Der Sommer ist langsam, aber sicher da! Die Sonne strahlt und lockt Wanderer sowie Radler vor die Tür. Da kommt die Fahrradkarte der Tourist-Information Forchheim wie gerufen. Die sechs Routen führen Fahrradfahrer durch die Fränkische Schweiz, das Regnitztal sowie ins Aischtal. Die Karte, die mit dem Verkehrsclub ADFC Forchheim entwickelt wurde, kann für drei Euro in der Tourist-Information an der Kaiserpfalz erworben werden. Von hier aus starten auch alle sechs Touren. Inhalt der Karte sind QR-Codes, die es erleichtern sollen, die Route auf dem Smartphone zu betrachten.
Radfahren in alle Himmelsrichtungen
Aufgeteilt sind die Routen in die Schwierigkeitsgrade leicht, mittel und schwer. Die kürzeste der vier mittelschweren Stecken beträgt 36,6 Kilometer. Wer die Bierkeller der Forchheimer Umgebung auf dem Drahtesel erkunden möchte, tut dies am besten über die 38,4 Kilometer lange „Aischtal Bierkellerrunde“. Einen wunderbaren Blick auf das Walberla, hat man, wenn man die 47,7 Kilometer der Wiesenttalroute abfährt.
Die Pettstadter Fähre erreicht man über die „Regnitztalroute“ Nord die Radler über 45,5 Kilometer hinweg die Umgebung um Hischaid und Eggolsheim nahebringt. Schwieriger wird es dann bei der Tour „Die Fränkische“, die sich eher für sportliche Mitmenschen eignet. Ganze 76,5 Kilometer führt sie an Dörfern vorbei in die Fränkische hinein.
Tour im Test
Die Regnitztalroute Süd ist die leichteste der vorgeschlagenen Touren und drängt sich somit für einen Selbsttest auf. Ins Auge fällt zuerst, dass es durch den sehr kleinen Maßstab der Karte, nämlich 1:31.250, schwer scheint, die richtigen Abzweigungen zu erkennen. Vor Ort ist daher mitunter Rätselraten erforderlich. An solch schwierigen Stellen soll eigentlich die Beschreibung in der Karte weiterhelfen – das gelingt im Test aber nicht immer. So soll man etwa nach Hausen durch den Wald zum Dechsendorfer Weiher und über den Baiersdorfer Baggersee zurückfahren.
Welchen Weg man einschlagen muss, damit diese Route gelingt, bleibt jedoch offen. Somit ist man selbst als Ortskundiger verunsichert – wenn nicht gar ratlos –, in welche Richtung es weitergehen soll. Der neben der Route abgedruckte QR-Code ließ sich zumindest mit dem zum Test eingesetzten Apple-Handy nicht zu öffnen.
Und nun? Die einzige Lösung ist dann, einfach ins Grüne hineinzufahren. Dadurch, dass kaum Beschilderungen vorhanden sind, fährt man dann aber rätselnd zwischen den Bäumen des Heroldsbacher Waldes hin und her. Bei der Vorstellung, dass ein Ortsfremder durch den mit Funklöchern bespickten Wald irren würde, wird der Testerin mulmig zumute.
Trotz Ortskenntnis gelingt es im Test übrigens nicht, den Dechsendorfer Weiher bei dieser 36 Kilometer langen Radtour zu erreichen. Die Strecke sieht auf der Karte und in der Beschreibung attraktiv aus. Gerade aufgrund der beiden Badestellen verspricht die Tour besonders an heißen Sommertagen verlockend zu sein. Die Karte ist in der Praxis aber eher irre- statt zielführend.
Gefährliche Stellen der Wiesenttalroute
Probleme gibt es auch bei den anderen Touren. Wenn man etwa der Wiesenttalroute folgt, gelangt man an eine besonders gefährliche Stelle. Zu finden ist diese auf dem Streckenabschnitt, der vom Stadtteil Reuth kommend auf den Radweg Richtung Wiesenthau führt. Dort findet man einen Bahnübergang und zwei sich kreuzende Straßen vor. Als wäre das nicht schon abenteuerlich genug, endet der Radweg kurz vor dem Übergang abrupt.
Als Radfahrer steht man mitten auf der Gabelung und weiß zunächst nicht, wohin. Diese unübersichtliche Kreuzung ist schon für so manchen Forchheimer Autofahrer nicht ohne. Familien mit Kindern dürften hier an ihre Grenzen stoßen – gerade wenn in den Sommertagen die Fränkische Schweiz wieder von Ausflüglern mit Autos überrollt wird, ist diese Stelle wirklich riskant.
Warnungen auf der Karte nötig
Noch herausfordernder als an der Wiesenttalroute entpuppt sich die Regnitztalroute Süd. Ausreichend Beschilderung ist hier zwar vorhanden, und die Karte ist besser lesbar. Doch führen auch hier signifikante Teile der Strecke an der Landstraße entlang. Schlimmer noch: Der Radweg ist nicht vollständig ausgebaut. So lässt es sich nicht vermeiden, mehrfach kurze Etappen der Route auf der Landstraße zu fahren. Ein Hinweis auf solche Gefahrenschwerpunkte fehlt.
Gerade in Hinblick auf Familien wäre es sinnvoll, auf der Karte vor derartigen Streckenabschnitten zu warnen.
Generell gilt: Die Karte verfügt zwar über interessante Fakten wie Höhenmeterangaben, E-Bikeladestationen und andere Stecken-Highlights, mindestens ebenso wichtig wären aber Sicherheitshinweise. Wünschenswert wäre zudem ein Apple-kompatibles Navigationstool.
Der größte Kritikpunkt bleibt jedoch weiterhin die Unübersichtlichkeit mancher Routen. Auch im Nachgang bleibt die korrekte Führung der Regnitztalroute der Testerin ein Rätsel.
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