Mit Spannung war das Staatliche Bauamt Bamberg im Sitzungssaal in Neunkirchen am Brand erwartet worden, denn auf der Tagesordnung stand das Thema Westumfahrung. Drei Varianten waren beleuchtet worden. Welche würde es werden? Die ortsnahe Trasse, die ortsferne Trasse, oder die Nullvariante, die in Innerortvariante umbenannt wurde?
Seit Jahren bewegt die Westumfahrung nahezu alle Bürger. Auch hatten sich zwei Initiativen gegründet: Mit dem Verein „Gemeinsam für Neunkirchen“ Befürworter einer Westumfahrung, um den Schulkindern mehr Sicherheit und den Bürgern mehr Lebensqualität zu bieten, und mit der Initiative „MuNk e.V.“ Westumfahrungsgegner, die mehr Schwerlastverkehr befürchten.
Neunkirchen am Brand: Entscheidung zur Westumgehung gefallen
Viele Bürger und gerade diese beiden Initiativen warteten gespannt auf die Ausführungen des Bauamts durch Höhnen und Partner in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung. Mit dabei war das Ingenieurbüro SSP Consult: Dieses hat im Auftrag des staatlichen Bauamts ein umfassendes Verkehrsgutachten für Neunkirchen erstellt. In dem Gutachten wurden Szenarien dargestellt und diese mit und ohne Stub sowie mit und ohne Ortsumfahrung von Dormitz bewertet.
Das Ergebnis der Untersuchungen ist eindeutig: Sowohl die ortsferne als auch die ortsnahe Trasse würden den Schwerlastverkehr an der Grundschule deutlich reduzieren, von 230 auf 70 Schwerlastfahrzeuge täglich bei der ortsnahen Variante, auf 80 Lastwagen bei der ortsfernen Variante. Das wären die Müllabfuhr, der landwirtschaftliche Verkehr oder Busse beispielsweise. Lediglich bei der Innerortsvariante würde der Schwerlastverkehr an der Grundschule deutlich steigen, auf täglich 350 Fahrzeuge. Das ist ein Fünffaches an Lkw. Bislang ist der Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen innerorts nicht erlaubt.
Bei der Innerortsvariante müsste die Friedhofstraße verbreitert werden
Zuvor hatte das Staatliche Bauamt darauf hingewiesen, dass bei der Innerortsvariante die Friedhofstraße zur Staatsstraße ausgebaut werden würde. Eine Staatsstraße habe dem Durchgangsverkehr zu dienen, so das Straßenbauamt. Das wiederum bedeute einen Ausbau der Straße auf 6,50 Meter Breite, um den Kfz-Verkehr, aber auch Fußgänger und Radfahrer zu berücksichtigen.
„Mit der Innerortstrasse kann der Schwerverkehr durch den Ausbau der innerörtlichen Straßenzüge und Umgehung der Stadttore wieder vollständig durch den Ort fahren und die derzeitig bestehende großräumige Schwerverkehrsumleitung über Forth und Igensdorf entfallen“, teilt das Staatliche Bauamt in einer Pressemitteilung mit. Und weiter: „Dies führt, in Verbindung mit dem allgemein steigenden Verkehr, zu Verkehrsmengenerhöhungen im Ort. Gemäß dem neu durchgeführten Verkehrsgutachten erhöhen sich zum Beispiel in der Friedhofstraße die Verkehrsmengen im Vergleich zum Nullfall beim Kfz-Verkehr um 25 Prozent und beim Schwerverkehr um etwa 40 Prozent.“
Alle Varianten ausführlich untersucht und bewertet
Alle drei Varianten waren anhand zahlreicher Kriterien untersucht und bewertet worden. Note 1 wäre gut, Note 4 schlecht. Die Kriterien waren unter anderem Lärmbelästigung, naturschutzrechtliche Belange, aber auch Umweltverträglichkeit und Baukosten. Das Ergebnis: Für die ortsnahe Trasse gab es die Note 1,9, für die ortsferne Trasse die Note 2,2 und für die Innerortsvariante („Nullvariante“) die Note 2,5.
Auch wenn es Einwendungen gab, dass mit der Umfahrung Verkehr in anderen Gemeinden angezogen werde, so gehe es bei der Entscheidung nicht darum, ob Verkehr generiert werde, sondern darum, wie der bestehende, real existierende Verkehr verlagert werden könne, so die Experten von SSP Consult.
Deren Ergebnis zeige, dass eine generelle Verlagerung des Lkw-Verkehrs von der Autobahn nach Neunkirchen unwahrscheinlich sei. Als Begründung werden die wirtschaftlichen Nachteile für Transportunternehmen genannt. Das Staatliche Bauamt hat sich aufgrund dieser Ergebnisse für die ortsnahe Variante entschieden. Die Gemeinde hat nun die Wahl, die Situation zu lassen, wie sie ist, oder dafür zu stimmen, mit der ortsnahen Variante ein Planstellungsverfahren einleiten zu lassen.
„Die Planung jetzt ist viel besser als die alte“, sagt Bürgermeister Martin Walz (CSU) auf Nachfrage und lobt damit die ausführlichen Untersuchungen. Trotzdem: „Wir haben nicht die Wahl zwischen Variante A, B oder C, sondern die Wahl zwischen nichts zu tun oder für die ortsnahe Variante zu sein.“
Das Staatliche Bauamt wird diese Ausführungen nun allen interessierten Bürgern aufzeigen: am Freitag, 4. Juli, um 19 Uhr in der Grundschul-Turnhalle in Neunkirchen am Brand.













