Die Forchheimer Bier- und Kellerlandschaft ist immer in Bewegung. Zuletzt mussten wir Abschied nehmen von der Brauerei Eichhorn. Die traditionsreiche Marke wurde zwar bekanntlich Anfang 2022 von David Hertl aus Schlüsselfeld übernommen, der aber braut sein neues Eichhorn-Bier nicht mehr im Stadtgebiet von Forchheim.
Ganz neu am Start sind dafür Marco Bauer und Klaus Fietzeck, besser bekannt unter dem Namen „Bierpatscher“. Nachdem die beiden Forchheimer Bierliebhaber bereits im letzten Jahr mit einem eigenen Annafestbier debütierten, bauen sie aktuell ihre Präsenz im Kellerwald aus.
Am Anfang stand Comedy im Fasching
Angefangen hat alles mit Comedy-Einlagen bei den Prunksitzungen der „Närrischen Siedler“, bei der die zwei Bierpatscher das Forchheimer Stadtgeschehen humorvoll aufs Korn nahmen. „Die Grundidee war, die Stadtgespräche, die man so mitbekommt, wenn man in der Brauerei Neder sitzt, auf die Bühne zu bringen“, erklärt Bauer. So kam auch der Name des Duos zustande: „Wenn einer in Forchheim sagt, er geht ein Bier patschen, dann geht er eins trinken.“
Gleichzeitig ist Patschen in Franken auch ein Synonym für Ratschen, Quatschen oder Klatsch und Tratsch austauschen – was perfekt zum Comedy-Konzept der Bierpatscher passt. Im Laufe der Zeit ergab es sich, dass die Bierpatscher auch Auftritte außerhalb des Faschingstreibens hatten, zum Beispiel auf Geburtstags-, Vereins- oder Weihnachtsfeiern.
Die nächste Stufe zündeten Bauer und Fietzeck dann 2021 mit dem Umbau eines alten Piaggo-Ape-Dreirads zum mobilen Bierausschank. Die Idee dahinter: Zu den Auftritten ein Biermobil mit Zapfanlage mitnehmen, „damit wir nebenbei Bier ausschenken können, weil das gut zu unserem Thema passt.“ Das kultige Fahrzeug aus Italien „ist einfach ein Hingucker. Das ist immer schon eine Gaudi, wenn wir damit bei einem Auftritt ankommen.“
Zum Annafest 2023 zum ersten Mal mit eigenem Bier
Zum Annafest 2023 wagten sich die Bierpatscher dann zum ersten Mal mit einem eigenen Angebot in den Kellerwald. „Da fiel dann auch der Entschluss, unser eigenes Festbier brauen zu lassen“, so Bauer. Gemeinsam mit Rafael Thiermeyer, dem Braumeister der Neder-Brauerei, wurde dafür ein Rezept ausgearbeitet. Das Ziel: Ein etwas herberes, hopfenbetonteres Festbier. „Wir wollten ein helles Festbier haben, das süffig wird und nicht ganz so süß schmeckt wie die meisten fränkischen Festbiere.“
Der Weg zum eigenen Bier „war eine spannende Zeit“, erklärt Bauer rückblickend. Denn nach dem Brauen braucht das Bier ein paar Wochen zum Gären und Reifen – und erst dann zeigt sich, ob es so schmeckt wie geplant. Den ersten Sud vom letzten Jahr bezeichnen Bauer und Fietzeck als „Volltreffer“, so dass am Rezept nicht mehr gefeilt werden musste. Und so stand einer Neuauflage des Suds nichts mehr im Wege: Die Eigenkreation wurde kürzlich auch bei der Kellerwald-Eröffnung 2024 am Nürnberger-Tor-Keller ausgeschenkt.
Den Keller haben die Bierpatscher seit diesem Jahr fest gepachtet, wie sie stolz erklären. Auch beim Annafest 2024 wird es das neue Bierpatscher-Festbier wieder geben unter dem Motto „Nauf auf die Keller so wie früher.“ Denn der Nürnberger-Tor-Keller hat keine Küche, so dass die Gäste dazu eingeladen sind, ihre Brotzeit zum Bier selbst mitzubringen.
Die Brauwastls freuen sich über die Bereicherung
Die zwei Bierpatscher können inzwischen auf rund zehn Helfer zurückgreifen, die beim Aufbau und beim Ausschank helfen. „Ohne die ginge es nicht“, da sind sich die zwei Protagonisten einig. So stehen die Chancen gut, dass sich die Bierpatscher neben dem Brauwastl als Forchheimer „Guerilla-Brauer“ etablieren können. Die übrigens freuen sich über die neue Konkurrenz, die sie nicht als solche bezeichnen wollen, wie Fritz Zirnsack vom Brauwastl-Team auf Nachfrage erklärt: „Wir sehen das als Bereicherung. Das sind originale Forchheimer und die haben sich jetzt genau so ins Abenteuer gestürzt wie wir damals.“
Das neue Angebot der Bierpatscher „passt super in den Kellerwald. Wir haben das Bier auch schon probiert und für gut befunden“, so Zirnsack weiter. Das gute Verhältnis zwischen den beiden Braugruppen wird von Marco Bauer bestätigt: „Die Brauwastls sind gute Freunde und wir treffen uns regelmäßig auch privat. Das sind Klasse-Typen und wir bereichern uns da gegenseitig.“
Der Nürnberger-Tor-Keller soll öfter geöffnet werden
Ganz am Ziel sehen sich die Bierpatscher allerdings noch nicht: „Aus dem Nürnberger-Tor-Keller kann man noch viel mehr machen“, meint Bauer. Derzeit arbeitet das Team daran, dass der bislang nur zum Annafest geöffnete Keller häufiger in Betrieb genommen werden kann. Dazu befinde man sich gerade in der Abklärung mit der Stadtverwaltung, so Bauer.
„Das ist schon eine Herausforderung“, sagt er lachend. Aber der für den Kellerwald zuständige Bürgermeister Udo Schönfelder „setzt sich stark für uns ein und hilft uns dabei“. Auch baulich hat sich am Keller seit der Übernahme durch die Bierpatscher etwas getan: So wurden laut Bauer und Fietzeck bereits die Elektroinstallation erneuert und die Geländer ausgetauscht. „Wir wollen ja, dass es dort schön ist und dass die Leute gerne kommen.“
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