Es war eine andere Zeit, als das Fendt „Dieselross FW17“, das heute Fritz Zirnsack gehört, vor über 60 Jahren aus der Fabrik rollte: In den 1950er-Jahren waren die rund 2 Millionen Bauernhöfe im damaligen Westdeutschland im Durchschnitt rund 7,5 Hektar groß. Zum Vergleich: In den 2010er-Jahren gab es im inzwischen wiedervereinigten Deutschland nur noch rund 270.000 landwirtschaftliche Betriebe mit im Schnitt 62 Hektar Fläche.
Heute wird mit dem Fendt Holz gemacht
Dementsprechend reichten die 17 PS, die der wassergekühlte Dieselmotor unter der langen grünen Motorhaube leistet, in den 50ern noch völlig aus, um die tägliche Arbeit auf dem Acker zu verrichten. Seit über 20 Jahren ist jetzt der Forchheimer Fritz Zirnsack der stolze Besitzer des Oldtimer-Trekkers, der heute weniger für die klassische Feldarbeit verwendet wird, sondern öfter mal im Wald steht. „Den habe ich mir mal aus Gaudi gekauft. Weil ich damals angefangen habe, daheim mit Holz zu schüren“, erklärt der heutige Besitzer dazu.
Denn zum Holzrücken und -spalten ist so ein kleiner Traktor natürlich ungemein praktisch und zudem auch noch handlicher und wendiger als die heutigen, wesentlich voluminöseren Modelle. Und warum fiel die Entscheidung auf einen Fendt und nicht auf einen Deutz, einen Eicher, einen Hanomag, einen Lanz oder einen Porsche? Dazu hat Zirnsack eine klare Vorstellung: „Ich habe immer auf einen Fendt gesponnen, weil meine Mutter aus der Landwirtschaft stammt. Mein Onkel hat damals ein Fendt-Dieselross gehabt und immer, wenn wir den besucht haben, saßen wir Kinder auf dem Traktor und haben Lenkübungen gemacht.“
Natürlich bei ausgeschaltetem Motor. Aber die Kindheitserinnerungen waren eben prägend. Deswegen musste irgendwann ein eigener Fendt her, so Zirnsack weiter. Neben dem Holzmachen gibt es noch einen zweiten Verwendungszweck, bei dem sich der historische Traktor nützlich macht: Nachdem Zirnsack beim Forchheimer Brauwastl-Team quasi zum Inventar gehört, liegt es nahe, dass dem „Dieselross“ auch beim Bierbrauen eine tragende Rolle zukommt. Zum Beispiel bei der jährlichen Saisoneröffnung im Kellerwald Ende April, wo mithilfe des Traktors das Equipment für das Brauwastl-Schaubrauen auf den geschotterten Riesenradplatz gekarrt wird.
Dafür muss man sich allerdings – genau wie zum Bierbrauen – ein bisschen Zeit nehmen. Denn wenn der Fendt eines nicht ist, dann ist das schnell. Es gibt zwar keinen Tacho auf der ausgesprochen spartanisch ausgestatteten Armaturentafel. Dennoch hat Zirnsack einen Weg gefunden, die bescheidene Höchstgeschwindigkeit seines Traktors zu ermitteln: „Die liegt bei 22 km/h. Das sehe ich immer, wenn ich nach Burk reinfahre, auf der Geschwindigkeitsanzeigetafel am Straßenrand.“
Für die Ewigkeit gebaut
Und so geht es automatisch gemächlich zu, wenn Zirnsack auf dem aus Blech geformten Sitz hinter dem voluminösen Dreispeichenlenkrad Platz nimmt. Der Zustand des Traktors ist übrigens komplett original: „Da habe ich noch keinen Lack runtergekratzt. Der ist noch genau so, wie ich ihn gekauft habe. Auch mit ein bisschen Rost, aber das ist mir wurscht, weil der hält noch 100 Jahre.“ Während er das sagt, zeigt Fritz Zirnsack auf den Kotflügel aus massivem Blech, so dass Zweifel an dieser Einschätzung gar nicht erst aufkommen.
Man hört den Traktor schon von weitem heranrollen
Viel Aufwand braucht es für die Erhaltung des voll funktionsfähigen Originalzustands übrigens nicht: „Man muss nur dahinter her sein, dass der immer seine frischen Schmierstoffe kriegt.“ Und so stehen die Chancen gut, dass der alte Fendt noch lange auf den Forchheimer Straßen und Wegen unterwegs sein wird.
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