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Interview der Woche
Forchheims neue Citymanagerin: „Wir müssen jetzt Gas geben"
Seit April ist Susanne Winter die neue Citymanagerin in Forchheim.
Seit April ist Susanne Winter die neue Citymanagerin in Forchheim. // Stephan Großmann
Forchheim – Susanne Winter heißt Forchheims neue Citymanagerin. Im exklusiven Interview spricht die 47-Jährige über ihren straffen Zeitplan, große Forchheimer Potenziale und wie sie den Abgesang auf die Stadt beenden will.

Das wankelmütige Aprilwetter meint es an diesem Dienstagnachmittag nicht gut mit jenen, die in der Forchheimer Innenstadt etwas zu erledigen haben. Und doch huschen hier und da Einkaufende, Schlendernde und Termingetriebene durch die Hauptstraße. Susanne Winter kann das Wetter nichts anhaben, zumindest lässt sie sich beim Fotoshooting für das exklusive FT-Interview nichts anmerken. Und tatsächlich lässt der Regen wie aufs Stichwort nach und gibt die Bühne frei für ein paar Aufnahmen. Ein gutes Omen für Forchheims neue Citymanagerin - und damit die gesamte Innenstadt?

Susanne Winter, 47 Jahre, gebürtige Erlangerin, ist seit 1. April die neue Citymanagerin für Forchheim. Ihr Studium der Diplom-Geographie mit Schwerpunkt physische Geographie an der FAU-Erlangen Nürnberg schloss Winter im Jahr 2002 ab; es folgten ein Promotionsstudium an der Humboldt-Universität Berlin, wo sie im Nachgang auch einige Jahre lebte.

Warum es sie wieder nach Franken gezogen hat, worin sie Forchheim besser als Berlin bewertet und welche Aufgaben sie als allererstes anpacken will, um Forchheims Innenstadt weiterzuentwickeln, erzählt Winter im Gespräch mit fraenkischertag.de.

Interview mit Susanne Winter, Citymanagerin in Forchheim

Susanne Winter im Gespräch mit FT-Redakteur Stephan Großmann
Susanne Winter im Gespräch mit FT-Redakteur Stephan Großmann // Nico Cieslar

Frau Winter, haben Sie schon eine Wohnung in Forchheim gefunden?

Susanne Winter: Ich habe eine wunderschöne Wohnung in meinem ehemaligen Elternhaus in Weisendorf gefunden, die teile ich mir mit meinem Bruder und meinem Mann. Von dort sind es nur 25 Minuten am Morgen zur Arbeit in der Forchheimer Innenstadt.

Haben Sie sich schon gut eingelebt?

Ich bin schon eine Weile in Franken zurück. Als ich jung war, wollte ich unbedingt nach Berlin. Nach dem Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg habe ich ein Stipendium an der Humboldt-Universität in Berlin bekommen und fand es sehr spannend, die Dynamik der Stadt kennenzulernen. Die ersten vier Jahre war ich zufrieden, aber meine Bedürfnisse haben sich gewandelt. Die Lebensqualität in Franken ist höher, die Wege sind kürzer – es ist ein entspannteres Leben hier. Auch die Freunde sind allmählich alle wieder nach Franken gezogen.

Waren Sie schon ausgiebig shoppen?

Ja, auf der Suche nach einem grauen Blazer für unser Teams-Shooting (lacht).

Gefunden?

Noch nicht ganz. Aber es ist gut gewesen, schon einmal alle Händler kennenzulernen und sich einen Überblick zu verschaffen.

Sie kennen Forchheim noch aus Ihren Jugendtagen. Nun blicken Sie einige Jahre später professionell auf die Stadt. Was sehen Sie?

Ich sehe vor allem, dass Forchheim eine Stadt ist, in der es noch sehr viele kleine, interessante inhabergeführte Geschäfte gibt. Das ist kein Vergleich zu Berlin – wo dies nur in bestimmten Straßen mit Designergeschäften möglich ist. Oder in Nürnberg, da gibt es sowas gar nicht mehr. Dadurch ergibt sich hier ein spannendes Einkaufserlebnis. Dies muss man den Menschen nur sagen.

Sie haben sich eine straffe Agenda gesetzt. Welche sind die wichtigsten Baustellen, die Sie in diesem Jahr noch gelöst haben wollen?

Jetzt werde ich erst einmal den Ist-Zustand erfassen. Wo liegen die Probleme, wo liegen Dinge, die funktionieren.

Derzeit ist Susanne Winter viel unterwegs in der Innenstadt: „Ist-Zustand erfassen"
Derzeit ist Susanne Winter viel unterwegs in der Innenstadt: „Ist-Zustand erfassen" // Stephan Großmann

Haben Sie schon Probleme identifizieren können?

Natürlich. Oft wird genannt, dass der Branchenmix nicht optimal sei. Manche Sachen werden auch als Probleme wahrgenommen, bei denen ich denke, dass es sich vielleicht eher um ein Kommunikationsproblem handelt. Zum Beispiel die Parkplatzsituation: Es gibt ganz tolle Parkhäuser, man muss sich da nur reinfahren trauen. Derlei mehr versuche ich nun zu sammeln.

Wie sieht es mit den Potenzialen aus?

Forchheim ist eine 15-Minuten-Stadt, man kann alles fußläufig erreichen. Es gibt viel Grünraum, beispielsweise den Stadtpark. Wenn man den nun mit Gastronomie oder Veranstaltungen verbindet, könnte das die Aufenthaltsqualität heben. Es geht um den Erlebnischarakter. Vor allem Jüngere nennen in Befragungen gar nicht mehr das Einkaufen als ersten Punkt, warum sie in eine Innenstadt gehen. Aktionen, Veranstaltungen, Musik, Spielplätze, ein Treffpunkt im Grünen – wir müssen Gründe liefern, in die Stadt zu kommen. Möglichst für alle. Wenn die Menschen die Stadt mehr bevölkern, ändert sich auch das Bild der Stadt. Dann wollen die Leute auch wiederkommen.

Gerne wird ein Abgesang auf die Forchheimer Innenstadt angestimmt. Ihre Meinung?

Das sehe ich gar nicht so. Die vielen kleinen Geschäfte sind es wert, besucht zu werden. Ich denke, es ist den Leuten auch bewusst. Aber manche beschweren sich einfach gerne. Wenn man ihnen ins Gedächtnis ruft, was man im Vergleich zu anderen noch viel mehr durch Leerstände geplagten Städten hier in Forchheim noch hat, ändert sich das vielleicht.

Gut 200 Geschäfte gibt es in der Innenstadt, viele seit Jahrzehnten im Betrieb. Das wirkt viel Know-how mit. Warum muss die Innenstadt überhaupt gemanagt werden?

Das Citymanagement ist ein wichtiger Ansprech- und Vermittlungspartner zwischen den Händlern, der Gastronomie und der Stadtverwaltung. Es ist immer gut, wenn man einen Ansprechpartner hat und nicht zu verschiedenen Ämtern rennen muss. Darum kümmere ich mich. Oder die Organisation der verkaufsoffenen Sonntage, die lange Einkaufsnacht – all diese Veranstaltungen machen und bewerben wir ja mit.

Arbeiten Sie dann enger mit dem Veranstaltungsamt zusammen?

Wir ziehen bald gemeinsam mit dem Veranstaltungsamt um in die Hornschuchallee. Dann gibt es sehr kurze Wege.

Noch sitzt Susanne Winter in der St.-Martin-Straße, schon bald zieht sie in die Hornschuchallee.
Noch sitzt Susanne Winter in der St.-Martin-Straße, schon bald zieht sie in die Hornschuchallee. // Stephan Großmann

In einer verkehrsberuhigten Hornschuchallee könnte man noch viel mehr solcher Tage veranstalten…

(Winter lacht, Nico Cieslar, Amtsleiter Marketing, Tourismus und Internationale Beziehungen und zugleich Winters Chef, der beim Interview zugegen ist, wirft ein: „Da leben wir das vor, was im Verkehrskonzept erarbeitet wurde.“)

Wie schaut es mit Jahrmärkten aus – soll es die künftig häufiger geben?

Begleitend zu den Jahrmärkten soll es verkaufsoffene Sonntage geben, weil gerade die viele Menschen in die Innenstadt ziehen. Das wird es viermal im Jahr geben. Und im Rahmen der Afrika-Kulturtage am 5. Juli wird es die lange Einkaufsnacht bis 22 Uhr geben.

Ein „praxisorientiertes Leitbild 2030“ soll für die Innenstadt entstehen: Was können wir uns darunter vorstellen?

Nach den Treffen mit allen Händlern soll es ab Juni Workshops geben, in denen wir die Chancen und Problematiken konkret mit allen aufarbeiten und schauen, welche Projekte Sinn machen und welche wir gemeinschaftlich angehen können in den nächsten Jahren bis 2030.

(Cieslar meldet sich noch einmal zu Wort und wirft ein, dass die Begegnung zwischen Politik, Akteuren der Innenstadt und der Kommune vor allem wichtig sei, man wolle auf „einer soliden Basis“ in die Umsetzung.)

Gleichzeitig wollen Sie „akute Probleme“ direkt angehen. Wie wollen Sie das parallel bewerkstelligen?

Wir müssen jetzt Gas geben. Aber ich bin ja zum Glück nicht alleine; ich habe Cornelia Brand, ich habe Nico Cieslar, ein ganzes Marketing-Team. Das ist ein guter Rücken, der einen gerade hält, denn alleine ist es nicht zu schaffen.

Erste Gespräche, beispielsweise mit der Händlervereinigung Heimforteil, hat es bereits gegeben. Bleiben Sie optimistisch gestimmt?

Ja, auf jeden Fall.

Welche Akteure fehlen noch am gemeinsamen Tisch?

Ich erhebe noch. Manchmal weiß man gar nicht, was fehlt, bevor man es gehört hat. Es ist noch zu früh, um zu sagen, dass dieses und jenes fehlt.


Forchheim und das Citymanagement - eine lange Geschichte


Fast drei Jahre lange war Ihre Stelle vakant, oft knirschte es hinter den Kulissen. Was macht es mit Ihnen, eine derart politisch aufgeladene Position zu besetzen?

Zum Glück war ja Cornelia Brand während der vergangenen Jahre da, die mir auch jetzt sehr hilft.

Es wurde viel diskutiert, sicher werden ihre künftigen Schritte von den Stadträtinnen und Stadträten genauestens beobachtet…

Ich hatte mich im Stadtrat vorgestellt, ansonsten säße ich heute auch nicht hier. Nun gehe ich offen heran und möchte auch dort mit allen sprechen. Dann können wir uns jeweils unsere Meinungen bilden. Ich sehe das positiv. Durch mein gutes Team im Hintergrund habe ich viel Hilfe. Es ist kein Alleingang, es ist eine Netzwerkaufgabe.

Frau Winter, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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