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Nahversorgung
Rewe-Nachfolger am Paradeplatz: Tut sich endlich was?
Eine Lösung für die  Nachfolge des Rewe-Marktes scheint in Sicht. So heißt es aber schon lange. Wie nun der aktuelle Stand ist.
Eine Lösung für die Nachfolge des Rewe-Marktes scheint in Sicht. So heißt es aber schon lange. Wie nun der aktuelle Stand ist. // Stephan Großmann
Gastronomie
Forchheim – Seit August 2021 müssen Forchheims Innenstadtbewohner auf einen großen Supermarkt am Paradeplatz verzichten. Seither laufen Gespräche über einen neuen Nahversorger. Warum es hakt und wie es weitergeht.

Das Amtsgeschäft ist erledigt, kurz Zeit zum Bummeln war auch, jetzt fehlt nur noch der Wocheneinkauf. Eigentlich kein Problem, beispielsweise per Lastenrad ließen sich die Lebensmittel leicht vom Stadtzentrum aus nach Hause transportieren. Oder gar zu Fuß, falls man eine Wohnung in der Innenstadt ergattern konnte. Nur gibt es da nach wie vor ein Problem: Es gibt keinen großen Supermarkt in Forchheims Stadtzentrum. Nicht mehr. Aber: Irgendwann wieder. Oder?

Rewe am Paradeplatz seit August 2021 geschlossen

14. August 2021, die letzten Kunden verlassen mit allerlei Schmackhaftem oder Nützlichem den Rewe-Markt am Paradeplatz, Hausnummer 13. Danach geht alles ganz schnell: Der Supermarkt wird leergeräumt, die vier übergroßen roten Buchstaben R-E-W-E abgeschraubt. Als einen der Hauptgründe für das Aus nennt eine Rewe-Sprecherin damals die „zu geringe Kundenfrequenz“. Seither schauen Forchheims Innenstadtbewohner, die Mittagspausen-Einkäufer sowie Hunderte Schüler auf eine entleerte Spiegelfassade.

Im August 2021 konnten die Forchheimer zum letzten Mal im Rewe am Paradeplatz einkaufen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Im August 2021 konnten die Forchheimer zum letzten Mal im Rewe am Paradeplatz einkaufen. // Barbara Herbst/Archiv

Nachfolge, Eigentumsverhältnisse und viele Fragen

Dass nichts passiere, das wollen alle jene, die sich um das Wohl der Innenstadt bemühen, selbstverständlich so nicht stehen lassen. Tatsächlich tuckert seit Jahren eine Apparatur im Hintergrund, die das Nahversorger-Problem in Forchheims Innenstadt lösen soll. Selbstredend keine echte Apparatur, vielmehr ein Gewirr aus Gesprächen und Überlegungen, Verantwortlichen und Verträgen, deren komplexes Zusammenspiel es selbst den Problemlösenden nicht immer leicht macht, den aktuellen Stand publikumswirksam herauszustellen.

Um zu verstehen, ob und wie es im ehemaligen Rewe-Markt am Paradeplatz weitergeht, lohnt sich ein Blick hinter die gut behüteten Kulissen. Immer spannend bei solchen Leerstands-Krimis ist die Frage, wem das Haus eigentlich gehört. Datenschutz und Verschwiegenheiten machen es nötig, den offiziellen Weg über das Grundbuchamt zu gehen. Aus dessen Unterlagen geht hervor, dass die Eigentümerin – die Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft – ihren Sitz im 447 Kilometer entfernten Duisburg hat. Seit 2015 befindet sich die Immobilie in ihrem Eigentum, wie eine Nachfrage dort ergibt. Weitere Immobilien besitze man im Landkreis Forchheim nicht, heißt es weiter.

Eine Forchheimer Dependance der Pensionskasse am Paradeplatz scheidet jedoch aus, das Haus dürfte lediglich ein klitzekleines Teilchen des fast 270 Millionen Euro schweren Immobilienanteils der Kapitalanlagen angehören, mit dem die Versicherungsgeschäfte abgesichert werden soll. Übliche Praxis. Darum hat die Pensionskasse naturgemäß wenig Interesse an der tatsächlichen Nutzung ihrer Immobilie, freut sich aber selbstredend darüber, mit der Rewe-Gruppe einen langjährigen Mieter im Boot zu haben.

Rewe weiterhin Hauptmieter der Immobilie

Und dieses Mietverhältnis besteht weiterhin, wie die Rewe-Sprecherin auf Nachfrage aktuell noch einmal bestätigt. Obwohl der Markt seit fast drei Jahren ausgezogen ist? Schwer vorstellbar, dass eine auf ökonomische Effizienz getrimmte Supermarkt-Kette über Jahre Mietkosten nach Duisburg überweist, ohne einen Nutzen zu erwarten.

Schließlich sprechen wir von viel Geld. Wie viel, verrät selbstredend niemand. Wie eine Nachfrage bei einem gut vernetzten Immobilienexperten aus Forchheim ergibt, könne man „bei einem Objekt wie diesem am Paradeplatz von einer Miete zwischen 12 und 15 Euro pro Quadratmeter ausgehen“, sagt dieser. Hinzu kämen noch etwaige Nebenkosten. Knapp 830 Quadratmeter misst alleine der Verkaufsraum: So summieren sich die Mietkosten schnell auf 10.000 Euro. Jeden Monat.

Stadt Forchheim ist Untermieterin - und hat große Pläne

Ein Player in diesem Spiel blieb bisher außen vor in dieser Analyse: die Stadt. Seit dem Rewe-Aus bemüht sich die Stadtverwaltung darum, dort wieder einen Nahversorger anzusiedeln. Bislang vergeblich. Aber, wie Stadtsprecherin Britta Kurth bestätigt, seit mindestens zwei Jahren habe die Stadt diese Immobilie schon als Untermieterin in Beschlag. Über die Gründe, warum Oberbürgermeister Kirschsteins Verwaltung recht schnell selbst in die Bresche springen wollte, kursieren allenfalls Gerüchte. Unbestätigt, aber hartnäckig. Etwa, dass die Stadt mit der Anmietung das rasche Einziehen eines Ein-Euro-Marktes habe verhindern wollen.

So bezahlt also die Stadt seither die Miete. Angesichts der seit neuestem als „klamm“ deklarierten Kassenlage der Königsstadt gefällt das nicht allen, zumal die teure Immobilie (in zwei Jahren sind Kosten von rund 240.000 Euro nicht unrealistisch) seit August 2021 ausschließlich durch standhafte Leere glänzt. Hin und wieder gibt es Wiederbelebungsversuche, etwa den Ruf der Forchheimer Grünen Liste nach einer Zwischennutzung als Kunstgalerie. Dieser Ruf verhallte im Juli 2023 denkbar knapp (mit acht zu sieben Stimmen abgelehnt) in den Tiefen des Kulturausschusses.    

Nachnutzung erst nach Fertigstellung Paradeplatz

So soll der Paradeplatz ab Herbst aussehen.Forchheim & Fränkische Schweiz
So soll der Paradeplatz ab Herbst aussehen. // Visualisierung/Archiv

Der Vorteil: Als Untermieterin dürfe die Stadt Forchheim aktiv über mögliche künftige Betreiber entscheiden, man müsse Rewe nicht mehr ins Boot holen, schreibt Kurth. „Die Stadt bemüht sich weiter intensiv, dass an diesen Standort die Versorgung für die Bevölkerung mit Lebensmitteleinzelhandel gesichert wird“, heißt es weiter. Man stehe mit Unternehmen in Verhandlung. Ein Satz, der sich gefühlt gleichlautend seit Monaten durch die Presse-fragt-Stadt-antwortet-Schleife zieht.

Immerhin eine Gewissheit gibt es, ebenfalls schon länger: „Schon heute aber ist klar, dass eine Vermietung erst nach Fertigstellung des Paradeplatzes realisiert werden kann.“ Der Umbau liege immerhin – Stand heute – halbwegs im Zeitplan, sodass Stadtsprecherin Kurth mit der Freigabe im September oder Oktober rechnet. Ob und ab wann dann im Erdgeschoss am Paradeplatz 13 wirklich wieder die Scanner an den Kassen piepen, bleibt hingegen weiterhin ungewiss.

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