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Riesen-Überraschung
Wie zwei Forchheimer Schülerinnen zu Olaf Scholz kommen
Victoria Meyer und Hannah Büttner haben Bundeskanzler Olaf Scholz exklusiv interviewt. Die beiden Schülerinnen sind noch immer aufgeregt.
Victoria Meyer und Hannah Büttner haben Bundeskanzler Olaf Scholz exklusiv interviewt. Die beiden Schülerinnen sind noch immer aufgeregt. // Stephan Großmann
Forchheim/Berlin – Eigentlich war es nur Scherz, Olaf Scholz für ihr Schulreferat anzufragen. Kurz darauf sitzen Hannah Büttner und Victoria Meyer tatsächlich beim Bundeskanzler in Berlin. Wie es zu diesem ungewöhnlichen Treffen kam.

Taylor Swift ist er nicht. Auch kein erfolgreicher TikTok-Star. Und doch leuchten die Augen von Hannah Büttner und Victoria Meyer auch heute noch, wenn sie von dem Treffen erzählen. Kein Wunder, nicht jede hat die Möglichkeit, den amtierenden Bundeskanzler Deutschlands zu treffen. Ohne Presseschar, ohne Scheinwerferlicht, ohne Zuschauermeute. Was die beiden Forchheimer Schülerinnen vor Kurzem erlebt haben, ist etwas Besonderes. Und dabei hat alles mit einem harmlosen Scherz angefangen.

Victoria Meyer (16) und Hannah Büttner (15) besuchen beide die zehnte Klasse am Herder-Gymnasium in Forchheim. Im Fach Politik sollen sie gemeinsam ein Referat halten. Thema: Vorstellung einer deutschen Partei. Schnell einigen sich die beiden Mädchen auf die SPD. Das hat viel auch damit zu tun, dass die Heroldsbacherin Hannah Büttner einer regelrechten SPD-Familie entstammt. Da wären beispielsweise Großvater und Altbürgermeister Edgar Büttner oder Vater Stephan Büttner, Kassier im Heroldsbacher Ortsverband und Gemeinderat.

Aus Witz wurde ernst: Olaf Scholz lädt sie in den Bundestag

„Wir haben gewitzelt, einfach den Olaf Scholz für unser Referat zu interviewen. Weil ich durch unsere Familie einige prominente Politikerinnen und Politiker kenne, habe ich die Martina [Martina Stamm-Fibich, Erlanger SPD-Bundestagsabgeordnete, Anm. d. Red.] einfach mal gefragt“, erzählt die noch 15-jährige Hannah. Zur Erklärung: Unter den Sozialdemokraten ist es üblich, sich über alle Hierarchieebenen hinweg mit dem Vornamen anzusprechen und sich zu duzen. Sei es der Stephan [Heroldsbacher Gemeinderat Stephan Büttner, Anm. d. Red.], der Andi [Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz] oder eben der Olaf.

Dann ging alles ganz schnell. Stamm-Fibich meldet sich bei Hannah, sagt ihr, Scholz könne zwar nicht wie angedacht nach Forchheim reisen. Aber die beiden jungen Frauen seien zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen. „Wahnsinn“, sagt Hannah. Die beiden können es kaum fassen, sie hätten sich ja schon über eine Videobotschaft gefreut.

Für den Kanzler den Unterricht geschwänzt

Auch nicht fassen kann es Bodo Kuntke. Anträge auf Unterrichtsbefreiung landen nicht selten auf seinem Schreibtisch, schließlich ist er der Schulleiter des Herder-Gymnasiums. Oftmals sind es Routine-Entscheidungen. Doch bei diesem fragt er nach. Wegen eines Treffens mit Herrn Scholz müssten die Jugendlichen dem Unterricht am 23. April fernbleiben, heißt es darin. An den Kanzler denkt Kuntke da noch nicht.

Victoria Meyer (links) und Hannah Büttner mit Bundeskanzler Olaf Scholz.
Victoria Meyer (links) und Hannah Büttner mit Bundeskanzler Olaf Scholz. // privat/Büttner

Nachfrage. Erkenntnis. Erstaunen. Scholz? Stolz. „So etwas habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt Kuntke anerkennend.

Abgesegnet schwänzend steigen Hannah Büttner und Victoria Meyer also in den Zug und fahren nach Berlin. Nach einem Rundgang unter anderem durch den Reichstag betreten sie am frühen Nachmittag die Presselounge. Dort, wo sich sonst die SPD-Spitzenleute mit Medienvertretern aus aller Welt treffen, warten nun die 15-jährige Hannah und die 16-jährige Victoria auf den Kanzler. (Fast) ganz allein, lediglich Scholz‘ Sicherheitspersonal sowie seine Assistentin sowie Familienunterstützung aus Franken ist zugegen.

Mit dem Zug vom Herder-Gymnasium in den Bundestag

Etwas Sightseeing war für Victoria Meyer und Hannah Büttner auch noch drin, wie hier am Berliner Dom.
Etwas Sightseeing war für Victoria Meyer und Hannah Büttner auch noch drin, wie hier am Berliner Dom. // privat/Büttner

Dann der große Auftritt: Scholz kommt, begrüßt die Mädchen sichtlich erfreut. Sie plaudern, Scholz nimmt sich den Erzählungen nach viel Zeit, wirkt entspannt. Wie eigentlich immer, möchte man meinen. Aber nur zur Teerunde haben Hannah und Victoria natürlich nicht den weiten nach Berlin auf sich genommen. Auch sprechen sie den Kanzler lieber mit „Herr Scholz“ an. Lange haben sie an einer guten Frage getüftelt. Und eine gefunden: Warum sollten sich Jugendliche für die SPD einsetzen?

Scholz antwortet in seiner bekannt nüchternen Rhetorik, lediglich seine Hände lockern die Redesituation etwas auf. Allerdings ist ihm anzusehen, dass er sich wohlfühlt. Kein Wunder, die politischen Zeiten sind aufgeheizt, sein Terminkalender voll, der Druck hoch. Da kommt solch ein persönlicher Termin gerade recht.

„Herr Scholz, warum sollten sich Jugendliche für die SPD einsetzen?"

Er lächelt sogar, etwa wenn er davon erzählt, wie er selbst mit 17 Jahren in die SPD eingetreten ist. „Wir waren supernervös, da war es gar nicht leicht, ganz genau zuzuhören, was der Kanzler geantwortet hat“, sagt die Hausenerin Victoria. „Aber er hat sich Zeit genommen für uns und hat uns ausführlich geantwortet.“ Dass er ihnen die Themenkomplexe Bildung, Umwelt und vor allem Gerechtigkeit auf den Weg zurück nach Hause mitgibt, nehmen die beiden natürlich sehr gerne in ihr Referat mit auf. Und vor allem das Grußwort für ihre Klasse, das er ihnen ins Smartphone gesprochen hat.

Guter Input für Europawahl am 9. Juni

Das Referat über die Geschichte und den Markenkern der SPD werden die beiden wohl erst kurz vor den Pfingstferien halten. Doch auch am Europatag, den es am 10. Mai am Herder-Gymnasium anlässlich der Europawahl am 9. Juni geben wird, können Hannah (die auch bald ihren 16. Geburtstag feiert) und Victoria ihre Spitzenpolitik-Erfahrungen gut einbringen. Schließlich wird es für beide heuer ernst, denn sie dürfen wie etwa 220.000 andere Minderjährige in Bayern zum ersten Mal an der Wahlurne mitbestimmen.

Hannah Büttner (links) und Victoria Meyer dürfen 2024 zum ersten Mal bei der Europawahl mitbestimmen.
Hannah Büttner (links) und Victoria Meyer dürfen 2024 zum ersten Mal bei der Europawahl mitbestimmen. // Stephan Großmann

Ob sie selbst einmal den Weg in die Politik finden werden? Victoria ist sich da noch nicht so sicher. „Das war spannend, aber so richtig sehe ich das noch nicht.“ Sie lacht und schaut rüber zu Hannah. Die wiederum will demnächst zumindest – ganz im Sinne der Familientradition – ihr SPD-Parteibuch beantragen. Dann kann sie beim nächsten Treffen auch einfach Olaf zum Bundeskanzler sagen.

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