Die selbst gemalten Bilder an der Demo-Wand in einem Grundstück an der Ecke Friedhofstraße/Goldwitzerstraße zeigen es deutlich: Kinder und Jugendliche in Neunkirchen am Brand haben Angst vor den vielen Lkws entlang des Schulwegs und an der Ampel vor der Schule. Mit der Kinderbilderdemo wollen sie auf die Gefahr und Belastung durch die Lastwagen aufmerksam machen.
Neunkirchen: Kinder machen auf Verkehrsgefahr aufmerksam
Auch der 15-jährige David hat ein Bild gemalt, denn er habe die immense Gefahr selbst erlebt. Zwei Lastwagen seien sich begegnet, doch da auf der Straße nicht genug Platz für beide Lastwagen war, sei ein Lkw auf den Gehsteig ausgewichen. „Da stand ich. Wenn ich mich nicht schnell in eine Einfahrt hätte retten können, hätte er mich mitgenommen“, sagt David.
Auch die zehnjährige Leni hat negative Erfahrungen. „Ich wurde an der Kreuzung fast schon von einem Lkw überfahren“, sagt Leni. Der Fahrer habe sie nicht gesehen, vermutet das Mädchen. „Sein Reifen war knapp an meinem Fuß“, beschreibt Leni ihr schlimmes Erlebnis auf dem Schulweg.
Dabei ist der Verkehr derzeit nur für Lastwagen unter 7,5 Tonnen erlaubt. Das könnte sich ändern, sollte das staatliche Straßenbauamt, das am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung drei Vorzugsvarianten für die Westumgehung von Neunkirchen vorstellt, die Nullvariante präferieren. Bei der Nullvariante würde die Friedhofsstraße zur Staatsstraße ausgebaut werden und würde auch Lastwagen über 7,5 Tonnen erlauben, die direkt an der Schule vorbeifahren.
Kinder und Eltern plädieren gegen Nullvariante
Die Kinderbilderwand ist zugleich die Bitte, keine Nullvariante auszuführen. Ob und unter welchen Umständen diese Variante möglich sei, sollte untersucht werden, so lautet ein Antrag der Grünen und des Bund Naturschutz. „Wir müssen einen bestmöglichen Kompromiss finden“, sagt Christian Reh, Mitgründer und Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam für Neunkirchen/Westumfahrung“. Er ist selbst Vater einer Tochter, deren Schulweg die Friedhofstraße ist. Die Gefahren und Belastung durch den Schwerlastverkehr, aber auch die Nullvariante war Gespräch bei einem Straßenfest mit den Kindern.
„Unsere Kinder dürfen keine Verkehrsopfer sein. Wenn sich nichts ändert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmes passiert“, warnt Christian Reh. Er verweist auf die enge Ortsdurchfahrt mit immer wieder feststeckenden Lastwagen in den historischen Toren sowie auf die unzureichend kontrollierte 7,5-Tonnen-Beschränkung in der Friedhofstraße. „Nur eine westliche Umgehung kann die Situation realistisch entschärfen“, meint Reh.
Keine Variante zielführend?
Verständnis für die Ängste der Kinder, die sich von den Lkws bedroht fühlen, zeigt Bettina Wittmann, Grünen-Gemeinderätin und Vorsitzende der Initiative Munk. Der Vereinsname steht für „Modernes und umweltbewusstes Neunkirchen“. Dennoch hält sie keine der drei Varianten für zielführend. „Unser Vorschlag war, den Schulweg zu verlegen und die Situation zu entschärfen“, sagt Wittmann. Denn sie sei überzeugt, dass, egal mit welcher Variante, mehr Schwerlastverkehr angezogen werde. Zudem würden Lastwagen trotzdem im Ort bleiben, um die Infrastruktur oder das Baugewerbe zu versorgen.
Eine Umgehungsstraße würde aber auch die Umlandgemeinden Effeltrich, Kersbach oder Forth belasten. „Wir sind mit dem Verkehr bisher zurechtgekommen“, sagt Wittmann, die ebenfalls gespannt auf die Sitzung blickt. Entscheiden darf die Gemeinde ohnehin nicht: Bauträger ist der Staat.
Verkehrsproblem Neunkirchen: So ist die Situation
Die derzeitige Situation: Die Staatsstraße verläuft durch die Stadttore und schließt Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen aus. Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen von Effeltrich kommend muss über Kunreuth und Igensdorf ausweichen und von dort aus nach Neunkirchen fahren. Der Schulweg verläuft für Kinder aus vielen Ortsrichtungen über die Friedhofstraße mit der gefährlichen Kreuzung Friedhofstraße/Forchheimer Straße und der Ampel direkt an der Grundschule.
So verlaufen die drei Varianten
Variante 1: Außerörtliche Umfahrung, alte Planung von 2017, Auffahrt Jugendzentrum Outback „Zu den Heuwiesen“ über Ebersbach, mit Einsparungen. Der Damm wäre auf ein Minimum reduziert und die Straße nach Ebersbach soll direkt auf die Umgehung führen.
Variante 2 wäre die ortsnahe Umfahrung. Von Effeltrich kommend würde die Straße am Parkplatz vor Neunkirchen abzweigen. Die Straße wird um Neunkirchen herumgeführt und der Verkehr würde durch drei Kreisverkehre entschleunigt. Von den Wohngebieten im Nordwesten Neunkirchens wäre die Umgehung rund 100 Meter oder mehr entfernt.
Variante 3 wäre die Nullvariante: Die durch Neunkirchen verlaufende Staatsstraße 2243 würde nach den Anforderungen einer Staatsstraße in Neunkirchen ausgebaut werden. Das würde bedeuten, dass die Friedhofstraße verbreitert werden müsste und die Staatsstraße dann auch für den Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen zulässig wäre sowie an der Grundschule vorbeiführen und Richtung Feuerwehr und Rewe-Markt verlaufen würde.














