit Herzblut geführt haben, zurück. Leider hat sich die wirtschaftliche Lage aufgrund ständig steigender Kosten einhergehend mit massiven Umsatzverlusten so dramatisch verschlechtert, dass wir keine Möglichkeit sehen, unsere Firma erfolgreich weiterzuführen“, schreibt er.

Unbestätigten Angaben zufolge trifft das baldige Aus etwa 50 Mitarbeitende.
Unbestätigten Angaben zufolge trifft das baldige Aus etwa 50 Mitarbeitende. // Stephan Großmann

Wie es für die Mitarbeitenden nun weitergeht

Wie es für die gut 30 Mitarbeitenden nun weitergeht, ist offen. „Wir wissen, dass für viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Schließung einen ebenso großen Einschnitt bedeutet wie für uns. Wir wünschen Ihnen für die berufliche und private Zukunft alles erdenklich Gute und hoffen, dass aufgrund der Arbeitsmarktlage jeder einen neuen Arbeitsplatz nach seinen Wünschen findet“, schreibt Erlwein.

Laut dem Mitarbeiter, der sich anonym an den FT gewandt hatte, gibt es keinen Betriebsrat. Nachgefragt bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die unter anderem für den Versand- und Großhandel verantwortlich zeichnet. Gewerkschaftssekretär Paul Lehmann sagt auf Anfrage, dass es ohne einen Betriebsrat auch für Verdi schwierig sei, von außen auf möglichst sozialverträgliche Bedingungen der Kündigung hinzuwirken. Zwar könnten Beschäftigte über eine sogenannte Kündigungsschutzklage nachdenken; hierfür räumt er ihnen aber wenig Aussicht auf Erfolg ein.

Verdi: Manteltarifvertrag ist allgemeinverbindlich

Interessanter ist für die Erlwein-Beschäftigten eine ganz andere aktuelle Entwicklung. Am Freitag findet die elfte Tarifverhandlung für die rund 240.000 Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel statt. Dieser Ausgang ist zwar unklar. Aber seit dem 1. Juni ist der Manteltarifvertrag für die Branche bereits für allgemeinverbindlich erklärt worden.

Das bedeute, dass Tarifverträge für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer der gesamten Branche gelten. Laut Verdi müssten dann alle Arbeitgeber in der Branche, auch die nicht Mitglieder der tarifschließenden Parteien sind, die Regelungen des Tarifvertrags befolgen. Das betrifft unter anderem Regelungen zu Arbeitszeiten und Urlaubsansprüchen.

Im konkreten Fall der Firma Erlwein würden sich dadurch möglicherweise Kündigungsfristen empfindlich verschieben. Ein Beispiel: Laut Tarifvertrag hat eine Fachkraft, die mehr als 20 Jahre im Unternehmen tätig ist, eine Kündigungsfrist von sieben Monaten. Um etwas Konkretes sagen zu können, müsse man aber den Einzelfall anschauen, erklärt Paul Lehmann von Verdi.

Dieter Erlwein, dem das baldige Ende seiner Firma sichtbar nahegeht, verspricht, alles dafür zu tun, „um in den verbleibenden sieben Monaten weiterhin als zuverlässiger Geschäftspartner zur Verfügung zu stehen.“

Die Firma besteht bereits seit 1950. Im Jahr 1970 bezieht der Großhandel seine Gebäude im Industriegebiet und wächst im Laufe der Jahrzehnte stetig. Aktuell wird das Unternehmen laut Impressum vom Trio Emil Erlwein, Doris Latocha und Dieter Erlwein geführt. Die große Feier zum 75. Jubiläum wird es nun nicht mehr geben. 

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