Ist es ein Paukenschlag oder eher eine Ohrfeige? So viel ist sicher: Die Händler aus Forchheims City sind stinksauer auf die Stadtpolitik. In einer Stellungnahme des Vereins Heimforteil fragen sie jetzt: „Patientin Innenstadt: ein Fall für die Intensivstation?“ Inflation, hohe Energiekosten und die Kaufzurückhaltung mache ihnen das Leben schon schwer genug, in Forchheim kämen aber noch zahlreiche Baustellen hinzu. Und zugegebenermaßen ist eine Spaziergang durch Forchheims eigentlich malerische Innenstadt gerade kein besonders erhebendes Erlebnis: Am Paradeplatz tobt eine Baustelle, das Rathhaus verschwindet hinter Kränen, Gerüsten und unansehnlichen Planen und dann wird noch Glasfaser verlegt.
Die City sehen die Händler anscheinend einer Abwärtsspirale: „Seit August 2022 nimmt die Zahl von Unternehmensinsolvenzen zu, viele Selbstständige haben außerdem Probleme, Nachfolger für ihr Unternehmen zu finden“, schreiben sie in ihrer Stellungnahme. „Diese Gemengelage führt zu mehr Leerständen, die keine Stadt attraktiver machen.“ Ein bisschen klingt das, als liege Forchheims Innenstadt im Sterben.
Vom Stadtrat alleingelassen
Dabei hat sich der Verein doch genaus das Gegenteil zum Ziel gesetzt: der Innenstadt neues Leben einzuhauchen. Etwa mit mehr Aufenhaltsqualität und schönen Events. Unterstützt wurden sie dabei mehrere Jahre lang von einer hauptamtlichen City-Managerin. Doch seitdem die den Dienst quittiert hat, ist die Stelle unbesetzt und die Händler fühlen sich zunehmend von der Stadt im Stich gelassen. „Seit einem ersten Bewerbungslauf ist gefühlt nichts mehr passiert“, schreiben die Vereinsvorsitzenden Yvonne Brandner, Petra Dietzel und Manfred Schade. „Unserer Meinung nach wird das Thema im politischen Hick Hack der Fraktionen zerrieben und deshalb geht nichts voran.“
Ein Eindruck, der sich durchaus mit Recherchen des Fränkischen Tags deckt. So sind der Redaktion zwei Bewerber bekannt, die zumindest von ihrem Lebenslauf und ihrer Qualifikation her durchaus für die Position geeignet wären. Beide haben sich bereits in der ersten Bewerbungsrunde beworben und wurden auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen.
Ein Bewerber: Forchheim ist ein Schatzkästchen, doch liege im Sterben
Einer von ihnen ist Markus Okrafka aus Bayreuth. Er hat bereits fast sechs Jahre für die Stadt Pegnitz und bald acht Jahre für die Stadt Melsungen als City-Manager gearbeitet. Seiner Einschätzung nach ist Forchheim ein „Schatzkästchen“ – mit einer hervorragenden Lage und der nötigen Kaufkraft im Umland.
Doch für den 53-Jährigen wirkt die Innenstadt eher, als liege sie im Sterben. Um sie am Leben zu erhalten, brauche es mutige und weitreichende Schritte, um die Fehler der Vergangenheit zu kurieren. Als Hauptproblem identifiziert er die Konkurrenz an der Willy-Brandt-Allee. Dort seien viel zu viele für die Innenstadt relevante Läden zugelassen worden. Mit entsprechenden Bebauungsplanänderungen könne man da eventuell etwas bewegen. All das habe er auch im Vorstellungsgespräch angebracht. „Vielleicht war ich da in der Kritik zu offen“, sagt er rückblickend.
Andererseits: Wenn man die Wundendes Patienten Innenstadt nicht schonungslos offenlegt, kann man sie auch nicht heilen. Die Händler wären ja über ein wenig Unterstützung schon froh. Wenn sich der Stadtrat schon auf keinen Bewerber einigen könne, solle man doch bitte wenigstens die Assistenz befördern und ihr jemanden zur Unterstützung zu Seite stellen. Doch selbst diese Idee hat im jüngsten Personalausschuss keine Mehrheit gefunden.
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