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Genau hingeschaut
Mekka für E-Autofahrer? Die Fränkische Schweiz im Lade-Check
Lässt es sich bequem per E-Auto durch die Fränkische Schweiz reisen? Die Meinungen gehen auseinander.
Lässt es sich bequem per E-Auto durch die Fränkische Schweiz reisen? Die Meinungen gehen auseinander. // Illustration: Franziska Schäfer
Landkreis Forchheim – Viele Touristen und Ausflügler sind mit dem Auto in der Fränkischen Schweiz unterwegs. Manche auch elektrisch. Wie es um die Ladeinfrastruktur bestellt ist, warum es Lob gibt und wo es noch hapert.

Eingerahmt vom Ambiente des historischen Marktplatzes schmeckt der Cappuccino noch besser. Thomas Künzel und seine Frau sind das erste Mal in Ebermannstadt, überhaupt in der Fränkischen Schweiz. Dass sie an diesem Apriltag genau dort sitzen, verdanken die beiden Touristen aus Niedersachsen ihrem auf E-Ladesäulen spezialisierten Routenplaner. Entzückt loben sie das Lade-Angebot in der gesamten Region, sprechen gar von „Erlebnis-Tanken“ und „Kultur-Laden“. Die Fränkische Schweiz – das Mekka für E-Auto-Touristen?

E-Ladesäulen an touristischen Punkten und Gastronomie

„Wir sind zum ersten Mal rein elektrisch durch Bayern unterwegs, auch in der Fränkischen Schweiz. Zufall oder nicht, uns ist aufgefallen, dass wir hier an viele Ladepunkte kamen, die nahe an Sehenswürdigkeiten, auf Marktplätzen und in schönen Innenstädten mit gutem gastronomischem Angebot liegen“, sagt Künzel, 69 Jahre alt, Teilzeit-Rentner, passionierter Auto-Tourist. Wer immer das geplant habe, habe „sehr klug gehandelt“, so lautet Künzels Fazit.

Den einen Planer, oder die eine Planerin gibt es aber gar nicht. Wer sich die Mühe macht und nach Ladesäulen im Landkreis Forchheim sucht, wird verschiedenste Initiatoren finden, die auf ganz unterschiedliche Anbieter setzen. Künzels besagten E-Ladepunkt auf dem Ebermannstadter Marktplatz, auf dem gleich zwei E-Mobilisten zugleich tanken können, betreiben etwa die Stadtwerke Ebermannstadt. Doch nicht nur dort, über den gesamten Landkreis zieht sich mittlerweile ein immer dichter werdendes Netz aus E-Ladesäulen. Weitere Betreiber sind etwa die Stadtwerke Forchheim oder der Nürnberger Energieriese N-Ergie.

Ladepunkte an Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen gibt es einige - wie hier am Walberla in Leutenbach.
Ladepunkte an Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen gibt es einige - wie hier am Walberla in Leutenbach. // Sabine Memmel

Stadtwerke Forchheim und Ebermannstadt in Ladeverbund+

Beide Stadtwerke im Landkreis sind Mitglied im Ladeverbund+, einem Zusammenschluss von Stadtwerken Süddeutschlands. 2022 waren schon 67 Partner mit 950 Ladestationen angeschlossen. Stadtwerkekunden aus dem Landkreis zahlen an einer dieser Säulen beispielsweise ab 54 Cent pro Kilowattstunde. Laut des Berliner Netzbetreibers Gasag haben sparsame E-Autos einen Verbrauch von weniger als 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Im Normalbereich liegen Fahrzeuge mit etwa 20 Kilowattstunden, ein sehr hoher Verbrauch liege bei 25 Kilowattstunden. Im Durchschnitt ergäbe das also knapp zehn Euro Tankkosten auf 100 Kilometer.

Tatsächlich kommt Thomas Künzels positive Einschätzung seiner E-Auto-Reise durch Bayern nicht von ungefähr. Wie der Stromversorger Eon anhand einer diese Woche erst veröffentlichten Erhebung herausgefunden haben will, sei der Freistaat das Bundesland mit den meisten öffentlichen Ladepunkten und der größten Ladeleistung für E-Autos. Mehr als 23.000 Ladepunkte gebe es demnach zwischen Hof und Berchtesgaden, in ganz Deutschland seien es 114.000. Der Landkreis Forchheim fällt hingegen nicht auf – weder positiv noch negativ.

Laut des in der Eon-Mitteilung zitierten Energieatlas landet der Landkreis Forchheim mit 180 Ladepunkten an fast 100 Säulen und einer Gesamtladeleistung von 4592 Kilowatt nur im Mittelfeld der bayerischen Landkreise – aber immerhin vor Landkreisen wie Lichtenfels (48 Ladepunkte), Bayreuth (102) und Bamberg (161). Zum Vergleich: Der niederbayerische Landkreis Dingolfing-Landau mit nicht einmal 100.000 Einwohner zählt 449 Ladepunkte.

Zahl der E-Autos steigt in Deutschland - aber nur langsam

Zwar bricht sich der große E-Auto-Boom noch immer nicht bahn, laut Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes sind von den knapp 8,4 Millionen in Bayern zugelassenen Autos gerade einmal 433.000 E-Autos (rein elektrisch betrieben sind es sogar nur 269.000). Aber immerhin: Bundesweit steigen die Zahlen langsam.

Auch deshalb kommt Bewegung in die E-Lade-Landschaft. Immer wieder melden örtliche Versorger, dass neue Einheiten installiert worden sind. So haben etwa die Stadtwerke Forchheim erst im Oktober 2023 einen neuen Schnelllader am Edeka-Marktes Sorge in der Bamberger Straße in Betrieb genommen, der seither knapp 100 Mal pro Monat genutzt wird.

Bereits nach einer halben Stunde kann das Auto so voll sein wie der Einkaufswagen, versprechen Stadtwerke und Edeka. Während solche Schnelllader vor allem auf das E-Tanken im Trubel des Alltags setzen, reicht Touristen wie Thomas Künzel auch der langsamere Stecker.

Tourismus Fränkische Schweiz: „Mehr auf E-Ladenetz setzen"

„Manchmal fand ich es fast schade, dass unser Auto schon voll war; wir hätten gerne noch einen Nachtisch bestellt oder wären eine zweite Runde durch die Altstadt gelaufen“, sagt er. Doch – so lautet wohl das ungeschriebene Gesetz der „Stromer“ – man blockiert keine Ladepunkte und parkt nach dem Laden artig um.

Thomas Künzel und seine Frau loben das Angebot an E-Ladesäulen in der Fränkischen Schweiz.
Thomas Künzel und seine Frau loben das Angebot an E-Ladesäulen in der Fränkischen Schweiz. // Künzel/privat

Wenn er beruflich mit Tourismus zu tun hätte, würde er die schönsten Ladepunkte etwa bei Google Maps und beim Stromtankstellenverzeichnis Goingelectric „noch mehr mit gelungenen Bildern herausstellen und versuchen, touristische Attraktionen mit Entfernungsangabe vom Ladepunkt gezielt zu bewerben“. Einer, der beruflich mit Tourismus zu tun, ist Matthias Helldörfer. Der Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz freut sich über das Lob Künzels. Aber: „Es gibt noch Luft nach oben. Wir bräuchten einen zentralen Kümmerer, der das Ladenetz kontinuierlich ausbaut.“ So bleibe es aktuell den Anbietern überlassen – und mithin Glückssache, ob deren wirtschaftliches Interesse genügend ausreicht.

Warum das E-Auto in der Fränkischen Schweiz wichtiger wird

Potenzial ist – neben den Einheimischen – bei Touristen da. 165.603 Gäste zählte das Landesamt für Statistik im Jahr 2023 im Landkreis Forchheim, durchschnittlich blieben die 2,6 Nächte da. „Ein Großteil reist mit dem Auto an“, so Helldörfer. Die teils ausgedünnte ÖPNV-Infrastruktur lasse gar nichts anderes zu. „Drum muss man sich dem Phänomen E-Auto stellen.“

Ob E-Mobilisten wie Thomas Künzel, die bewusst und begeistert dem Stromnetz entlang die Welt entdecken wollen, die alleinige mobile Zukunft gehört, ist noch nicht absehbar. Aber es werden immer mehr werden.

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