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Forchheimer Kultkarren, Teil 2
Hallo, Taxi! Mit Andreas Schneider unterwegs ins Jahr 1970
In den 1970er-Jahren sah ein Taxi in Deutschland typischerweise genau so aus wie der Oldtimer von Andreas Schneider.
In den 1970er-Jahren sah ein Taxi in Deutschland typischerweise genau so aus wie der Oldtimer von Andreas Schneider. // Martin Regner
Forchheim – Fahrzeuge sind aus Plastik, piepsen bei jeder Gelegenheit und sehen alle gleich aus? Nein, denn zum Forchheimer Straßenbild gehören auch alte Klassiker. Teil 2: Das „Strich-Acht“-Taxi von Andreas Schneider

Der Mercedes-Benz „Strich-Acht“ zählt heute zu den ikonischen Baureihen der Stuttgarter Marke; gebaut von 1968 bis 1976, mit durchschlagendem Erfolg. Vom „Strich-Acht“ entstanden fast zwei Millionen Stück und damit in etwa so viele wie von allen anderen Nachkriegs-Pkw von Mercedes-Benz zusammen. Das Design stammt von Paul Bracq, der später auch dem ersten BMW 5er seine Gestalt gab. 

Helles Nageln begeistert bis heute

Geradezu legendären Ruf erwarb sich die Baureihe, die als Vorläufer der heutigen E-Klasse gilt, in ihrer Ausfertigung als Taxi. Dann in der Regel angetrieben vom Basisdieselmotor mit zwei Litern Hubraum und 55 PS oder der 2,2-Liter-Variante mit 60 PS. Bis heute begeistert das helle Nageln dieser unverwüstlichen Motoren, das geradezu typisch für ein deutsches Taxi jener Zeit stand, seine Fans.

Andreas Schneider am Steuer seines Oldtimers: Den Mercedes-Benz 200D besitzt er schon seit 2006.
Andreas Schneider am Steuer seines Oldtimers: Den Mercedes-Benz 200D besitzt er schon seit 2006. // Martin Regner

Einer, der dieses charakteristische Geräusch bis heute jeden Tag hören kann, wann immer er will, ist Andreas Schneider, der in Stegaurach im Landkreis Bamberg wohnt und am Forchheimer Klinikum arbeitet. Dort leitet Schneider seit 2019 die Berufsfachschule für Pflege, an der die überall so dringend benötigten Pflegefachfrauen und -fachmänner ausgebildet werden. Den Weg von seinem Zuhause im Landkreis Bamberg zur Arbeit nach Forchheim und zurück legt Schneider regelmäßig mit einem Mercedes-Benz des Typs 200D zurück – lackiert in Taxibeige.

Das Taxi-Schild stammt aus dem Keller

Den Oldtimer übernahm Andreas Schneider im Jahr 2006 von seinem Schwager. Und das kam so: „Der war in Eltville am Rhein erstzugelassen und mein Schwager konnte den mal günstig bekommen. Später hatte mein Schwager dann zwei Stück davon auf dem Hof stehen und hat mir einen davon angeboten.“ Damals war der alte 200D „nur“ beige lackiert, trug aber noch kein Taxi-Schild auf dem Dach.

So sah fast jeder Taxistand im Deutschland der 1970er-Jahre aus. Am Mercedes-Benz "Strich-Acht" führte damals kein Weg vorbei.
So sah fast jeder Taxistand im Deutschland der 1970er-Jahre aus. Am Mercedes-Benz "Strich-Acht" führte damals kein Weg vorbei. // Collectie/Archief: Fotocollectie Anefo/Wikimedia Commons

Dazu, wie der Oldtimer zu seinem Taxi-Schild gekommen ist, gibt es eine schöne Geschichte, wie Schneider erzählt: „Letztes Jahr war ich mit dem Auto beim TÜV und neben mir stand ein richtiger Taxifahrer mit seinem Taxi. Und der kam dann ganz begeistert zu mir rüber und hat mir gesagt, dass schon sein Vater Taxifahrer gewesen ist und dass er daheim noch jede Menge alte Taxi-Schilder im Keller hätte. Und ob ich mir da nicht eins aussuchen will.“

Verknüpfung zwischen Beruf und Hobby

Über eine Taxiuhr und ein Funkgerät verfügt der „Strich-Acht“ jedoch nicht und das Taxi-Schild auf dem Dach ist nur Deko. Taxifahrten bietet Andreas Schneider mit seinem Oldtimer jedenfalls nicht an. Im Innenraum des Oldtimers spürt man, dass er aus einer ganz anderen Zeit stammt: Es gibt keine Digitaldisplays in der Armaturentafel, keine Klimaanlage, kein Navigationssystem. Dafür nur wenige, übersichtlich angebrachte Schalter und Hebel. Ein Mercedes-Benz der 1970er-Jahre war nämlich vor allem eines – karg ausgestattet.

Innenraum und Armaturentafel des Mercedes-Benz 200D bestechen durch ihre Schlichtheit. Viel mehr Ausstattung braucht man zum Autofahren nicht.
Innenraum und Armaturentafel des Mercedes-Benz 200D bestechen durch ihre Schlichtheit. Viel mehr Ausstattung braucht man zum Autofahren nicht. // Martin Regner

Das gilt auch für das Exemplar von Andreas Schneider, das aber immerhin über die damals aufpreispflichtige heizbare Heckscheibe verfügt. Zwischen der Liebe zu seinem Auto und der Liebe zu seinem Beruf gibt es übrigens auch eine Verknüpfung, wie der Leiter der Berufsfachschule für Pflege erklärt: „Für den Stricht-Acht braucht man Einfühlungsvermögen und man muss eine gewisse Beziehung damit eingehen.“ Ähnlich sei es auch zwischen Pflegekräften und Patienten: Da müsse man sich auch auf die Eigenheiten der Menschen einlassen und auf ihre besonderen Bedürfnisse. Und man benötige gerade in diesem Beruf ein gewisses Feingefühl.

Baureihe nach Erscheinungsjahr benannt

Und auf der anderen Seite sorgt der Oldtimer auch immer wieder für interessante Begegnungen – und zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. „Es kommt in meinem Beruf darauf an, für die Pflegebedürftigen einen guten Dienst zu leisten. Das liegt mir einfach am Herzen. Das ist auch ein riesiger Motivator für die Auszubildenden in der Berufsfachschule: Wenn sie den ganzen Tag geschafft haben und der Patient bedankt sich und kann zum Beispiel das Krankenhaus wieder selbstständig verlassen, dann ist das ein Grund zur Freude. Umgekehrt freuen sich die Menschen auch über dieses Auto und winken mir zu, wenn sie mich damit fahren sehen.“

Sowohl beim Pflegeberuf als auch beim Oldtimerhobby gehe es also letztlich um Lebensfreude, meint Schneider. Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Warum heißt der „Strich-Acht“ eigentlich „Strich-Acht“? Das hat mit dem Jahr seines Erscheinens auf dem Markt zu tun: 1968. Beim Vorgängermodell mit Heckflosse gab Modelle mit der gleichen Typbezeichnung, etwa auch einen Zweiliter-Diesel namens „200D“ und einen Zweiliter-Benziner mit der Typbezeichnung „200“.

Mit dem Oldtimer unterwegs: Andreas Schneider und sein Mercedes-Benz 200D von 1970.

Mit dem Oldtimer unterwegs: Andreas Schneider und sein Mercedes-Benz 200D von 1970.

Damit man die alte und die neue Baureihe unterscheiden konnte, bekam die Typbezeichnung der neuen Modelle kurzerhand ein „/8“ als Abkürzung für 1968 angehängt. Bis heute hat sich „Strich-Acht“ oder „/8“ als Bezeichnung für die ganze Baureihe eingebürgert. Offiziell spricht man auch von den Baureihen W114 (für alle Modelle mit Sechszylindermotor) und W115 (für die übrigen Modelle mit kleineren Aggregaten, zu denen auch der 200D von Andreas Schneider gehört).

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